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Strahwaldes neues Schloss-Wunder

Lang stand der Lindenhof leer, nun sanieren Urenkelin von Hilde zu Stolberg-Wernigerode und ihr Mann den Gutshof bei Herrnhut, haben dazu Dresden verlassen.

Damian (Mitte) und Juliane Jdanoff mit ihrem Sohn Anton (links) vor dem Gutshaus. Ab 1. September sollen hier auch Mieter einziehen können. Die Familie aus Dresden lebt bereits hier.
Damian (Mitte) und Juliane Jdanoff mit ihrem Sohn Anton (links) vor dem Gutshaus. Ab 1. September sollen hier auch Mieter einziehen können. Die Familie aus Dresden lebt bereits hier. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Hilde zu Stolberg-Wernigerode war ganz sicher eine bemerkenswerte Frau: 1917 - frisch getrennt von ihrem Mann - hat sie sich mit ihrer Schwester und fünf Kindern aufs Land in die Oberlausitz zurückgezogen. Dafür erwarb die adlige Dame einen Gutshof in Strahwalde: den Lindenhof. Dieses Erbe ist es, das jetzt das Leben ihrer Urenkelin Juliane bestimmt und in neue Bahnen lenkt. Gemeinsam mit ihrem Mann Damian Jdanoff und ihren vier Kindern ist sie in ein großes Abenteuer aufgebrochen. Eine Entscheidung, die der Familie durchaus nicht leicht gefallen ist.

Die Jdanoffs - beide Architekten - haben bisher mit ihren zwölf, zehn, sieben und sechs Jahre alten Kindern in Dresden gelebt. "Eigentlich haben wir uns in der Stadt immer sehr wohl gefühlt", schildert Damian Jdanoff, der wie seine Frau in Hessen aufgewachsen ist, dessen Familie aber neben deutschen auch französische und russische Wurzeln hat. Mit den Kindern wuchs dann doch der Wunsch nach mehr Platz, einem Garten, nach mehr Bewegungsfreiheit. Und dann war da noch dieses Haus, für das es keinen echten Plan gab. Das riesige Gutshaus im Strahwalder Schlossweg hat seit dem Kauf ihrer Urgroßmutter immer der Familie zu Stolberg-Wernigerode gehört - selbst zu DDR-Zeiten. "Es war zu wenig Ackerland drumherum, daher hatte es sich damals wohl nicht gelohnt, das Gut zu verstaatlichen", erklärt Frau Jdanoff.

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Entscheidung für Sanierung und Strahwalde

Aber selbst einziehen? "Wir haben lange überlegt", erinnert sich der Architekt und Familienvater. 2016 hatten sie bereits das Häuschen des früheren Verwalters - vis-a-vis vom Gutshaus - saniert. Als Testobjekt sozusagen. Doch die Fragezeichen beim Lindenhof standen nach wie vor. "Wir haben dann eine Pro-und-Kontra-Liste gemacht", beschreibt Jdanoff die Zeit 2017/18, in der die Entscheidung für eine Sanierung des Gutshauses und für den Umzug nach Strahwalde gefallen ist.

