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Osterzgebirge: Wird der Wald zu Gold?

Die Preise für Balken und Bretter gehen durch die Decke. Wer Bäume besitzt oder ein Sägewerk, hat gut lachen. Oder?

"Eine Aufgabe, die man gern macht." Rehefelds Revierförster Uwe Liebscher mit frisch gefällten Fichtenstämmen. Damit versorgt er regionale Sägewerke in Chemnitz und im Erzgebirge.
"Eine Aufgabe, die man gern macht." Rehefelds Revierförster Uwe Liebscher mit frisch gefällten Fichtenstämmen. Damit versorgt er regionale Sägewerke in Chemnitz und im Erzgebirge. © Karl-Ludwig Oberthür

Es rumort am Osterzgebirgskamm. Das kommt daher, weil die Fichten an der Teichtelle Seilbahn fahren. Das Transportsystem mit dicken Trossen und dem Laufwagen, der die Stämme schleppt, ist das Mittel der Wahl für Rehefelds Revierförster Uwe Liebscher, das Holz aus dem steilen Gelände zu bergen. Die Bäume sind 120, 130 Jahre alt - und gesund. Beste Sägequalität. Die Großindustrie würde sich die Finger lecken. Aber nein, das Holz kriegen heimische Kleinsäger, im Erzgebirge und bei Chemnitz. Den Förster freut das. "Es ist eine Aufgabe, die man gern macht."

Seit Herbst 2020 schießen die Preise für Nadelholzprodukte nach oben. Kostete ein Kubikmeter Konstruktionsvollholz, ein beliebtes Sortiment am Bau, bis dahin um die 260 Euro, war Ende April dieses Jahres schon die 500er-Marke in Sicht. In den USA zahlte man für Nadelschnittholz zu diesem Zeitpunkt bereits umgerechnet 760 Euro je Kubikmeter, ein Vierfaches des dortigen Vorjahrswerts. Laut Holzkurier, Fachblatt der Branche, stiegen die deutschen Holzexporte in die USA allein 2020 um 54 Prozent.

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Begehrter Rohstoff: Arbeiter der Firma Thomas Behrisch aus Karsdorf ernten mit ihrem Seilkran Holz im Revier Rehefeld.
Begehrter Rohstoff: Arbeiter der Firma Thomas Behrisch aus Karsdorf ernten mit ihrem Seilkran Holz im Revier Rehefeld. © Karl-Ludwig Oberthür

Als maßgeblicher Grund für den Holzhype gilt der Bauboom nach dem Schock der ersten Covid-Welle. Renovieren statt Urlaub machen. Aber was haben die hiesigen Waldbauern davon? Momentan wenig, sagt Karolin Erxleben, Leiterin des Holzbüros beim Forstbezirk Bärenfels. Der Preisanstieg komme in der Regel nicht beim Waldbesitzer an. "Gewinner ist die Großsägeindustrie und der Handel."

2020 hat der Forstbezirk für sein Holz insgesamt gesehen zwischen 28 und 34 Euro je Kubikmeter erzielt. Verkauft wurde fast ausschließlich Schadholz der Sturm- und Käferkrise. Dieses Jahr liegt der Preis, besseres und schlechteres Holz kombiniert, bislang bei 35 Euro. Kein wirklicher Zuwachs. Aber die Nachfrage brummt. Die Sägewerke bitten um Lieferung.

Deutlich mehr Geld für Privatbäume

Doch das frische Winterholz - 40.000 Kubikmeter Einschlag waren angesetzt - ist alle, und neues Käferholz gibt es in diesem feuchten, kühlen Frühjahr noch nicht. Man müsste mehr grüne Bäume fällen. Aber damit tut sich der Forstbezirk schwer. Denn die Käfermassen sind noch in den Wäldern. Schlägt das Wetter um, in heiß und trocken, könnte schnell neuer Holzüberfluss drohen, der die Preise drückt.

Annett Jung, die Chefin der Forstbetriebsgemeinschaft Freiberger Land-Erzgebirge mit Sitz im Tharandter Wald, ist guter Dinge. Für ihre rund 860 privaten Waldbesitzer zwischen Dresden und Chemnitz hat sie deutlich bessere Konditionen verhandelt als während der Katastrophenjahre üblich. Für Käferholz gibt es statt 28 bis 30 Euro jetzt 44 bis 45 Euro - etwa so viel, wie frisches Holz noch vor Kurzem einbrachte. Das wiederum kann sie jetzt für gut siebzig Euro je Festmeter verkaufen. "Das sind Preise, wo die Waldbesitzer sagen: Jetzt schlage ich in Größenordnungen Holz ein."

