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Das sind die fünf reichsten Menschen Deutschlands

Das Vermögen der reichsten Deutschen ist auch während der Corona-Krise mehr geworden. Doch wer sind sie und wie leben sie mit ihrem Reichtum? Ein Überblick.

Der Unternehmer Klaus Michael Kühne gehört zu den fünf reichsten Menschen in Deutschland.
Der Unternehmer Klaus Michael Kühne gehört zu den fünf reichsten Menschen in Deutschland. © Axel Heimken/dpa

Von Christopher Stolz

Die Corona-Krise macht allen Deutschen finanziell irgendwie zu schaffen? Dass das eine Mär ist, zeigt sich spätestens im Global Wealth Report, der am Donnerstag von der Boston Consulting Group (BCG) veröffentlicht wurde.

Der Club der Superreichen, zu dem Menschen mit einem Finanzvermögen von mehr als 100 Millionen Dollar gehören, wuchs im Krisenjahr in Deutschland um 186 Personen auf 2900. Damit steht Deutschland auf Platz drei im weltweiten Ranking hinter den USA und China.

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Die Zahl der Dollar-Millionäre in Deutschland erhöhte sich demnach um 35.000 auf 542.000. Die BCG führt den Anstieg auch auf die Entwicklung des Eurokurses zurück, der im Vergleich zum Dollar zugelegt hat. Die Menschen haben damit – nicht nur in Deutschland – im Corona-Krisenjahr 2020 insgesamt so viel Reichtum angehäuft wie nie.

Auffällig ist, dass das Vermögen der fünf reichsten deutschen Personen teils sogar deutlich gewachsen ist – was vor allem darauf zurückzuführen sein dürfte, dass die Unternehmer nicht so sehr von der Pandemie betroffen sind oder sogar von ihr profitierten.

Das sieht man am Beispiel einer Person, die zwar nicht unter den Top fünf zu finden ist, aber einen immens großen Satz in der Liste der deutschen Superreichen auf Platz 20 gemacht hat: Ugur Sahin, der Gründer des Impfstoff-Herstellers Biontech, wird dort nun „Forbes“ zufolge mit einem Vermögen von 7,7 Milliarden US-Dollar gelistet.

Die Zusammensetzung der reichsten Deutschen hat sich in den vergangenen Jahren hingegen selten geändert. Auch während der Corona-Krise nicht, weil die fünf Reichsten in krisensicheren Branchen tätig sind – Supermärkte, Autohersteller, Logistik – und teils Großaktionäre sind.

Doch wie reich sind sie wirklich, warum sind sie eigentlich so reich und wie leben sie mit diesem Reichtum?

1. Beate Heister und Karl Albrecht Jr. (69 und 73, Aldi Süd)

Heister, geborene Albrecht, und Albrecht Jr. erbten die Supermarkt-Kette Aldi Süd von ihrem Vater Karl Albrecht Sr., der Gründer des Unternehmens starb 2014. Sie waren bereits vor der Corona-Krise im Jahr 2019 die reichsten Menschen Deutschlands mit einem gemeinsamen Vermögen von 36,1 Mrd. US-Dollar.

Dieses Vermögen haben sie bis Mai 2021 laut „Forbes“ um mehr als drei Milliarden US-Dollar wachsen lassen. In den vergangenen Jahren gehörten sie damit zu den 25 reichsten Menschen der Welt.

Beate Heister und Karl Albrecht waren bereits vor der Corona-Krise die reichsten Menschen Deutschlands
Beate Heister und Karl Albrecht waren bereits vor der Corona-Krise die reichsten Menschen Deutschlands © Rolf Vennenbernd/dpa

Der Cousin von Heister und Karl Albrecht Jr. ist der Erbe der Supermarkt-Kette Aldi Nord, Theo Albrecht Jr. Er steht auf der Liste der reichsten Deutschen auf Platz sechs mit weniger als der Hälfte des Vermögens der Aldi-Süd-Erben: 18,8 Milliarden US-Dollar.

Wie auch sein Cousin Theo Albrecht Jr. gilt Karl Albrecht Jr. als öffentlichkeitsscheu. Er ist bislang nicht im Fernsehen aufgetreten. Es gibt generell wenige öffentlich zugängliche Fotos von einem der reichsten Männer Deutschlands. Ein Grund dafür ist die Entführung von Theo Albrecht Sr., der 1971 erst nach mehr als zwei Wochen gegen Zahlung eines Lösegeldes von umgerechnet mehr als 3,5 Millionen Euro freigelassen wurde.

Karl Albrecht Jr. ist, genau so wie Beate Heister, nicht mehr aktiv im Unternehmen tätig. Er ging bereits 2004 mit nur 57 Jahren in den Ruhestand, nachdem er zum dritten Mal an Krebs erkrankt war. Medienberichten zufolge arbeitet er an der Biografie seines Vaters, Aldi-Süd-Gründer Karl Albrecht Sr.

