merken
PLUS Wirtschaft

Vonovia-Fusion gescheitert - die Reaktionen aus Sachsen

Vonovia hat sich nicht genug Aktien für die Übernahme der Deutschen Wohnen sichern können. In Sachsen ist man darüber nicht traurig.

Der Zusammenschluss von Vonovia und Deutsche Wohnen ist gescheitert.
Der Zusammenschluss von Vonovia und Deutsche Wohnen ist gescheitert. © dpa

Bochum. Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia ist bei der geplanten Übernahme des Branchenzweiten Deutsche Wohnen erneut gescheitert. Das Bochumer Unternehmen sicherte sich nach Mitteilung vom Montag weniger als die nötigen 50 Prozent der Deutsche-Wohnen-Anteile. Bereits am Freitag hatte Vonovia bekanntgegeben, dass die Mindestannahmeschwelle voraussichtlich nicht erreicht wird.

Vonovia konnte sich nur 47,62 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte der Deutsche Wohnen sichern. Vonovia hatte einen Mindestanteil von 50 Prozent als Bedingung in das Übernahmeangebot geschrieben. Diese Vollzugsbedingung sei "endgültig ausgefallen", heißt es in der Mitteilung vom Montag. Die eingereichten Deutsche-Wohnen-Aktien würden zurückgebucht.

Anzeige
Mal richtig Offroad cruisen
Mal richtig Offroad cruisen

Der 6. SZ OFFROAD TAG steigt am 25. September und wie immer sind Autohäuser und Helfer dabei. Wer das sein wird erfahren Sie hier!

Vonovia wollte mit der rund 18 Milliarden Euro schweren Übernahme der Deutschen Wohnen aus Berlin Europas größten Immobilienkonzern mit rund 550 000 Wohnungen bilden. Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche Wohnen hatten den Aktionärinnen und Aktionären empfohlen, das Übernahmeangebot anzunehmen. Die notwendigen Investitionen in bezahlbares Wohnen, Klimaschutz und Neubau ließen sich nach einem Zusammenschluss gemeinsam besser schultern.

Vonovia-Chef Rolf Buch hatte am Freitag erklärt, der Konzern werde die möglichen Optionen prüfen, "wie zum Beispiel einen Verkauf der derzeit von Vonovia gehaltenen Aktien an der Deutsche Wohnen, ein erneutes öffentliches Angebot oder den Erwerb weiterer Aktien".

Positives Echo aus Sachsen

Bei sächsischen Wohnungspolitikern ist das sich seit einigen Tagen abzeichende Scheitern der Übernahme auf eine positive Resonanz gestoßen. Die ostsächsische Bundestagsabgeordnete Caren Lay (Linke) bezeichnete es als "gut, dass der Deal von Vononvia und Deutsche Wohnen geplatzt ist". Die Fraktionsvizechefin fügte hinzu: "Statt marktdominierender Wohnungsgiganten brauchen wir mehr kommunale, gemeinnützige und genossenschaftliche Wohnungen." Zudem fordert sie ein Verbot sogenannter Share-Deals. vereinfacht gesagt Käufe von Unternehmen über Aktien, deren Vermögen hauptsächlich aus Immobilien besteht.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Thomas Löser sprach von einer aus Dresdner Sicht guten Nachricht. Deutlich mehr als 40.000 Wohnungen hätten das neue börsennotierte Unternehmen besessen "und eine erhebliche Marktmacht zum Nachteil des Mietenmarktes aufgebaut". Bereits nach der Freigabe des Kartellamtes für den nun gescheiterten Deal Ende Juni hatte der sächsische SPD-Landtagsabgeordnete Albrecht Pallas die Risiken für den Dresdner Wohnungsmarkt als "besonders hoch" bezeichnet, da Vonovia nach der Übernahme mehr als 18 Prozent der Wohnungen in der Landeshauptstadt besessen hätte.

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hatte Anfang Juni den Kauf von bis zu 5.000 Wohnungen aus dem Bestand der Vonovia oder der Deutschen Wohnen angeregt und sich für den Erwerb von Baugrundstücken ausgesprochen. Dresden hatte 2006 seinen kompletten städtischen Wohnungesbestand mit 48.000 Einheiten an einen US-Finanzinvestor verkauft und sich so entschuldet.

Kartellamt hatte nichts gegen die Fusion

Bereits 2016 war Vonovia mit einem Übernahmeversuch bei Deutsche Wohnen gescheitert. Auch damals wurde die Mindestannahmequote für die Milliarden-Offerte nicht erreicht. Im Gegensatz zur neuen Offerte hatte der Vorstand der Deutsche Wohnen das Angebot als feindlich eingestuft und sich heftig gegen den Plan gewehrt. Nun warben beide Unternehmen gemeinsam für die Annahme des Angebots.

Weiterführende Artikel

Übernahme von "Deutsche Wohnen" rückt näher

Übernahme von "Deutsche Wohnen" rückt näher

Der größte deutsche Immobilienkonzern Vonivia ist von einigen Bedingungen abgerückt, um den Konkurrenten doch übernehmen zu können.

Vonovia will Dresdnern bald Mieterstrom anbieten

Vonovia will Dresdnern bald Mieterstrom anbieten

Der Großvermieter hat bereits auf einem Drittel der Dächer seiner Häuser in der Stadt Fotovoltaik-Anlagen. Von 80 neuen sollen die Bewohner direkt profitieren.

Wieder Vonovia-Autos in Dresden attackiert

Wieder Vonovia-Autos in Dresden attackiert

Mindestens sieben Transporter wurden beschädigt. Die Polizei hat einen Verdacht zum Tatmotiv.

Vonovia mit neuem Anlauf für Deutsche-Wohnen-Übernahme

Vonovia mit neuem Anlauf für Deutsche-Wohnen-Übernahme

Der Plan war knapp gescheitert, nun gibt es einen weiteren Versuch: Europas größter Immobilienkonzern Vonovia greift erneut nach der Deutschen Wohnen.

Das Bundeskartellamt hatte bereits im Juni grünes Licht für den Zusammenschluss der beiden größten deutschen Wohnimmobilienkonzerne gegeben. Die gemeinsamen Marktanteile der Unternehmen rechtfertigten keine wettbewerbsrechtliche Untersagung, hatten die Wettbewerbshüter mitgeteilt. Sie verwiesen dabei auf das Beispiel Berlin, wo von den knapp 1,7 Millionen Mietwohnungen in der Stadt rund 150.000 auf die Deutsche Wohnen und Vonovia entfielen. (SZ/ale/dpa)

Mehr zum Thema Wirtschaft