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Studie: Energiekrise gefährdet Europa als Industriestandort

Deutsche schnallen laut Umfrage den Gürtel enger, Hilfsprogramm für Krankenhäuser und Pflegeheime steht, alle Arbeitsplätze in PCK-Raffinerie Schwedt für 2023 gesichert - unser Newsblog zur Energiekrise.

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Die Energiekrise bedroht nach Einschätzung der Unternehmensberatung PwC Schlüsselsektoren der deutschen Industrie und könnte sogar eine Deindustrialisierung Europas auslösen.
Die Energiekrise bedroht nach Einschätzung der Unternehmensberatung PwC Schlüsselsektoren der deutschen Industrie und könnte sogar eine Deindustrialisierung Europas auslösen. © dpa/Federico Gambarini

Energiekrise in Sachsen und Deutschland - das Wichtigste in Kürze:

15.14 Uhr: Deutsche schränken sich laut Umfrage ein

Die Menschen in Deutschland schnallen nach einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens NielsenIQ wegen der drastisch steigenden Preise den Gürtel enger. Gut die Hälfte der Verbraucherinnen und Verbraucher (52 Prozent) kaufe nach eigenen Angaben nur noch Produkte, die wirklich benötigt würden, berichtete NielsenIQ gestützt auf eine repräsentative Umfrage unter mehr als 10.000 Personen.

Rund 44 Prozent der Befragten gaben bei der Umfrage an, auf Produkte zu verzichten, "die Spaß und Luxus sind", 31 Prozent versuchen, Restaurantbesuche zu reduzieren und sich lieber zu Hause etwas zu gönnen. Rund 30 Prozent der Befragten stimmten der Feststellung zu: "Ich kaufe weniger ein."

"Auffällig ist aktuell, dass sich immer mehr Menschen offenbar die Frage stellen, worauf sie am ehesten verzichten können und dies dann auch tun", sagte der NielsenIQ-Experte Lothar Staiblin. "Daneben nutzen die Menschen aber auch viele andere Sparstrategien. Sie vergleichen stärker die Preise, achten mehr auf Sonderangebote, wechseln zu günstigeren Produkten wie Eigenmarken oder kaufen häufiger beim Discounter." Allerdings spiele der Wechsel zu Handelsmarken oder Discountern dabei eine wesentlich geringere Rolle, als allgemein angenommen.

"Je länger die Krise dauert, desto mehr Möglichkeiten zum Sparen werden von den Menschen genutzt", betonte Saiblin. Bei den Sparbemühungen zeigen sich viele Verbraucher NielsenIQ zufolge auch aufgeschlossen dafür, ihre Konsumgewohnheiten zu verändern. So werde Butter durch Margarine ersetzt, Leitungswasser statt Mineralwasser getrunken oder auch einmal auf Deo komplett verzichtet.

Nur rund 10 Prozent der Bevölkerung machen sich der Umfrage zufolge wegen der Inflation überhaupt keine Sorgen - wenig überraschend sind es vor allem Besserverdiener.

Sonntag, 9.40 Uhr: Studie: Energiekrise gefährdet Europa als Industriestandort

Die Energiekrise bedroht nach Einschätzung der Unternehmensberatung PwC Schlüsselsektoren der deutschen Industrie und könnte sogar eine Deindustrialisierung Europas auslösen. Europa verliere als Produktionsstandort an globaler Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität. Die deutsche Industrie werde besonders hart von den extrem gestiegenen Gaspreisen getroffen, heißt es in einer Studie der PwC-Tochter Strategy&. "Viele Unternehmen könnten sich zukünftig dazu entscheiden, ihre Produktion innerhalb Europas neu aufzustellen oder gänzlich aus Europa abzuziehen", sagte Strategy&-Europachef Andreas Späne.