Das Vermögen der Aldi-Süd-Erben wird von der Familienstiftung kontrolliert. Die Siepmann-Stiftung ist nach der Großmutter Heisters und Albrecht Jr. benannt. Sie sind bekannt dafür, ihr Geld über weitere Stiftungen zu spenden. So fördern sie beispielsweise über die Oertl-Stiftung die Forschung zu Herz-Kreislauf-Erkankungen und über die Elisen-Stiftung verschiedene Kulturprojekte.

Beate Heister ist Mitglied des Vorstandes der Siepmann-Stiftung, die von ihrem Sohn Peter Max Heister geleitet wird. Sollten keine Nachfahren von Karl Albrecht Jr. erbberechtigt sein, fließt das Vermögen von dort in gleichen Teilen an Oertl- und Elisen-Stiftung.

2. Dieter Schwarz (81, Lidl/Kaufland)

Schwarz ist Gründer und Eigentümer der Schwarz-Gruppe, die als Mutter der Supermarkt-Ketten Kaufland und Lidl firmiert. Er ist somit der reichste noch lebende Unternehmensgründer Deutschlands.

Dieter Schwarz ist derjenige unter den fünf reichsten Deutschen, dessen Vermögen während der Corona-Krise am meisten gewachsen ist – von 22,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 auf jetzt 36,9 Milliarden. Verstetigt sich diese Entwicklung könnte er schon im kommenden Jahr erstmals der reichste Mensch Deutschlands sein. Manche sehen ihn schon als solchen, weil sich die Aldi-Süd-Erben das Vermögen teilen müssen.

Blick auf die Lidl-Zentrale in Neckarsulm: Eigentümer Dieter Schwarz ist der reichste noch lebende Firmengründer Deutschlands.
Blick auf die Lidl-Zentrale in Neckarsulm: Eigentümer Dieter Schwarz ist der reichste noch lebende Firmengründer Deutschlands. © dpa

Wie die Aldi-Süd-Erben scheut auch Schwarz die Öffentlichkeit, es gibt keinerlei Filmaufnahmen seiner Person. Es geht sogar so weit, dass Schwarz mitunter seine Identität verschleiert, um nicht erkannt oder gefunden zu werden. Er hat sich bereits früh in den Ruhestand verabschiedet, angeblich Ende der 90er Jahre.

Schwarz ist mit dem Discounterkonzern Lidl der größte Konkurrent Aldi Süds und mit mehr als 11.000 Filialen weltweit sogar größer. 2020 war Lidl, nach der Anzahl der Filialen berechnet, die größte Supermarkt-Kette der Welt. Außerdem ist die Schwarz-Gruppe der größte Handelskonzern Europas und beschäftigt mehr als 400.000 Mitarbeiter.

Auch Schwarz investiert einen großen Teil seines Vermögens in eine Stiftung, die Dieter-Schwarz-Stiftung. Mit dieser schafft er seit 1999 nach eigener Aussage „Bildungsangebote für Menschen in verschiedenen Lebensphasen“. Das Geld richtet sich vor allem an Wissenschaft und Forschung in seiner Heimatstadt Heilbronn und in der Umgebung. Eines seiner größten Projekte ist die „Experimenta“.

3. Susanne Klatten (59, Hauptanteilseignerin BMW)

Klatten ist eine geborene Quandt, die Tochter des Münchner Industriellen Herbert Quandt. Ihr Bruder Stefan Quandt ist mit 21,6 Milliarden US-Dollar die fünftreichste Person Deutschlands. Klattens Vermögen ist laut „Forbes“ weitaus größer und beläuft sich auf 27,7 Milliarden US-Dollar. Das hat mehrere Gründe.

Als ihr Vater starb, erbten Klatten, ihre Mutter und ihr Bruder unter anderem die Anteile am Autohersteller BMW, die sich auf rund 47 Prozent belaufen sollen. Wenn man bedenkt, dass sich Beate Heister ihr Vermögen mit ihrem Bruder teilen muss, ist Klatten die reichste Frau Deutschlands.

Susanne Klatten, BMW-Großaktionärin, scheut die Öffentlichkeit nicht.
Susanne Klatten, BMW-Großaktionärin, scheut die Öffentlichkeit nicht. © Matthias Balk/dpa

Anders als die noch reicheren Deutschen scheut Klatten die Öffentlichkeit nicht. Das, obwohl Kriminelle auch bei ihr versuchten, Geld zu erpressen, nachdem sie 2007 eine Affäre mit einem Mann eingegangen war. Dieser wurde gefasst und wegen gewerbsmäßigen Betrugs und versuchter Erpressung zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Klatt ist mitunter sogar an Messeständen von BMW zu finden, wie 2017 während der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA). Allerdings verschleierte auch sie in ihrer Ausbildung ihre wahre Identität, beispielsweise während eines Praktikums in einem BMW-Werk. Dort nannte sie sich Susanne Kant.

Klatten sitzt im Aufsichtsrat von BMW. Ihr gehört über ihre Holdinggesellschaft der Chemiekonzern Atlana zu 100 Prozent, der 1977 durch die Ausgliederung aus dem Batteriekonzern Varta entstanden ist. Außerdem ist sie an verschiedenen weiteren Unternehmen beteiligt.

