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Gasspeicher-Füllstand sinkt weiter - Agentur: "Versorgung stabil"

Drohbrief an Bewohner von leuchtendem Weihnachtshaus, KfW zahlt Dezember-Soforthilfe an Energievorsorger, Handwerker machen weniger Umsatz - unser Newsblog zur Energiekrise.

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Ein Manometer zeigt den Druck im Erdgasnetz auf dem Gelände des Untergrund-Gasspeichers der VNG AG in Bad Lauchstädt an.
Ein Manometer zeigt den Druck im Erdgasnetz auf dem Gelände des Untergrund-Gasspeichers der VNG AG in Bad Lauchstädt an. © Jan Woitas/dpa-Zentralbild (Symbolfoto)

Energiekrise in Sachsen und Deutschland - das Wichtigste in Kürze:

15.45 Uhr: Kurzarbeit steigt laut Ifo wegen Energiesorgen

Mit steigenden Energiepreisen hat sich die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland in diesem Herbst wieder mehr als verdoppelt. Das trifft vor allem die Industrie, wie das Münchner Ifo-Institut am Freitag berichtete. Demnach stieg die Gesamtzahl der Beschäftigten in Kurzarbeit von August bis November von 76 000 auf 187 000. Zum großen Teil waren es Industrieunternehmen, die Kurzarbeit beantragten: Dort stieg die Zahl der Kurzarbeiter laut Ifo von 59.000 auf 151.000. "Insbesondere die energieintensiven Industrien und die Automobilindustrie greifen wieder vermehrt zur Kurzarbeit", sagte Ifo-Forscher Sebastian Link.

Verglichen mit der stark von der Pandemie beeinträchtigten Lage vor einem Jahr ist die Gesamtzahl der Kurzarbeiter sehr viel niedriger als im November 2021. Damals hatten die Unternehmen Kurzarbeit für 750 000 Beschäftigte angemeldet. Grundlage der Schätzung sind Umfragen des Ifo-Instituts in der deutschen Wirtschaft und Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

13.57 Uhr: Wegen Lampen: Bewohner des Weihnachtshauses erhalten Drohbrief

Wegen ihrer in der Adventszeit eingeschalteten 60 000 Lichter haben die Bewohner des Delmenhorster Weihnachtshauses einen Drohbrief erhalten. Anonym werde darin gedroht, in einer Nacht-Aktion die weihnachtliche Dekoration am Haus zu zerstören, wenn die Lichter nicht bis zu einem bestimmten Tag ausgehen, sagte Martina Borchart am Freitag. Als Grund für die Drohung würden die Energiekrise und das damit notwendige Energiesparen genannt. "Wir waren geschockt", sagte Borchart.

Ihr Mann und sie erstatteten Anzeige. Die Polizei ermittelt wegen versuchter Nötigung, wie ein Sprecher sagte. Das Weihnachtshaus werde künftig in die Kontrollfahrten des Streifendienstes einbezogen. Wer der Absender des Briefes sei, sei bislang unbekannt. Martina Borchart kündigte an, die Lichter weiterhin brennen zu lassen. "Wir lassen uns nicht kleinkriegen", sagte sie. Schließlich würden mit der Aktion auch Spenden für den guten Zweck gesammelt. Am ersten Advent seien wieder zahlreiche Menschen gekommen, um die Lichter zu bestaunen.

Rund 60.000 Lichter erstrahlen am weihnachtlich geschmückten Haus der Familie Borchart in Delmenhorst. Vermutlich wegen des Stromverbrauchs bekamen sie Drohbriefe.
Rund 60.000 Lichter erstrahlen am weihnachtlich geschmückten Haus der Familie Borchart in Delmenhorst. Vermutlich wegen des Stromverbrauchs bekamen sie Drohbriefe. © Hauke-Christian Dittrich/dpa

13.18 Uhr: Gasspeicher-Füllstand sinkt weiter - Agentur: "Versorgung stabil"

Mit den sinkenden Temperaturen geht auch der Füllstand der deutschen Gasspeicher weiter zurück. Die Bundesnetzagentur bezifferte den Gesamtspeicherstand in Deutschland am Donnerstagabend auf 98,24 Prozent. "Es wird überwiegend ausgespeichert", heißt es im aktuellen Lagebericht der Behörde. Auch nach Angaben des europäischen Gasspeicherverbandes GIE ist der Füllstand gesunken.