Martin Mixsas Wald bei Kreischa ist von Käfern und Dürre ausgedünnt. Auch wenn besser gezahlt wird: Ohne Not will er jetzt keine Bäume fällen.
Martin Mixsas Wald bei Kreischa ist von Käfern und Dürre ausgedünnt. Auch wenn besser gezahlt wird: Ohne Not will er jetzt keine Bäume fällen. © Egbert Kamprath

Doch nicht alle wollen das. Martin Mixsa, Metallgestalter in Kreischa, besitzt mit 22 Hektar zwar weit mehr Wald als der Durchschnitt der Privaten. Aber sein Wald ist schwer gezeichnet, vom Käfer zerfressen, vertrocknet. Mehrere Hektar sind völlig baumfrei. Da will er nicht durch Holzernte zusätzlich "Schaden machen", sagt er. Dass der Holzmarkt leergesogen ist, entgeht auch ihm nicht. Baubetriebe fragten an, ober er Holz für sie habe. Dabei besitzt er gar kein eigenes Sägegatter.

Sachsenforst: Vertriebswege nicht kontrollierbar

Das Bauhandwerk sieht den Freistaat als größten Waldbesitzer - rund 40 Prozent des Sachsenwalds gehören ihm - in der Pflicht. Er soll dafür sorgen, dass genug Holz im Land bleibt. Bei der Sachsenforst-Zentrale in Graupa spricht Abteilungsleiter Thomas Rother von einer Fehleinschätzung. Zwar liefere man an deutsche Werke. Doch hätten diese Firmen international aufgestellte Vertriebsstrukturen. "Wohin das Holz dann geht, können wir nicht beeinflussen."

Eins stellt Rother klar: "Die Nadelholzversorgung der regionalen Sägewerke wird durch Sachsenforst gewährleistet." Nur gibt es solche Betriebe kaum noch. Sachsen wird von zwei Mega-Sägern regiert - Kodersdorf und Torgau. Danach kommt lange nichts. Forstmann Rother schätzt die Zahl der verbliebenen kleinen Mittelständler auf unter zehn. Auch eine Folge der bisherigen Einkaufsgewohnheiten am Bau. "Eine stärkere Nachfrage nach Holz aus der Region könnte diese Sägewerke stärken."

"Bewusstsein für regionales Holz steigern." Thomas Rother von Sachsenforst fände es gut, wenn regionale Sägewerke mehr Kundschaft hätten.
"Bewusstsein für regionales Holz steigern." Thomas Rother von Sachsenforst fände es gut, wenn regionale Sägewerke mehr Kundschaft hätten. © Daniel Schäfer

Thomas Räntzsch in Kurort Hartha ist einer dieser seltenen Säger, in sechster Generation. Er exportiert keine Bretter nach Amerika. Seine Kunden sind Holzhändler im Umkreis von 50 Kilometern. Wenn er hört, die Säger hätten durch ausufernden Export die Holznot ausgelöst, bringt ihn das auf die Palme. Er hält die Miesere für hausgemacht.

Räntzsch ist überzeugt: Schnittholz war lange viel zu billig. Nachhaltige Preissteigerungen? Seit Jahren Fehlanzeige. Auch deshalb, weil die Betriebe - auch solche, die jetzt jammerten - alles immer noch billiger hätten kriegen wollen. Wäre das anders gewesen, würde der Anstieg jetzt nicht so krass ausfallen, wäre die Lust zu exportieren geringer. Dass die Werke nach Amerika liefern, weil man dort noch besser verdient als hier, hält er für legitim. "Das nennt sich Marktwirtschaft."

"Ich kann meine Leute nicht verheizen"

Er selbst ist vom Exportgeschäft zu weit weg. Aber er findet es gut, dass die Preisspirale auch ihm höhere Einnahmen beschert. Endlich ein bisschen mehr verdienen als nur die Kosten, sagt er. Die Auftragsbücher sind rappelvoll. Die Firma sägt am Limit. Sieben- bis achttausend Kubikmeter Einschnitt pro Jahr schafft man normalerweise. Dieses Jahr werden es vielleicht 10.000 sein. Aber dann ist Schluss, sagt der Chef. "Ich kann meine Leute nicht verheizen."

Er ärgert sich, dass die Säger zu Sündenböcken gemacht werden: Thomas Räntzsch, Sägewerkschef in Kurort Hartha.
Er ärgert sich, dass die Säger zu Sündenböcken gemacht werden: Thomas Räntzsch, Sägewerkschef in Kurort Hartha. © Daniel Schäfer

So bedient er weiter seine Handvoll Stammkunden, jene Kunden, das betont er, die auch in schlechten Zeiten Holz von ihm kauften, statt billigere Anbieter zu bevorzugen. Zu etwa 95 Prozent schafft er es, das Gewünschte zu liefern, und das zeitnah. Die Aussichten? Am Ball bleiben, durchhalten, erst mal bis zum Sommer. Im Juli ist traditionell Betriebsurlaub, sagt Räntzsch. Und der wird stattfinden. "Da kann kommen, was will!"

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