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Darum lohnt sich eine Wärmepumpe

Der Staat fördert jetzt die Anschaffung von Wärmepumpen. Ein Energieexperte erklärt, wie die Geräte funktionieren, was sie kosten und wie effizient sie sind.

Vor der Installation lieber beachten: Wärmepumpen können laut sein.
Vor der Installation lieber beachten: Wärmepumpen können laut sein. © Andrea Warnecke/dpa

Für die Wohlfühltemperatur zu Hause und für heißes Wasser in Bad und Küche sollen künftig Wärmepumpen sorgen. Öl- und Gasheizungen werden ersetzt, damit Deutschland seine Klimaziele erreicht. Was man über Wärmepumpen wissen sollte, erklärt Energieexperte Reinhard Loch.

Herr Loch, muss ich immer mal wieder mit einer kalten Dusche rechnen, wenn eine Wärmepumpe im Keller steht?

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Sie meinen, weil sie ausfallen könnte? Überhaupt nicht. Das ist wie bei einer normalen Heizung auch. Die Fehleranfälligkeit ist nicht größer. Jeder kennt Wärmepumpen und jeder hat auch eine. Das ist die im Kühlschrank.

Die sorgt für kalte Getränke.

Aber sie macht genau das Gleiche. Sie holt Wärme von A nach B. Beim Kühlschrank wird die Wärme nur aus dem Innenraum nach außen transportiert. Beim Haus ist das andersherum, Wärme aus der Außenluft oder aus der Erde, seltener auch aus dem Grundwasser, wird ins Innere geleitet.

Ein bisschen Wärme draußen reicht, damit es drinnen gemütlich wird?

Liegt die Temperatur im Boden zum Beispiel bei fünf Grad Celsius, kann die Wärmepumpe sie über ein spezielles Kreislaufsystem auf 45 Grad anheben, also auf die Temperatur der Heizung. Das funktioniert selbst bei sehr kalter Luft und Frost. Denn in den Tiefen des Erdreichs sind die Temperaturen auch im Winter noch hoch genug.

Was steckt genau dahinter?

Die entscheidende Rolle spielen die Kühlmittel. Das sind Flüssigkeiten, die schon bei sehr niedrigen Temperaturen gasförmig werden. Zirkulieren sie in den im Boden verlegten Metallrohren, erwärmen sie sich, nehmen also Energie auf und verdampfen.

Und dann?

Dieser Dampf wird ins Haus geleitet, dort mit Hilfe eines Kompressors zusammengepresst, verdichtet – und wieder flüssig. Dabei gibt er die Wärme wieder ab. Der Effekt ist wie bei einer Luftpumpe. Halten Sie deren Öffnung vorn zu, werden Ihre Finger auch warm. Die Wärmepumpe braucht dafür natürlich Strom, umso mehr, je kälter die angesaugte Luft ist.

Trotzdem gilt sie als klimafreundliches Energiesparwunder?

Natürlich ist Strom edel und teuer. Darum ist entscheidend, dass mit möglichst wenig Strom viel Wärme gewonnen wird und der Wirkungsgrad groß ist.

Woran erkenne ich die Effizienz?

Sie müssen auf die Jahresarbeitszahl der Pumpe achten. Die muss größer sein als 3. 3 heißt, dass sie für drei Kilowattstunden Wärmeenergie eine Kilowattstunde Strom braucht. Und je mehr Strom aus Wind- und Sonnenkraft in den allgemeinen Strommix einfließt, umso klimafreundlicher wird die Heizung. Immerhin liegt der Anteil der erneuerbaren Energien heute schon bei etwa 50 Prozent. Perfekt ist es mit der eigenen Solarstromanlage auf dem Dach. Die Wärmepumpe wird die Heiztechnik Nummer 1, ich bin mir sicher.

Heizen umzustellen ist nicht zu aufwendig?

Mehr als die Hälfte aller Neubauten werden schon heute mit Wärmepumpen beheizt, Ein-, Zwei- und kleine Mehrfamilienhäuser. Nur bei großen Bürokomplexen tut man sich mit der Wärmepumpe noch schwer. Und wer seine Heizung derzeit austauscht, steigt auch oft auf die klimafreundliche Variante um.

Was ist mit einem hübschen, denkmalgeschützten Altbau?