Die Hausnummer ist dran: Schlossweg 5 wird künftig eine gute Wohnadresse sein - nicht nur für die Jdanoffs selbst.
Die Hausnummer ist dran: Schlossweg 5 wird künftig eine gute Wohnadresse sein - nicht nur für die Jdanoffs selbst. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Die alten Fenster und Türen sind teilweise wieder aufgearbeitet worden, der Putz kommt in den nächsten Tagen neu dran.
Die alten Fenster und Türen sind teilweise wieder aufgearbeitet worden, der Putz kommt in den nächsten Tagen neu dran. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Auch innen setzen die Architekten auf eine Mischung von historischem Charme und modernem Wohnen. Holz spielt dabei eine wichtige Rolle.
Auch innen setzen die Architekten auf eine Mischung von historischem Charme und modernem Wohnen. Holz spielt dabei eine wichtige Rolle. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Die Bögen sind Teil des Bauernhauses, das aus dem 17. Jahrhundert stammt und teilweise vom Gutshaus überbaut ist.
Die Bögen sind Teil des Bauernhauses, das aus dem 17. Jahrhundert stammt und teilweise vom Gutshaus überbaut ist. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
550 Quadratmeter Wohnfläche - ohne Dachgeschoss - hat das Gutshaus. Die Sanierung ist mit Fördergeldern aus dem Leader-Programm und Denkmalpflegemitteln möglich.
550 Quadratmeter Wohnfläche - ohne Dachgeschoss - hat das Gutshaus. Die Sanierung ist mit Fördergeldern aus dem Leader-Programm und Denkmalpflegemitteln möglich. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die Aufgabe, ein solches Haus zu sanieren, ist für die beiden Architekten aus vielerlei Gründen verlockend, denn hier können sie auf all das Wert legen, was ihnen wichtig ist. Angefangen damit, dass der Lindenhof eigentlich zwei Häuser in einem ist: "Es handelt sich um ein Bauernhaus mit Gewölbe etwa aus der Zeit um 1680. Darüber und daran ist zwischen 1810/20 im rechten Winkel teilweise ein Gutshaus gebaut worden", beschreibt Damian Jdanoff. Gemeinsam mit der Landesdenkmalpflege habe man das recherchiert und datiert, denn aussagekräftige Unterlagen gibt es nicht. Planung und Bauleitung erledigt Damian Jdanoff bei den Arbeiten generell selbst, seine Frau ist die Spezialistin für Holz- und Schreinerarbeiten in der Familie. Und auch die Kinder helfen mit: Putz abklopfen, Fenster und Türen aufarbeiten - Sohn Anton berichtet stolz, dass er sogar die Dielen in seinem Zimmer selbst geschraubt habe.

Sechsköpfige Familie logiert im Wohnwagen

Was für ein Abenteuer die Haussanierung ist, kann man am besten verstehen, wenn die Familie von ihren drei Monaten im Bauwagen berichtet: "Ja, wir haben im Frühjahr zu sechst auf 80 Quadratmetern mit Holzofen im Bauwagen gewohnt", sagt der Architekt und lacht. Das sei schön gewesen und habe es möglich gemacht, dass man bei der Sanierung gut vorangekommen sei. "Bevor wir hierher gezogen sind, waren wir meist nur an Wochenenden hier und sind dann immer nach Dresden zurückgefahren", sagt Jdanoff über die Zeit ab 2018 bis zum Umzug nach Strahwalde im August 2020.

Für seine Frau Juliane war das Bauwagen-Gefühl allerdings nicht wirklich neu: "Ich habe als Kind im Grunde jedes Jahr meine Ferien hier verbracht - auch im Bauwagen", erinnert sich die 42-Jährige. Nach der Wende sei ihr Vater, der mit seiner Familie damals in Hessen lebte, regelmäßig nach Strahwalde gefahren, um wenigstens die nötigen Reparaturen zu erledigen. "Es gab Plumsklo, fließend kaltes Wasser aus der Wand und Holzöfen", erzählt Juliane Jdanoff, die die Sommerferien trotz spartanischer Ausstattung genossen hat. Noch heute sprechen Leute die Familie an, die Urgroßmutter Hilde und ihre Schwester noch gekannt haben oder selbst einmal im Lindenhof gewohnt haben.

Zwei Vier-Zimmer-Wohnungen zum Vermieten

Wohnen werden neben Familie Jdanoff künftig auch weitere Mieter in dem Haus mit 550 Quadratmetern Wohnfläche: "Wir vermieten ab 1. September zwei Vier-Zimmer-Wohnungen mit 110 beziehungsweise 120 Quadratmetern", erklärt Damian Jdanoff. Vieles ist bereits fertiggestellt - mit Liebe zum Denkmal aber auch zum modernen Wohnen. Eingebaut ist beispielsweise eine Wandheizung, was das Raumklima sehr angenehm macht und beinahe vergessen lässt, in welch altem Gemäuer man sich befindet. Auch der kleine Hof auf der Rückfront des Hauses, wo die namengebende, riesige Linde steht, erwacht neu zu Leben. Ins eigene Büro nach Dresden müssen die beiden Architekten nun aber pendeln. Nicht täglich zwar, aber dennoch in festem Rhythmus. Ob das Ingenieurbüro auch einmal umzieht? Das stehe noch nicht fest, sagt der 44-Jährige.

Fest stehe aber, dass sich alle Neugierigen, die schauen wollen, was aus dem Lindenhof geworden ist, den 12. September vormerken sollten. Zum Tag des offenen Denkmals will die Familie ihren Lindenhof öffnen und dabei Fotos aus der Baugeschichte präsentieren: alt und neu gegenübergestellt.

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