Die Füllstände werden immer mit Verzögerung mitgeteilt. Einige Speicher in Deutschland waren laut den am Freitag veröffentlichten GIE-Daten noch zu 100 Prozent gefüllt, vereinzelt sind die Füllstände sogar gestiegen. Aus Sicht der Bundesnetzagentur ist die Gasversorgung in Deutschland "im Moment stabil". Die Versorgungssicherheit sei derzeit gewährleistet. Speicher gleichen Schwankungen beim Gasverbrauch aus und bilden damit ein Puffersystem für den Markt.

Für gewöhnlich sind sie mit Beginn der Heizperiode im Herbst gut gefüllt. Bis zum Frühjahr nehmen die Füllstände dann ab. Am 1. Februar sollen sie laut Energiewirtschaftsgesetz noch zu 40 Prozent gefüllt sein. Zu beachten ist, dass weiter Gas durch Pipeline-Importe nach Deutschland fließt, derzeit vor allem aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien.

Insgesamt bewertet die Bundesnetzagentur in ihrem jüngsten Bericht (Stand 01.12., 18.00 Uhr) die Lage weiter als angespannt. Eine weitere Verschlechterung könne nicht ausgeschlossen werden. Der Gasverbrauch habe in der 47. Kalenderwoche 21 Prozent unter dem durchschnittlichen Verbrauch der letzten vier Jahre gelegen, gegenüber der Vorwoche sei er aber um 12 Prozent gestiegen.

11.29 Uhr: Dezember-Soforthilfe - KfW zahlt erste Milliarden an Energievorsorger

Die staatliche Förderbank KfW hat im Rahmen der Soforthilfe für Gas- und Fernwärmekunden bereits einen Großteil des bislang beantragten Geldes an Energieunternehmen ausgezahlt. Zum Start der Erstattungszahlungen an die Versorger am 1. Dezember lagen der KfW 449 Anträge vor, wie die staatliche Förderbank am Freitag auf Anfrage mitteilte. Davon seien bis Donnerstagabend 309 Anträge in einem Volumen von rund 1,7 Milliarden Euro vollständig bearbeitet und ausgezahlt worden. Die staatliche Förderbank zahlt kein Geld an Verbraucher, sondern an Energieversorger, die ihren Kundinnen und Kunden keine Abschläge für Dezember berechnen.

Die Bearbeitungszeit für die Anträge der Versorger liegt den Angaben zufolge bei etwa zwei Bankarbeitstagen. "Ein Bearbeitungsstau ist derzeit nicht absehbar", auch wenn täglich weitere Anträge eingingen, teilte die Förderbank mit. Gas- und Fernwärmekunden müssen im Dezember keinen Abschlag zahlen. Die Kosten übernimmt der Bund.

Energieversorger können seit Mitte November einen Antrag auf Ausgleichszahlung bei der von der Bundesregierung beauftragten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC stellen. Diese prüft den Antrag sowie die Erstattungshöhe und übergibt die weitere Bearbeitung an die Hausbank des Versorgers. Das Kreditinstitut leitet die Unterlagen nach einer Prüfung an die KfW weiter, die das Geld an den Energieversorger auszahlt. Rund 1500 Erdgaslieferanten und Wärmeversorger können einen Anspruch geltend machen. Anträge können bis Ende Februar 2023 gestellt werden. Die Volumina der bislang eingegangenen Anträge reichen der KfW zufolge von einigen tausend bis zu mehreren hundert Millionen Euro.

