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So fährt es sich mit dem E-Auto im Kreis Bautzen

Die Anzahl der Stromtankstellen wächst, die Reichweite der Batterien auch. Lohnt sich im Landkreis der Umstieg? Sächsische.de hat den Test gemacht.

Nach dem Test hat Sächsische.de-Reporterin Franziska Springer Spaß an der spritzigen Fahrweise von E-Autos gefunden. An die langen Ladezeiten und die geringe Reichweite muss sie sich aber noch gewöhnen.
Nach dem Test hat Sächsische.de-Reporterin Franziska Springer Spaß an der spritzigen Fahrweise von E-Autos gefunden. An die langen Ladezeiten und die geringe Reichweite muss sie sich aber noch gewöhnen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. E-Mobilität ist deutschlandweit auf dem Vormarsch. Während sich die Technologie anfangs nur zögerlich durchsetzte, verdoppelte sich die Anzahl an E-Autos nach Angaben des Statistik-Portals Statista zwischen 2017 und 2019 - von rund 54.500 auf 108.500 elektrisch angetriebene Fahrzeuge. Während in den Großstädten immer mehr Autofahrer auf Akkubetrieb umstellen, sieht es in ländlich geprägten Regionen wie dem Landkreis Bautzen damit noch mau aus.

Während derzeit laut dem Elektromobilitätskonzept des Landkreises nicht einmal ein Prozent aller zugelassenen Fahrzeuge ausschließlich elektrisch betrieben wird, könnte ihr Anteil bis 2030 auf zehn bis 15 Prozent steigen. Rund 10.000 Elektrofahrzeuge könnten dann in Landkreis unterwegs sein. Dazu werden immer mehr öffentliche Ladestationen installiert. Allein in diesem Monat hat der Stromanbieter Enso vier solcher Stromtankstellen eingeweiht; um die 70 gibt es derzeit im gesamten Kreisgebiet.

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Aber lohnt sich unter den veränderten Voraussetzungen bereits der Umstieg vom Verbrenner- auf den Elektromotor? Wie praktikabel sind E-Autos im Alltag und wie sehr unterscheiden sich beide Antriebsarten im Fahrgefühl? Sächsische.de hat es getestet.

Enso-Gruppenleiter Gunnar Schneider ist beruflich nur noch mit dem E-Auto unterwegs. Dank Schnellladesäulen wie hier auf dem Bautzener Schliebenparkplatz ist ihre Praxistauglichkeit für ihn keine Frage mehr.
Enso-Gruppenleiter Gunnar Schneider ist beruflich nur noch mit dem E-Auto unterwegs. Dank Schnellladesäulen wie hier auf dem Bautzener Schliebenparkplatz ist ihre Praxistauglichkeit für ihn keine Frage mehr. © SZ/Uwe Soeder

An der Schnellladesäule am Bautzener Schliebenparkplatz wartet neben dem E-Golf, mit dem ich den Test starte, Enso-Gruppenleiter Gunnar Schneider. Das Auto im halbleerem Zustand wieder aufzuladen, würde hier etwa 20 bis 25 Minuten dauern. Ein extra Kabel brauche ich dafür nicht. Das ist an der Säule angeschlagen und passt an mein Auto. "In den letzten Jahren werden Fahrzeuge für den europäischen Markt in der Regel alle mit denselben Anschlüssen ausgeliefert", so Schneider. Ein Ladekabel gibt er mir trotzdem mit - für später, denn normale Ladesäulen bieten diesen Service nicht.

Die Kosten für den Verbraucher unterscheiden sich je nach Anbieter. Bei der Enso kostet die Kilowattstunde Strom 32 Cent. Etwa 33 Einheiten davon brauche ich, um mit meinem E-Golf je nach Witterung 200 bis 240 Kilometer fahren zu können. Gezahlt wird im Regelfall per Abrechnung - voraussichtlich ab kommendem Jahr wird das bei Ladesäulen der Enso auch mit der normalen EC-Karte möglich sein.

Warm werden mit dem unbekannten Antrieb

Alles das muss mich vorerst nicht interessieren. Die Batterie ist jetzt voll, ich kann losfahren. Davor habe ich, Schaltgetriebe gewohnt, ein wenig Respekt. E-Pkw kommen sämtlich mit einem extrem breiten Drehzahlband daher, dass ähnlich wie ein Automatikgetriebe funktioniert. Da heißt es, das linke Bein weit weg stellen und die Angst, beim starken Bremsen den Motor abzuwürgen, unterdrücken.