Die Metall-, Auto-, und Chemiebranche seien wegen der höheren Produktionskosten unter enormem Druck. In Frankreich und Spanien stiegen die Produktionskosten vergleichsweise moderat. Ein Grund dafür sei der höhere Anteil von Atomstrom und erneuerbarer Energien im Energiemix. Stark von russischem Öl und Gas abhängige Länder wie Polen gerieten dagegen unter extremen Druck.

Obwohl die deutsche Industrie in den meisten Branchen weiterhin günstiger als der EU-Durchschnitt produziere, könnten Unternehmen aus den am stärksten betroffenen Sektoren ihre Produktion in andere Regionen außerhalb Europas verlagern. Langfristig könne das zu Strukturverschiebungen innerhalb der europäischen Industrielandschaft führen oder sogar zu einer Deindustrialisierung, heißt es in der Studie.

Erst 2024 ist mit einer Entspannung am Energiemarkt zu rechnen. "Um wichtige Industrien im Land zu halten, muss die Politik jetzt die richtigen Anreize setzen, um die Inflation zu drücken und die Energietransformation zu beschleunigen", sagte Co-Autorin Eva Poglitsch. Mit der Erhöhung der Energieeffizienz, dem Ausbau erneuerbarer Energien und Dekarbonisierung eröffneten sich für die Unternehmen auch Chancen.

16.22 Uhr: Scholz zeigt trotz Energiekrise Zuversicht für den Winter

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hält Deutschland mit den bisherigen Weichenstellungen in der Energiekrise für den Winter gerüstet. "Mit all den Entscheidungen, die wir getroffen haben, können wir jetzt zu diesem Zeitpunkt vor dem Winter sagen: Wir werden das wohl durchstehen gemeinsam", sagte Scholz am Samstag beim Landesparteitag der SPD Brandenburg in Cottbus. "Wir werden wohl durch diesen Winter kommen."

Über 20 Kohlekraftwerke seien wieder angelaufen oder in Betrieb gehalten worden, die drei existierenden Atomkraftwerke liefen noch durch den Winter. Die Gasspeicher seien gefüllt worden, nachdem sie vor einem Jahr ziemlich leer gewesen seien. An den norddeutschen Küsten entstünden neue Terminals für Flüssiggas, die gemeinsam mit Importen aus Norwegen und den Niederlanden dafür sorgten, dass Deutschland gut vorbereitet sei.

11.36 Uhr: Lauterbach sagt Hilfsprogramm für Krankenhäuser steht

Die Bundesregierung stützt Krankenhäuser und Pflegeheime angesichts der gestiegenen Energiepreise mit einem milliardenschweren Hilfsprogramm. "Die steigenden Energiekosten werden den Betrieb der Krankenhäuser nicht gefährden", sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. "Kein Krankenhaus muss die Tore schließen, weil Energie zu teuer ist."

Konkret stehen für ein Hilfsprogramm acht Milliarden Euro zur Verfügung, zusätzlich zur geplanten Gas- und Strompreisbremse. Diese sowie das Hilfsprogramm für Krankenhäuser und Pflegeheime hatte das Kabinett am Freitag beschlossen. Die Kliniken und Heime hätten wenige Möglichkeiten, Einsparungen bei den Energiekosten zu realisieren, hieß es.

Für Kliniken gibt es demnach sechs Milliarden Euro, für Pflegeheime zwei Milliarden Euro. Für den Krankenhausfonds werden Mittel des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) vom Bund zugewiesen, ebenso gibt es Gelder aus dem WSF für Pflegeheime. Die Programme haben jeweils eine Laufzeit bis April 2024. Es sollen Mehrkosten für den Bezug von Erdgas, Fernwärme und Strom erstattet werden.

Im Entwurf für eine Änderung des Krankenhausfinanzierungsgesetzes heißt es, Krankenhäuser und stationäre Pflegeeinrichtungen seien von herausragender Bedeutung für die öffentliche Daseinsvorsorge. "Vor diesem Hintergrund sind schnell umsetzbare Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der durch die steigenden Energieträgerpreise stark gefährdeten Funktionsfähigkeit dieser Einrichtungen erforderlich."