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Der Streik der Lokführer ist ein Krieg um die Köpfe

Die GDL legt ab Dienstagabend weite Teile des Streckennetzes lahm. Das liegt auch am ehrgeizigen Gewerkschaftsboss Weselsky.

In einer Urabstimmung votiert die GDL für Streiks bei der Deutschen Bahn. Schon am Dienstagabend geht es los, ab Mittwoch ist der Personenverkehr betroffen.
In einer Urabstimmung votiert die GDL für Streiks bei der Deutschen Bahn. Schon am Dienstagabend geht es los, ab Mittwoch ist der Personenverkehr betroffen. © Carsten Koall/dpa

Die Lokführergewerkschaft macht ernst. Ab Dienstagabend wird im Güterverkehr gestreikt, von Mittwoch bis Freitag, 2.00 Uhr, auch im Personenverkehr. Es ist ein Ausstand mit monatelanger Ansage.

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GDL-Chef Weselsky hat sich seit November mit markigen Worten weit aus dem Fenster gelehnt. Er musste liefern, konnte sich aber 95-prozentiger Zustimmung seiner Basis sicher sein. Sie wird zudem breiter, denn seit Herbst fischt die kleine aber mächtige Berufsgewerkschaft nicht nur bei Nichtorganisierten, sondern auch im Teich der verfeindeten EVG: unter Fahrdienstleitern und Beschäftigten in Werkstätten und in der Infrastruktur.

Das Wohlwollen unter den ausgebremsten Reisenden sinkt indes. Das war 2007/08 anders, als eine Mehrheit Verständnis für einen wochenlangen Streik hatte, und es die Bahn selbst mit Zeitungsanzeigen, gefälschten Umfragen, bezahlten Webbeiträgen und Leserbriefen nicht vermochte, das Volk zu bekehren.

Corona und Flutkatastrophe machen es leichter, auf den scheinbar unsolidarischen Buhmann zu zeigen. Die Bahn spricht von einer „Attacke auf das ganze Land“. „Wie kann man streiken, jetzt, wo es aufwärts geht“, empört sich mancher. Streiks kommen immer zur Unzeit, aber sie müssen wehtun, um etwas zu bewirken. Und sie stehen auch Lokführern zu.

Knackpunkt bleibt die Tarifeinheit

Bundesverkehrsminister Scheuer mahnt zur Besonnenheit. Damit scheint der oberste Dienstherr der Staatsbahn fein raus. Dabei hätten er und seine Vorgänger längst milliardenschwere Verlustbringer und so GDL-Kritikpunkte beiseite räumen können: aufgeblähter Wasserkopf, überbezahltes Management, weltweit in bahnferne Projekte verpulverte Steuermilliarden. Das gehört hinterfragt – wenn auch nicht in einer Tarifrunde.

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Knackpunkt bleibt die Tarifeinheit. Die Geister, welche die Bahn 2015 rief, holen sie nun ein. Das Gesetz, wonach nur der Vertrag der mitgliederstärksten Gewerkschaft gilt, sollte den Betriebsfrieden sichern und verhindern, dass wenige ein Land lahmlegen. Beides wurde verpasst. Die Ruhe ist vorbei, ein Krieg um Köpfe vorprogrammiert: in der Mitgliederkartei und um die Meinungshoheit. Und während frustrierte Pendler und Urlauber am Bahnsteig ausharren, reiben sich die Anwälte der Beteiligten die Hände.

E-Mail an Michael Rothe

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