Die Wärmepumpe ist immer dann gut, wenn der Energieverbrauch des Hauses niedrig ist. Wenn die Fenster zum Beispiel nur einfach verglast sind, brauchen die Heizkörper eine zu hohe Temperatur. Darum empfehlen wir, erst das Haus energetisch zu sanieren, etwa neue Fenster einzubauen oder das Dach zu dämmen. Beides lässt sich auch im denkmalgeschützten Haus machen.

Was für ein Klotz steht im Keller?

Die Wärmepumpe-Anlage, die Sie dort aufstellen, ist so groß wie ein üblicher Öl- oder Gas-Heizkessel. Sie werden keinen Unterschied sehen. Zusätzlich müssen Sie aber draußen, im Garten, noch den Wärmetauscher unterbringen, der die Wärme aus der Umgebung sammelt und ins Haus weiterleitet. Im Falle einer Wärmepumpe, die mit der Umgebungsluft arbeitet, ist das ein viereckiger Kasten, so groß wie ein kleiner Schrank. Da müssen Sie ein wenig darauf achten, dass Ihre Nachbarn nicht gestört werden. Luftwärmepumpen brauchen – anders als die Erdwärmepumpen – große Ventilatoren. Das kennt man von Klimaanlagen zum Beispiel in Kneipen.

Die brummen!

In Kneipen achtet darauf nur kaum jemand. In Wohngebieten ist das anders. Mittlerweile haben die Hersteller das Problem jedoch ganz gut im Griff und die Technik optimiert. Trotzdem sollte man den Standort mit den Handwerkern besprechen, eine Hecke zum Beispiel verringert den Schall.

Wo werden die Wärmepumpen produziert?

Derzeit kommen sehr viele aus Japan, die Firmen dort sind führend. Deutschland war das immer in der Technik von Ölheizungen. Aber hiesige Unternehmen holen auf, auch sie stellen jetzt um. Die Bundesregierung drängt auf eine Wärmewende, Ölheizungen dürfen ab 2026 faktisch nicht mehr neu eingebaut werden. Spätestens 2030 werden vermutlich auch neue Gaskessel nicht mehr gewünscht sein.

Wie teuer wird das?

Am Ende ist das nicht mehr als bei einem herkömmlichen Heizkessel. Der kostet zwar nur rund 10.000 Euro, die Wärmepumpe hingegen um die 15.000 Euro. Sie ist teurer, weil Sie auch noch den Wärmetauscher brauchen, um die angesaugte Luft ins Haus zu leiten. Bei einer Erdwärmepumpe wird etwa ein 50 bis 70 Meter tiefes Loch in der Größe einer CD gebohrt, um die Sonden, die Metallrohre in den Boden zu lassen. Aber seit Anfang dieses Jahres fördert der Staat den Austausch einer Öl- oder Gasheizung gegen die Wärmepumpe mit etwa einem Drittel. So bekommen die Hausbesitzer 5.000 Euro zurück.

Alte Heizkörper muss ich nicht austauschen?

Am besten eignen sich große, flächige Heizungen, etwa eine Fußbodenheizung. Aber ehe Sie nun den Parkettboden rausreißen, sollten Sie sich beraten lassen. Oft reichen die alten Heizkörper, weil sie meist überdimensioniert und damit groß genug sind.

Was machen Mieter?

Selbst können sie nicht über die Heizung entscheiden. Die nächste Bundesregierung muss dafür sorgen, dass die Mieter nicht mehr allein die Mehrkosten für den seit Anfang des Jahres geltenden CO2-Preises für Öl und Gas tragen müssen. Nur wenn Vermieter nicht mehr alle Kosten auf den Mieter abwälzen können, wird so mancher auch die Heizung erneuern. Auf die Mieter kommen dann allerdings auch Kosten zu, denn der Vermieter kann einen Teil der Sanierungskosten auf die Miete umlegen, wenn die Heizkosten danach niedriger ausfallen. Kündigt ein Vermieter dies an, sollten Mieter das immer prüfen lassen.

Das Gespräch führte Hanna Gersmann.

Reinhard Loch ist Physiker und Gruppenleiter Energieeffizienz bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.
Reinhard Loch ist Physiker und Gruppenleiter Energieeffizienz bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. © Verbraucherzentrale NRW

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