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Diese Sachsen helfen Tech-Gründern auf die Beine

Die Hightech-Startbahn vernetzt seit Langem Start-ups und Investoren. Aber sie helfen nicht nur beim Geld.

Bei den Hightech Venture Days stellen sich Hochtechnologie-Start-ups aus Dresden vor. Netzwerkmanager Thomas Schulz (vorn) und Jörg Schüler, Vorstandschef der Hightech Startbahn, machen sich für die Initiative stark.
Bei den Hightech Venture Days stellen sich Hochtechnologie-Start-ups aus Dresden vor. Netzwerkmanager Thomas Schulz (vorn) und Jörg Schüler, Vorstandschef der Hightech Startbahn, machen sich für die Initiative stark. © Hightech Startbahn

Vor zehn Jahren flossen hohe Fördermittelsummen in die Forschung. Doch an der wirtschaftlichen Verwertung der Forschungsergebnisse in Produkte und Technologien, die sich auf dem Markt durchsetzen können, haperte es. Es gab kaum Ausgründungen aus den Forschungsinstituten und es fehlte an qualifizierten Unternehmern, Hochtechnologien in den Markt zu bringen.

Das Thema Risikokapitalfinanzierung war gerade erst in Deutschland angekommen, in Sachsen wusste kaum ein Gründer, was dies hieß. Und für Technologieinvestoren war der Freistaat ein weißer Fleck auf ihrer Landkarte. Das zu ändern war das Ziel der Hightech-Startbahn, die sich 2010 erst als Verein und zwei Jahre später als GmbH gründete.

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Jetzt, zehn Jahre später, ist die Schere zwischen dem, „was die Forschung anbietet und was wir auf die Straße bringen, sogar noch größer geworden“, stellt Jörg Schüler, Vorstandschef der Hightech Startbahn fest und „das tut jeden Tag weh“. Doch die Gründerszene in Sachsen ist erfahrener, das Ökosystem aus Start-ups, Hochschulen und etablierten Unternehmen größer und die Finanzierungsquoten höher geworden. Sachsen ist längst kein weißer Fleck mehr für Kapitalgeber, ganz im Gegenteil. Und das ist auch ein Verdienst der Hightech-Startbahn.

In der Öffentlichkeit ist der Verein vor allem als Veranstalter der Hightech Venture Days bekannt – eine Veranstaltung in Dresden, auf der sich die 40 besten Hochtechnologie-Start-ups aus Europa internationalen Investoren präsentieren. 2013 startete man mit 46 Gründern aus Mitteldeutschland und 40 deutschen Kapitalgebern.

Erfolgreiches Beispiel aus Dresden

2019 reisten 180 Business Angels und Vertreter von Beteiligungsgesellschaften an, aus Japan, China, den USA, Europa bis Saudi-Arabien. Die 40 Start-ups, unter denen sich auch immer vier bis fünf aus Sachsen befinden, wurden aus 300 Bewerbungen ausgewählt. Der Investorenkongress hat sich als größtes und wichtigstes Treffen für Start-ups und Kapitalgeber aus den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau, Mikroelektronik, Umwelt- und Energietechnik sowie Biotechnologie entwickelt.

Rund 80 Prozent der präsentierten Unternehmen bekommen eine Finanzierung, 15 Prozent davon finden ihre Investoren auf dem Dresdner Kongress – so die bisherige Bilanz. „Wir picken uns schon die Kirschen vom Kuchen“, sagt Netzwerkmanager Thomas Schulz. Erfolgreiche Beispiele sind etwa der Münchner Flugtaxi-Pionier Lilium oder das Dresdner Start-up Arioso des ehemaligen Novaled-Gründers Jan Blochwitz. Er stellte 2019 in Dresden smarte Lautsprecher für Hörgeräte und In-Ear-Headsets vor.