Die staatliche Förderbank KfW hat im Rahmen der Soforthilfe für Gas- und Fernwärmekunden bereits einen Großteil des bislang beantragten Geldes an Energieunternehmen ausgezahlt.
Die staatliche Förderbank KfW hat im Rahmen der Soforthilfe für Gas- und Fernwärmekunden bereits einen Großteil des bislang beantragten Geldes an Energieunternehmen ausgezahlt. © Sebastian Gollnow/dpa (Archiv)

9.51 Uhr: ADAC: Synthetische Kraftstoffe im Test ohne Probleme

Der ADAC zieht nach einem Test mit synthetischen Kraftstoffen in mehreren Fahrzeugen ein positives Fazit. Die Sprit-Alternativen hätten "problemlos" funktioniert, "sofern die Modelle für den jeweiligen Sprit freigegeben sind", erklärte der Verkehrsclub am Freitag. Die Messungen hätten zudem gezeigt, "dass sich auch die Schadstoffemissionen durch die alternativen Kraftstoffe nicht verschlechtern".

Der ADAC hatte die Kraftstoffe in fünf Fahrzeugmodellen auf dem Prüfstand untersucht, Abgasemissionen sowie Verbräuche bestimmt und miteinander verglichen. Dabei zeigte sich auch, dass die synthetischen Kraftstoffe die Autos nicht durstiger machten. Der ADAC spricht sich daher dafür aus, synthetische Kraftstoffe als Ergänzung zum Markthochlauf der Elektromobilität zu nutzen.

Der ADAC hat erfolgreich Alternativen zu aus Erdöl hergestelltem Benzin getestet.
Der ADAC hat erfolgreich Alternativen zu aus Erdöl hergestelltem Benzin getestet. © Symbolfoto: Sven Hoppe/dpa

8.06 Uhr: Analyse: Ölverbrauch in Deutschland zeigt nach oben

Der Ölverbrauch in Deutschland hat nach einem Einbruch in der Corona-Zeit in diesem Jahr wieder zugelegt - trotz des Ukraine-Kriegs und aller Sparappelle. Dies zeigt eine Auswertung des Energieexperten Steffen Bukold im Auftrag von Greenpeace, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Werte liegen zwar unter dem Niveau vor der Pandemie, doch die Kurve zeigt nach oben. Dabei waren die Ölpreise auf dem Weltmarkt nach dem russischen Angriff auf die Ukraine zeitweise stark gestiegen, was auch die Kosten für Sprit und Heizöl in die Höhe trieb.

Zugleich hat die EU für den 5. Dezember ein Ölembargo gegen Russland angekündigt, das das Angebot für Europa verknappt. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hatte vor allem im Frühjahr dringend auch zum Ölsparen aufgerufen. Bukolds Analyse beruht auf Daten der Internationalen Energieagentur IEA. Demnach ging der deutsche Verbrauch im ersten Quartal noch zurück und stieg danach.

Zwischen April und September lag der Wert um 7,1 Prozent unter der Vergleichszahl vor der Pandemie. 2020 und 2021 hatte das Minus bei 11,1 Prozent gelegen. Allerdings war Deutschland in diesem Jahr sparsamer als im Durchschnitt der OECD-Länder in Europa. Dieser lag im selben Zeitraum um 4,8 Prozent niedriger als zu Vor-Pandemie-Zeiten.

Freitag 5.46 Uhr: Mehrheit der Handwerksbetriebe macht weniger Umsatz

Drei von fünf Handwerksbetrieben sind einer Umfrage zufolge im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg von Umsatzausfällen betroffen. Das ergab eine Befragung, die der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) gemeinsam mit den Handwerkskammern und den Fachverbänden des Handwerks zwischen dem 22. und 28. November 2022 unter mehr als 3000 Handwerksbetrieben durchgeführt hat.

Am häufigsten betroffen ist den Ergebnissen zufolge das Lebensmittelhandwerk - 80 Prozent der Betriebe gaben an, sinkende Umsätze zu haben. Im Kfz-Bereich sowie bei privaten Dienstleistungs- und Gesundheitsgewerken sind es jeweils rund 70 Prozent. Laut der Hälfte aller Befragten sind die Rückgänge darauf zurückzuführen, dass Kundinnen und Kunden weniger kaufen. Jeder vierte Betrieb gab als Ursache an, dass durch gestiegene Beschaffungs- und Energiekosten Aufträge storniert wurden. Hierbei waren Mehrfachantworten möglich.

