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Mediziner: 19 Grad am Arbeitsplatz nicht für jeden Job geeignet

Energiesparverordnung für viele Jobs zu kalt, Sachsens SPD plant Hilfen durch Sondervermögen, von der Leyen für Gaspreisdeckel - unser Newsblog zur Energiekrise.

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Für Menschen, die wie Fluglotsen vor allem am Rechner arbeiten, sind 19 Grad am Arbeitsplatz zu kalt, meinen Mediziner.
Für Menschen, die wie Fluglotsen vor allem am Rechner arbeiten, sind 19 Grad am Arbeitsplatz zu kalt, meinen Mediziner. © Marius Becker/dpa (Archiv)

Energiekrise in Sachsen und Deutschland - das Wichtigste in Kürze:

Donnerstag, 6.15 Uhr: Mediziner: 19 Grad am Arbeitsplatz nicht für jeden Job geeignet

Eine Höchsttemperatur von 19 Grad am Arbeitsplatz ist aus Sicht von Betriebsärzten nicht für jede körperlich leichte Arbeit geeignet. Das betreffe insbesondere dauerhafte Tätigkeiten, bei denen die Beschäftigten nicht zwischendurch aufstehen und sich bewegen könnten oder bei denen es auf Feinmotorik ankomme, sagte der Präsident des Verbands Deutscher Betriebs- und Werkärzte, Wolfgang Panter, der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe eine Reihe solcher Arbeiten - vom technischen Zeichnen am Computer bis zur Bildschirmüberwachung am Leitstand von Fluglotsen.

Nach der seit Anfang September geltenden Energiesparverordnung der Bundesregierung sollen zum Beispiel Arbeitsräume in öffentlichen Gebäuden maximal auf 19 Grad beheizt werden. Diese Grenze gilt für körperlich leichte und überwiegend sitzende Tätigkeiten. Je nach körperlicher Schwere der Arbeit gelten Abstufungen. In der privaten Wirtschaft haben die Arbeitgeber die Möglichkeit, die Mindesttemperatur am Arbeitsplatz auf dieses Niveau zu senken.

Mit Blick auf diese Energiesparmaßnahmen sollten Unternehmen Arbeitsplätze so gestalten, dass Beschäftigte die Möglichkeit hätten, sich während der Arbeit etwas zu bewegen, sagte der Mediziner. "Bewegung ist ein Wärmeproduzent." Wichtig sei auch, Fußkälte zu verringern, etwa durch Auslegware über kalten Böden. Beschäftigte sollten zudem auf angemessene Kleidung achten.

21.49 Uhr: Scholz weist internationale Kritik an Deutschland in Krise zurück

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat internationale Kritik am deutschen Kurs in der Energiekrise zurückgewiesen. Scholz sagte am Mittwoch nach den deutsch-spanischen Regierungskonsultationen in La Coruña auf eine entsprechende Frage hin, Deutschland habe mit seinen Entscheidungen, um die Sicherheit der Energieversorgung in Deutschland zu gewährleisten, zugleich "sehr, sehr viele weitreichende" Entscheidungen getroffen, um die Energieversorgungssicherheit für ganz Europa zu gewährleisten.

Der Kanzler nannte den Aufbau eigener LNG-Terminals in Deutschland. Diese Kapazitäten würden Deutschland auch in die Lage versetzen, über das deutsche Netz viele Nachbarn wie die Tschechische Republik, die Slowakei oder Österreich mit Gas mit zu versorgen. Diese Infrastruktur könne später auch für Wasserstoff genutzt werden.

Die Bundesregierung hatte ein bis zu 200 Milliarden schweres Energie-Entlastungspaket für Bürger und Unternehmen angekündigt. Länder wie Italien, Spanien oder Luxemburg hatten kritisiert, dass nicht alle Länder die finanziellen Mittel hätten, um solche Maßnahmen zu finanzieren und daher der Binnenmarkt verzerrt werden könnte.

Auf eine Frage, was er von einem grundsätzlichen Preisdeckel auf Gasimporte hält, ging Scholz nicht direkt ein. Er sagte, man müsse dafür sorgen, dass die Preise für Strom und für Gas auf den Weltmärkten sinken. Zugleich müssten bei den aktuell hohen Preisen Bürger und Unternehmen unterstützten. Es sei ganz wichtig, dass in nächster Zeit Resilienz und Souveränität Europas gestärkt werden. Das könne nur in engster Kooperation mit vielen Ländern gelingen, die Gas produzieren, auf dem Weltmarkt verkaufen und den Ländern, die die Nachfrage haben.

21.23 Uhr: Kulturstaatsministerin Claudia Roth warnt vor kultureller Rezession

Kulturstaatsministerin Claudia Roth hat angesichts der Energiekrise und den damit verbundenen Kosten vor einem Rückgang kultureller Aktivitäten gewarnt. "Wir dürfen uns nach den fortwirkenden, tiefgreifenden Entbehrungen der Kultur während der Corona-Pandemie keine kulturelle Rezession erlauben", sagte die Grünen-Politikerin am Mittwoch in Berlin nach einem Treffen mit ihren für Kultur zuständigen Kolleginnen und Kollegen aus den Ländern.

"Museen, Theater, Kinos und Konzerthäuser sind kraftspendende Orte der Bildung, der Begegnung, der sozialen Wärme und der Gemeinschaft", sagte Roth. Diese Einrichtungen auch über den Winter offen zu halten, sei demokratischer Anspruch. Bund, Länder und Kommunen wollten die Kultur "als Anker der Demokratie" in schwierigen Zeiten unterstützen.