Als Ehrensenatorin der Technischen Universität München stiftete sie dieser im Jahr 2009 rund zehn Millionen Euro, um einen Lehrstuhl für Empirische Bildungsforschung errichten zu können, der den Namen ihrer Susanne-Klatten-Stiftung trägt. Klatten gehörte in den vergangenen Jahren zu den größten Parteispendern der CDU und FDP.

4. Klaus-Michael Kühne (83, Kühne + Nagel)

Klaus-Michael Kühne ist die wohl öffentlichkeitswirksamste Person unter den Reichsten in Deutschland. Seinen Reichtum generiert er als Erbe und Mehrheitsaktionär des Logistikunternehmens Kühne + Nagel, das sein Großvater gründete. Bundesweit bekannter wurde er allerdings als Großaktionär beim Fußballverein Hamburger SV.

Kühne ist der einzige unter den fünf reichsten Deutschen, der sein Vermögen seit 2019 mehr als verdoppeln konnte, von 12,9 Milliarden US-Dollar vor der Corona-Krise auf jetzt 26,3 Milliarden.

Klaus-Michael Kühne, Unternehmer und Manager, spricht auf einer Veranstaltung.
Klaus-Michael Kühne, Unternehmer und Manager, spricht auf einer Veranstaltung. © Axel Heimken/dpa

Er selbst war es, der das Unternehmen 1994 an die Börse brachte, vermutlich ist das Aktiengeschäft einer der Gründe dafür, dass sein Vermögen in den vergangenen zwei Jahren so stark gewachsen ist. Kühne besitzt seit 2008 auch 30 Prozent an einer der weltweit größten Reedereien, Hapag-Lloyd.

Er ist alleiniger Stifter der gemeinnützigen Kühne-Stiftung in der Schweiz. Kühne zahlt in die Stiftung, die seine Eltern gründeten, Medienberichten zufolge jährlich rund fünf Millionen Schweizer Franken ein. Sie soll später das Vermögen der Firma tragen. Dies plant Kühne auch deshalb so, weil er keine Kinder hat, denen er die Anteile vererben könnte.

2003 gründete Kühne gemeinsam mit der Stadt Hamburg und der dort im Stadtteil Harburg ansässigen Technischen Universität die Hamburg School of Logistics, aus der später die Kühne Logistics University hervorging. Über diese arbeitet Kühne auch mit der Technischen Universität Berlin zusammen. Kühne trat auch als Geldgeber für den Bau der Elbphilharmonie auf.

Als Großinvestor machte er es sich außerdem zur Aufgabe, den damaligen Fußball-Bundesligisten Hamburger SV zurück in den Europapokal zu führen. Dazu stellte er dem HSV immer wieder Darlehen in Millionenhöhe aus und erwarb Transferrechte an Spielern wie Rafael van der Vaart. Zwischenzeitlich hielt Kühne rund ein Fünftel der Anteile an der HSV Fußball GmbH. 2018 zog er sich zumindest öffentlich als Geldgeber zurück. Für den HSV ging es in dieser Zeit bergab, der Klub spielt seit drei Jahren in der Zweiten Liga.

5. Stefan Quandt (54, Hauptanteilseigner BMW)

Quandt ist der jüngere Bruder der reichsten Frau und drittreichsten Person Deutschlands, Susanne Klatten. Sein Vermögen beläuft sich auf 21,6 Milliarden US-Dollar und ist damit, wie erwähnt, geringer als das seiner Schwester. Sie halten zusammen rund 47 Prozent der Anteile am Autohersteller BMW, wo er bis heute einer der stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrats ist.

Der deutsche Unternehmer Stefan Quandt ist Aktionär der BMW AG.
Der deutsche Unternehmer Stefan Quandt ist Aktionär der BMW AG. © Arno Burgi/dpa

Stefan Quandt ist unternehmerisch nicht so viel tätig wie seine Schwester und bündelt seine finanzielle Aktivitäten in einer Aktiengesellschaft, der Delton AG. Er besitzt geringe Anteile an mehreren Unternehmen international. Quandt ist eine der Aufsichtspersonen der Stiftung seiner Mutter, der Johanna-Quandt-Stiftung, und seines Vaters, der BMW Stiftung Herbert Quandt.

Quandt hat bereits vor mehreren Jahren die gemeinnützige GmbH Aqtivator gegründet, mit der er Projekte für Kinder, Jugendliche und Familien finanziell unterstützt, die sich auf die Schwerpunkte Bildung, Integration und Chancengerechtigkeit spezialisiert haben. Seit Juni 2019 sitzt Quandt im Aufsichtsrat der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Quandt sieht sich, so schreibt das „Handelsblatt“, nicht als jemand, der den Vater unternehmerisch übertreffen müsse, um mit sich im Reinen zu sein. Er habe ein geringes Geltungsbedürfnis und tritt öffentlich weniger in Erscheinung als seine Schwester, Susanne Klatten. Erst 2019 gaben sie dem Manager-Magazin das erste gemeinsame Interview.

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