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See-Gemeinden sauer über Görlitzer Motorboot-Beschluss

Bürgermeister von Schönau-Berzdorf und Markersdorf halten vom Dieselmotor-Verbot nichts - und sehen ihr Vertrauen in Görlitz am Berzdorfer See enttäuscht.

Der Görlitzer Stadtrat hat beschlossen, dass er nur Boote ohne Motor oder maximal mit Elektromotor auf dem Berzdorfer See haben will.
Der Görlitzer Stadtrat hat beschlossen, dass er nur Boote ohne Motor oder maximal mit Elektromotor auf dem Berzdorfer See haben will. © privat

Christian Hänel kann es auch Stunden nach der Lektüre des SZ-Artikels kaum in Worte fassen: "Das ist ein Karnevalsscherz, ein Ulk!", sagt Schönau-Berzdorfs parteiloser Bürgermeister über den jüngsten Beschluss im Görlitzer Stadtrat. Anstatt - wie verabredet - in einer Stellungnahme für die Schiffbarkeitserklärung für den Berzdorfer See dem Vorschlag des Freistaats zu folgen, stimmten die Görlitzer Räte für einen Alternativvorschlag. Und der sieht künftig nur noch Boote mit Elektromotor, nicht aber mit Verbrennungsmotoren auf dem See vor.

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Für Hänel, der sich zeitweise sogar als Seebeauftragter um die Entwicklung des Tagebaugewässers gekümmert hat, ist das blanker Hohn: "Wir wollen doch erst einmal den See beleben, Tourismus entwickeln und nicht die Leute verärgern", skizziert er. Dieser Beschluss gehe an der Realität vorbei. "Warum kann man das nicht in zehn, 20 Jahren dann noch machen, wenn man das will", fügt er zum Thema Elektromotor hinzu. Und das Argument, der Berzdorfer See mit seiner Wasserqualität sei für die Zukunft vielleicht gar als Trinkwasserspeicher wichtig und dürfe nicht verschmutzt werden, zieht für Hänel auch nicht: "Das ist ein Bergbausee, der für touristische Nutzung geplant wurde", sagt er.

Vorab keine Kehrtwende erkennbar

Was Hänel und seinen ebenfalls parteilosen Amtskollegen der dritten See-Anrainergemeinde Markersdorf, Thomas Knack, aber vor allem ärgert, ist das Verhalten des Görlitzer Grünen-Stadtrates Joachim Schulze. Er sitzt mit im "Arbeitskreis Planungsverband", in dem sich die drei Gemeinden absprechen. Dort hatten Görlitz, Markersdorf und Schönau-Berzdorf vereinbart, eine identische Stellungnahme zum Vorschlag des Freistaates in ihre Räte einzubringen. Demnach sollte die Sächsische Schifffahrtsrichtlinie gelten und auch Motorboote auf dem See zugelassen werden. Das war gemeinsamer Konsens. Auch Joachim Schulze habe dort nicht erkennen lassen, dass er eine andere Strategie bevorzuge, sagen Knack und Hänel.

Thomas Knack kann ebenso wenig wie Hänel verstehen, warum diese Kehrtwende nun komme - auch wenn schon in der sogenannten Engel-Studie vor einigen Jahren die Idee eines ruhigen, naturbelassenen Sees eine Rolle gespielt habe. "Wir wollen doch auch keine Speedboote auf dem See", betont Knack. Dergleichen könne man aber über Sonderregelungen klären. Dass ein Dieselmotor-Verbot nicht nur den Fahrgastschiff-Plänen des Bernstädter Unternehmers Stefan Gläsel Probleme bereitet, sondern auch den Rettern der DLRG, die ebenfalls mit herkömmlichen Motoren unterwegs sind, sei kaum zu übersehen.

In Schönau-Berzdorf und Markersdorf soll nun jedenfalls über den ursprünglich vereinbarten Beschluss abgestimmt werden - am 19. September in Schönau-Berzdorf und zwei Tage später in Markersdorf. Dann muss der Freistaat die Stellungnahmen abwägen. Thema wird dieser Beschluss ganz sicher noch eine Weile sein. Zum Beispiel bei der Planungsverbandssitzung am kommenden Montag. Der Punkt "Sonstiges" dürfte kontrovers ausfallen - da sind sich Knack und Hänel sicher. Das Vertrauen zwischen Görlitz und den anderen See-Gemeinden sei nach dem Beschluss jedenfalls nicht gewachsen.

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