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Zinnwald: Der chinesische Einfluss auf den Lithiumabbau

Ein einflussreicher britischer Politiker wehrt sich gegen ein weltweites Lithium-Monopol. Wenn er erfolgreich ist, hat das auch Folgen für Zinnwald.

Von Franz Herz
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Lithium ist ein strategischer Rohstoff. Daher hat sich auch Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) (li.) von Armin Müller, Chef der Deutschen Lithium, das Projekt vor Kurzem in Altenberg erklären lassen.
Lithium ist ein strategischer Rohstoff. Daher hat sich auch Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) (li.) von Armin Müller, Chef der Deutschen Lithium, das Projekt vor Kurzem in Altenberg erklären lassen. © Egbert Kamprath

In London ist ein Streit entbrannt um den chinesischen Einfluss auf das Unternehmen Bacanora Lithium. Das kann auch Auswirkungen auf die Deutsche Lithium und ihr Bergwerksprojekt in Zinnwald haben. Denn Bacanora und die Deutsche Lithium sind indirekt miteinander verbunden.

Übernahmepläne von Ganfeng sind Stein des Anstoßes

Stein des Anstoßes ist, dass der chinesische Rohstoffkonzern Ganfeng Lithium Bacanora übernehmen will. Eine Gruppe von 500 Kleinaktionären wehrt sich schon längere Zeit dagegen, wie die Börsenzeitung berichtet. Und diese haben jetzt prominente Unterstützung bekommen. Der ehemalige Vorsitzende der Konservativen Partei, welche die Mehrheit im britischen Parlament stellt, Iain Duncan Smith, forderte die britische Regierung auf, dagegen einzuschreiten. Sicherheitsinteressen seien bedroht, wenn China ein Monopol auf Lithiumprodukte aufbauen könnte.

Ganfeng hat seinen Sitz in der chinesischen Industriemetropole Shenzhen und ist nach eigenen Angaben der weltweit führende Produzent von Lithium-Metall. Lithium wird immer mehr als Schlüssel-Rohstoff betrachtet, weil es zur Produktion von Lithium-Ionen-Akkus verwendet wird. Die ihrerseits treiben die verschiedensten mobilen Elektrogeräte an. Die Lithium-Hersteller erwarten vor allem von der Autoindustrie, die sich auf Elektro-Antriebe umstellt, einen Nachfrageschub. Ganfeng arbeitet mit VW, BMW oder Tesla zusammen.

Seit 2017 ist Bacanora in Zinnwald mit im Spiel

Nach Börseninformationen wird Ganfeng bei seinen Übernahmeplänen bisher von Bacanora-Aktionären unterstützt, die 72,9 Prozent des Kapitals besitzen. 75 Prozent wären nötig, um Bacanora von der Börse zu nehmen und vollständig zu beherrschen.

Diese Debatte in London berührt auch Zinnwald. Denn hier ist Bacanora seit 2017 mit im Spiel. Die Lithium-Erkundung im Osterzgebirge hat ja der Solarworld-Konzern 2008 begonnen. Als der deutsche Konzern in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, hat er das damals kanadische Unternehmen Bacanora mit ins Boot genommen und ihm die Hälfte der Anteile für fünf Millionen Euro überlassen. Von da an haben die Kanadier auch alle weiteren Kosten der Erkundung getragen, eine Bohrkampagne und auch die Machbarkeitsstudie für das Bergbauvorhaben finanziert. Sie haben später ihren Firmensitz nach London verlegt und sind dort an der Börse notiert.

Konzentration auf den Abbau in Mexiko

Aber schon der Name Bacanora, der von einem mexikanischen Schnaps herkommt, sagt, dass die Firma woanders noch aktiv ist. In Mexiko in der Provinz Sonora ist ein großes Lithiumvorkommen, für das die Rechte ebenfalls bei dem Unternehmen liegen. Im vergangenen Jahr entschied sich Bacanora zu einer Konzentration auf Mexiko. Seine Rechte in Zinnwald gab es an ein anderes Bergbauunternehmen ab, das sich daraufhin in Zinnwald Lithium umbenannte und ebenfalls an der Londoner Börse notiert ist.

Bei diesem Schritt gab Bacanora an Zinnwald Lithium noch 1,35 Millionen Euro in bar mit, übernahm aber seinerseits 70 Prozent der Anteile an Zinnwald Lithium. Wenn es darauf ankommt, hat Bacanora also immer noch das Sagen.

Rieseninvestition über mehr als 160 Millionen Euro

Damit entscheidet Bacanora oder eben eventuell Ganfeng mit, wenn Zinnwald Lithium die Entscheidung trifft, ob in dem Ortsteil von Altenberg wieder Bergbau beginnt. Derzeit bewertet Zinnwald Lithium das Vorhaben, wie Prof. Armin Müller, Geschäftsführer der Deutschen Lithium auf Anfrage von Sächsische.de informierte. Es handelt sich doch um eine große Investition. Eine Machbarkeitsstudie schätzte die Kosten für die Errichtung von Bergwerk und Aufbereitung auf rund 160 Millionen Euro. Heute liegen sie angesichts der allgemeinen Preissteigerung ein Stück höher.

Genehmigung für Rahmenbetriebsplan 2022 erwartet

Eine Voraussetzung für diese Entscheidung ist sicher die Genehmigung des Rahmenbetriebsplans für das Bergwerk. Hier gibt es noch Fragen zu klären, wie sich der geplante Bergbau unterhalb von Zinnwald auf die Wasserströmungen im Gebirge auswirkt. „Ich gehe davon aus, dass die Deutsche Lithium die erforderlichen Unterlagen Anfang 2022 bei den Behörden einreichen kann“, teilt Müller mit.

Er hofft, dass dann im ersten Quartal des kommenden Jahres das sächsische Oberbergamt in Freiberg den Rahmenbetriebsplan genehmigen kann. Man darf gespannt sein, wer dann letztlich die Entscheidung über ein Lithium-Bergwerk in Zinnwald trifft.