Als ich losfahre atme ich auf: Die Umstellung fällt leicht und das Fahrgefühl ist überraschend spritzig. Ich beginne, mich auf die Tour zu freuen, die mich zunächst zum Gödaer Gemeindeamt führt, wo Gunnar Schneider mir noch schnell die Funktionsweise einer Normalladesäule erklärt. Auch die ist nicht kompliziert. "Irgendwann hat man alle Arten von Ladesäulen durch und kommt gut damit klar", so Schneider. Wir verabschieden uns, und ich fahre weiter nach Bischofswerda. Als Nächstes möchte ich den kleinen Flitzer bei Überland-Fahrten und im Stadtverkehr testen.

Erst seit diesem Monat gibt es die Ladesäule am Gödaer Gemeindeamt. 17 davon betreibt allein die Enso im gesamten Landkreis Bautzen.
Erst seit diesem Monat gibt es die Ladesäule am Gödaer Gemeindeamt. 17 davon betreibt allein die Enso im gesamten Landkreis Bautzen. © SZ/Uwe Soeder

Auf der Landstraße macht dem E-Golf keiner was vor. Weil er nicht schaltet, macht die Beschleunigung richtig Spaß. Übermut schlägt sich allerdings im Verbrauch wieder: Für fünf gefahrene Kilometer sinkt die Reichweitenanzeige um das Dreifache. Bevor ich mich frage, ob ich vielleicht zu sportlich unterwegs bin oder die Sitzheizung ausschalten sollte, bin ich schon im Stop-and-Go des Bischofswerdaer Verkehrs gefangen. Hier entspanne ich mich, denn die verbleibende Reichweite schrumpft deutlich langsamer.

Wer hauptsächlich im Stadtverkehr unterwegs ist, beginne ich zu denken, kann mit einem E-Auto wirklich Kosten senken. Bei der selben Strecke spare ich, im Vergleich zu meinem eigenen Benziner, rund ein Fünftel der Kosten pro Tankladung. Noch dazu ist die Anschaffung des E-Autos erschwinglich: Ein Einstiegsmodell gibt es mit Umweltprämie ab etwa 15.000 Euro. Wer sich noch 2020 zum Kauf entschließt, muss zehn Jahre lang keine Kfz-Steuer zahlen. Noch dazu sind die Wartungskosten geringer, weil es weniger Verschleißteile gibt. Also uneingeschränkt Daumen hoch für's E-Mobil? Nicht ganz.

Die Bedienung der Stromtankstellen ist kinderleicht. Bezahlt wird per Chipkarte oder App - demnächst sogar mit EC-Karte.
Die Bedienung der Stromtankstellen ist kinderleicht. Bezahlt wird per Chipkarte oder App - demnächst sogar mit EC-Karte. © SZ/Uwe Soeder

Von Bischofswerda geht es nach Großröhrsdorf, wo ich mit 100 Kilometern Restreichweite an der Normalladesäule vor dem Gemeindeamt ankomme. Jetzt heißt es Warten, denn zurück nach Bautzen möchte ich knapp 30 Kilometer über die Autobahn fahren. Meinen bisherigen Erfahrungen geschuldet, plane ich lieber ein bisschen Akku-Puffer ein. Nach 40 Minuten zeigt mir die Reichweitenanzeige 160 Kilometer an. Das genügt mir für die Fahrt gen Heimat.

Wie erwartet, schwindet die verbleibende Reichweite auf der Autobahn enorm. Ich nehme statt dieser Zahl die Ladeanzeige in den Blick, die ähnlich einer normalen Tankanzeige gestaltet ist. Das beruhigt mich: Ich werde sicher in Bautzen ankommen. Nachteil des E-Golfs auf der Autobahn: Bei 145 Stundenkilometern ist der Motor abgeriegelt. Es heißt also, gemächlich machen. Mit einer Restreichweite von 100 Kilometern komme ich schließlich an meinem Ziel an und hänge den Flitzer wieder an die Stromtankstelle.

Fazit: E-Mobilität macht Spaß

Mit etwas Wehmut gebe ich den E-Golf zurück. Die Tour durch den Landkreis hat Spaß gemacht. An die Nachteile des Fahrzeugs - die eher geringe Reichweite oder die längere Ladezeit - könnte ich mich zugunsten der Fahrfreude gewöhnen. Zumal sich hier die Technik schnell entwickelt. Bereits jetzt gibt es Modelle mit bis zu 700 Kilometer Reichweite. Noch sind die recht kostenintensiv. Aber in Zukunft könnte das E-Auto auch für mich zur echten Alternative werden.

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