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Dulig will Vorsprung Ost bei Zukunfts-Technologien

Die Kleinteiligkeit der Ost-Wirtschaft hat auch Vorteile, nicht nur Nachteile. Welche das sind, darüber wurde auf dem 2. Ostdeutschen Wachstumstag diskutiert.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig freut sich über das steigende Interesse am Wirtschaftsstandort Sachsen.
Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig freut sich über das steigende Interesse am Wirtschaftsstandort Sachsen. © Tino Plunert

Bosch eröffnet kommenden Montag seine Chipfabrik in Dresden. Vodafone bringt sein 5G/6G-Forschungszentrum in die sächsischen Landeshauptstadt. Marco Wanderwitz, Ostbeauftragter der Bundesregierung kann im Livestream zum zweiten Ostdeutschen Wachstumstag berichten, dass viele Nachbarn in seinem Wohnort Hohenstein-Ernstthal „sehr glücklich darüber sind, dass nach 75 Jahren in Zwickau wieder Audis produziert werden und nicht mehr nur VWs“. Der VW-Konzern baut den sächsischen Standort als Mehr-Marken-Werk für die Fertigung von Elektroautos auf. Meyer Burger hat die Produktion von Solarmodulen nach Ostdeutschland zurück

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Bei den Schlüsseltechnologien für den digitalen wie klimaschonenden Wandel der Wirtschaft und Gesellschaft ist Sachsen sehr gut aufgestellt. „Wir erleben wieder ein globales Interesse an unserem Standort, wenn es um Mikroelektronik oder Batteriezellen geht“, betonte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) am Mittwoch auf der gemeinsamen Veranstaltung von Bundeswirtschaftsministerium und seinem Ministerium in der Landesvertretung von Sachsen in Berlin. Partner des ersten Wachstumstags im vergangenen Jahr war das Nachbarland Sachsen-Anhalt. Dulig fordert, das es gelingen müsse, aus der starken Aufstellung bei Zukunftstechnologien einen „Vorsprung Ost“ zu generieren.

Allerdings gibt es dafür mehrere Herausforderungen zu bewältigen. Die größte sieht Wanderwitz in der Fachkräftesicherung. Diesem Thema müsse man sich künftig noch stärker widmen, wie sich die Zuwanderung von Fachkräften erhöhen lässt und „die unbefriedigend hohen Schulabbrecherquoten“ in der Bildung gesenkt werden können, betonte Wanderwitz. Wie die spätere Diskussion mit Vertretern des Halbleiterherstellers Globalfoundries, dem Industriedienstleister Bilfinger und vom BASF-Standort Schwarzheide zeigte, treibt dieses Thema die meisten Unternehmen um.

Was tun gegen den Fachkräftemangel?

Doch was gegen Fachkräftemangel tun? Professor Uwe Cantner, Vorsitzender der Expertenkommission Forschung und Innovation“ plädiert dafür, proaktiver und vorsorglicher zu werden. Arbeitnehmer, die zum Beispiel in der Kohlewirtschaft oder bei Automobilzulieferern für Verbrennerfahrzeuge arbeiten, „sollten abgeholt und weiterqualifiziert werden, bevor sie arbeitslos werden“, so Cantner. Allerdings müsste geklärt werden, wer die Weiterbildungen zu diesem Zeitpunkt finanziert – der Staat oder das Unternehmen. Auch müssten mehr Frauen in hochqualifizierte Berufe gebracht werden, betonte der Ökonom von der Universität Jena.

Eine weitere Herausforderung ist die Innovationskraft. Zwar sei die Kleinteiligkeit der ostdeutschen Wirtschaft - also das viele Unternehmen eher klein und mittelständisch sind - ein Vorteil für den großen Sprung von alten zu neuen Technologien, da sie schneller und flexibler agieren können. Auch gebe es zwischen Ost und West kaum noch große Unterschiede bei den Strukturen, außer bei der Innovationsbeteiligung. „Die ist signifikant niedriger als in Westdeutschland und viele Firmen haben nach wie vor Probleme bei der Vermarktung ihrer Produkte“, so Cantner. Und gerade in den strukturschwachen Regionen wie der Lausitz oder dem Erzgebirge, wo die Strukturwandelprozesse durch die Elektromobilität und den Kohleausstieg gravierende Folgen haben werden, finde wenig Innovation statt.

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Aber auch dies ließe sich ändern, wenn man die Akteure vor Ort „in ihrem kreativen Denken abholt“. Zudem müssten die Vernetzungsstrukturen zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Kommunen noch weiter verbessert werden, hieß es. Ein Instrument dazu könnte die steuerliche Forschungsförderung sein. "Wir müssen die regionalen Netzwerke selbst bauen", betonte Christian Piechnick, Mitgründer und Vorstandschef des Dresdner Robotik-Startups Wandelbots. Er schwärmte vom lokalen Ökosystem, "das uns Talente gibt, die genauso gut sind wie die Absolventen vom MIT in den USA".

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