Seit Monaten treiben gestiegene Energie- und Lebensmittelpreise die Inflation an. Im Oktober stieg die Jahresteuerungsrate auf 10,4 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit etwa 70 Jahren.

22.16 Uhr: PCK in Schwedt soll Öl über Danzig bekommen

Die wichtige PCK-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt soll künftig auch Rohöl über den Hafen Danzig bekommen. Dies sagte Polen am Donnerstag in einer Vereinbarung mit der Bundesregierung erstmals zu. Das könnte Sorgen dämpfen, dass nach dem Stopp russischer Ölimporte zum Jahreswechsel große Kapazitäten im PCK auf Dauer brach liegen. Wenn mehr produziert wird, dürfte das auch die Preise an den Zapfsäulen drücken.Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und die polnische Umweltministerin Anna Moskwa unterzeichneten aber zunächst nur eine Absichtserklärung, ein sogenanntes Memorandum of Understandig. Konkrete Liefermengen stehen in dem Papier nicht. Diese sollen von den beteiligten Unternehmen ausgehandelt werden. Habeck erklärte, Ziel sei eine Versorgung der Raffinerien beider Länder mit "ausreichenden Mengen von Rohöl". Sein Staatssekretär Michael Kellner (Grüne) will am Montag zu "vertieften Gesprächen" nach Warschau reisen.

Für Schwedt und die Versorgung Ostdeutschlands ist der Lieferweg über Polen von großer Bedeutung. Bisher wird das PCK mit russischem Öl aus der Druschba-Pipeline versorgt. Das will die Bundesregierung wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zum 1. Januar stoppen und sucht dringend Alternativen. Da das Volumen einer Pipeline von Rostock nach Schwedt nicht ausreicht, werden zusätzliche Mengen benötigt. Die Bundesregierung arbeitet seit Monaten daran, Polen zu Lieferungen über Danzig nach Schwedt zu bewegen. Auch kasachisches Öl ist im Gespräch.Die polnische Ministerin Moskwa wird in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit den Worten zitiert: "Diese Erklärung bekräftigt unseren gemeinsamen Willen zur Zusammenarbeit, um die Bedingungen für Öllieferungen für polnische und deutsche Raffinerien, die an das polnische Pipeline-Netz angeschlossen sind, zu optimieren. Sie trägt zur Optimierung der Bedingungen für Kraftstofflieferungen an Kundinnen und Kunden in beiden Ländern bei."

17.20 Uhr: Wirtschaftsministerium will unabhängiger von China werden

Die deutsche Wirtschaft soll nach Plänen aus dem Bundeswirtschaftsministerium weit unabhängiger von China werden – dies soll auch mit schärferen Maßnahmen erreicht werden. In einem Papier aus dem Wirtschaftsressort wird unter anderem vorgeschlagen, deutsch-chinesische Projekte politisch nicht mehr zu flankieren, wie das Nachrichtenportal The Pioneer berichtet. Außerdem sollen chinesische Firmen bei Aufträgen für kritische Infrastruktur ausgeschlossen werden. Der Status Chinas als Entwicklungsland bei der Förderung solle gestrichen werden.

12.15 Uhr: "Inflation" ist Wort des Jahres in Österreich

In Österreich ist "Inflation" das Wort des Jahres. Der Ausdruck für Teuerung setzte sich mit knapp 4000 Stimmen deutlich gegen "Klimabonus" durch, wie eine Fachjury der Gesellschaft für Österreichisches Deutsch (GSÖD) am Donnerstag mitteilte. Die Wahl wird von der GSÖD zusammen mit der Nachrichtenagentur APA organisiert. Abgegeben wurden insgesamt 12.000 Stimmen. Auf Platz drei landete das Wort "Korruption". In Österreich laufen entsprechende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ehemalige Spitzenpolitiker.

Auch das Unwort des Jahres 2022 spiegelt die Sorgen und Ängste der Bürger wider: "Energiekrise". In dieser Kategorie landete auf Platz zwei "Heizschwammerl" für die Geräte, die das Sitzen auf Terrassen auch im Winter erträglich machen.