Auch in diesem Jahr findet der Investorenkongress statt, allerdings aufgrund der Corona-Pandemie zweigeteilt, als kleinere Vorort-Verstaltung in der Gläsernen Manufaktur und in digitalen Formaten. Die Veranstalter rechnen damit, dass in diesem Corona-Jahr knapp 70 der angekündigten 160 Investoren und 30 der 40 Start-ups vor Ort sein werden. „Wir müssen es einfach vor Ort machen, weil dieses Format vom persönlichen Austausch lebt“, betont Netzwerkmanager Thomas Schulz.

Doch die Hightech-Startbahn ist mehr als eine Investorenplattform. „Wir haben uns zu einem Spezialisten für den Hochtechnologietransfer in Europa gemausert“, sagt Schüler. Für Großkonzerne wie Volkswagen oder Airbus suchen die 18 Mitarbeiter der Hightech Startbahn GmbH Start-ups, die zum Unternehmen passen.

Neue Transformationsprozesse

So fanden die Dresdner Gründer-Scouts für VW geeignete Technologien für die Produktionsautomatisierung, damit Fahrzeuge noch schneller und preiswerter hergestellt werden können. „Die Industrie schenkt uns großes Vertrauen, gewährt sie uns doch tiefen Einblick in ihre Produktpläne, mit denen sie erst in zehn Jahren auf den Markt gehen wollen“, so Schulz. Das freut ihn, denn dieses Vertrauen zu bekommen, sei nicht einfach.

Aber nicht nur für die Großen ist die Hightech-Startbahn im Einsatz. So verfolgen die Innovationsexperten auch mit „Leidenschaft“, wie es dem sächsischen Mittelstand geht, der ihrer Wahrnehmung nach überaltert ist und in den letzten zehn Jahren aufgrund voller Auftragsbücher zu wenig in Innovationen investiert hat. Sie wollen die Firmen für die durch Digitalisierung und Energiewende ausgelösten neuen Transformationsprozesse rüsten. Gemeinsam mit dem Bundesbeauftragten für die neuen Länder wurde das Programm „Unhide the Champion“ entwickelt.

Gezielt werden nach bestimmten technologischen Schwerpunkten mittelständische Firmen mit Start-ups aus ganz Europa zusammengebracht, um Geschäfte für beide Seiten zu generieren. Geht es bei den Hightech Venture Days um die Vernetzung von Kapital und Geschäftsideen, steht bei „Unhide the Champion“ der Aufbau von Kunden- und Lieferantenbeziehungen im Vordergrund. Denn Gründer brauchen nicht nur Kapital, sondern vor allem Kunden.

Mehr erfolgreiche Unternehmer

Die erste Veranstaltung fand in Bitterfeld-Wolfen zum Bereich Chemie statt. Im November folgt ein digitales Treffen zu Energie- und Umweltthemen, im Januar wird sich in Chemnitz alles um Anlagen- und Maschinenbau drehen und im Juni in Dresden um Informations- und Kommunikationstechnologien.

Neben diesen Events beteiligt sich die Hightech-Startbahn auch am Management von Technologieclustern und betreibt Transferforschung. Jörg Schüler selbst engagiert sich stark in der Vertriebsberatung. Denn was es im Ökosystem und in vielen Start-ups im Freistaat nicht gibt, sind erfahrene Vertriebsexperten.

Schüler hofft, in den nächsten Jahren erfahrene Unternehmer aus anderen Regionen Deutschlands „zu uns ziehen zu können“. Und Schulz würde gern jungen Unternehmen aus dem Ausland über den Weg in die neuen Bundesländer den Markteintritt in Deutschland vereinfachen. „Denn wir brauchen hier einfach viel mehr erfolgreiches Unternehmertum“, meint er zum Abschluss.

Hightech Venture Days

  • Europas führendes Treffen für Hochtechnologie-Gründer und internationale Investoren findet am 13. & 14. Oktober in Dresden in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen statt.
  • Der Hightech Startbahn Netzwerk e. V. ist der größte Verband für Start-ups & Jungunternehmen im Hochtechnologieumfeld. Er unterstützt bei der Vernetzung zu Investoren, Mentoren, Kooperationspartnern und Industrie.
  • www.hightech-startbahn.de

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