Die Vorsitzende der Kulturministerkonferenz, Nordrhein-Westfalens Kulturministerin Ina Brandes (CDU), nannte Kunst und Kultur "unverzichtbar für unsere Demokratie". Trotz der Energiekrise sei es oberstes Ziel, die Kultureinrichtungen in Deutschland offen zu halten. Kritische Infrastrukturen etwa in Archiven oder Sammlungen, in denen bestimmte klimatische Bedingungen aufrechterhalten werden müssen, sollten geschützt werden. Gleichzeitig betonte Brandes, auch die Kultur müsse einen spürbaren Beitrag zum Energiesparen leisten.

Der Deutsche Museumsbund empfahl den Museen die Anwendung eines "erweiterten Klimakorridors". Statt eines einzelnen Sollwerts werde ein Klimakorridor im Betrieb mit festen Grenzwerten empfohlen, hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung. Alle Werte innerhalb dieses Bereiches seien akzeptabel, "sofern das Sammlungsgut keinen spezifischen konservatorischen Anforderungen unterliegt".

21.17 Uhr: Deutschland und Spanien wollen Pipeline über die Pyrenäen

Zur Eindämmung der Energiekrise dringen Deutschland und Spanien gemeinsam auf den Bau einer Gas-Pipeline über die Pyrenäen. In einem gemeinsamen Aktionsplan, der am Mittwoch bei den deutsch-spanischen Regierungskonsultationen in La Coruña beschlossen wurde, setzen sich die beiden Länder für die Realisierung der Leitung namens Midcat zwischen Spanien und Frankreich bis 2025 ein. Später soll dadurch auch mit erneuerbaren Energien produzierter Wasserstoff transportiert werden. Frankreich stemmt sich bisher allerdings gegen den Bau.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez machten sich auf einer gemeinsamen Pressekonferenz gemeinsam für die Realisierung der Pyrenäen-Pipeline stark. "Ich werbe ausdrücklich dafür, dass wir diese Verbindung schaffen", sagte Scholz vor allem mit Blick auf die Transportmöglichkeit für Wasserstoff.

Sanchez hatte bereits vor den Konsultationen in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" betont, dass es bei der Leitung um die europäische Versorgungssicherheit gehe. "Das ist keine bilaterale Frage, sondern sie betrifft die gesamte EU. Angesichts des Krieges in der Ukraine sollten nicht die Interessen Einzelner, sondern das europäische Interesse Vorrang haben."

20.03 Uhr: Nach Sabotage: Moskau bestätigt Einsatzbereitschaft von Nord Stream 2

Der mutmaßliche Sabotageakt gegen die Nord Stream Pipelines hat nach Angaben aus Moskau offenbar die von Russland präferierte Leitung Nord Stream 2 verschont. "Was Nord Stream 2 betrifft, so ist diese Pipeline bisher nach vorläufiger Einschätzung tatsächlich in technisch geeignetem Zustand", sagte Russlands Energieminister Alexander Nowak am Mittwoch im Staatsfernsehen. Er bot an, durch diese Leitung Gas nach Europa zu liefern. Zugleich forderte er eine Beteiligung Russlands an den Ermittlungen zur Sabotage.

Ende September kam es zu Explosionen unter Wasser an der Ostseepipeline. Dabei wurden beide Stränge der Pipeline Nord Stream 1 und ein Strang von Nord Stream 2 leck geschlagen. Experten gehen von einem staatlichen Sabotageakt aus. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte zuletzt Briten und US-Amerikaner des Anschlags auf die Gasleitung beschuldigt. Diese seien die Profiteure des Sabotageakts, behauptete er. Nord Stream 1 wurde dabei seit Anfang September von Russland nicht mehr mit Gas bepumpt - angeblich aus technischen Gründen, die wegen der Sanktionen nicht zu beheben seien.

Stattdessen hat Moskau Nord Stream 2 als Ausweichvariante angeboten, deren Zertifizierung allerdings von Deutschland im Februar endgültig gestoppt wurde. Nach der Liquidierung von Nord Stream 1 hat Nowak nun erneut Nord Stream 2 ins Spiel gebracht. Gaslieferungen seien möglich, wenn erforderlich, betonte der Minister.

19.15 Uhr: Durchschnittliche Netzentgelte sollen 2023 vielerorts weiter steigen

Die Netzentgelte auf dem überregionalen Strommarkt werden in Deutschland im kommenden Jahr voraussichtlich vielerorts weiter zunehmen. Die vier großen Übertragungsnetzbetreiber nannten am Mittwoch die geplante Höhe der Nutzungsgebühren, die neben Produktions- und Beschaffungskosten sowie Steuern einen erheblichen Teil der Rechnung für Endkunden ausmachen. Sie sollen 2023 im Schnitt bei 3,12 Cent je Kilowattstunde liegen - erstmals bundeseinheitlich. Voraussetzung sei, dass bis Anfang Dezember klar ist, wie genau der Bund die Preiskomponente durch seine Entlastungspakete stabilisiert.

Den Angaben zufolge bedeutet die aktuelle Kalkulation nur für das Netzgebiet des niederländischen Betreibers Tennet - etwa in Niedersachsen, Schleswig-Holstein sowie Teilen Hessens und Bayerns - eine leichte Minderung. Dort werden in diesem Jahr noch 3,29 Cent pro Kilowattstunde fällig. In den Zonen von 50Hertz (vor allem Ostdeutschland), Amprion (Großteil von NRW sowie Rheinland-Pfalz, Saarland, Teile Westbayerns) und Transnet BW (Baden-Württemberg) kommt es hingegen zu einer Erhöhung. Dort liegen die Netzentgelte für jede Kilowattstunde derzeit bei 3,04, 2,94 und 3,03 Cent.

Die vier Unternehmen begründeten ihre Berechnungen mit absehbar noch zunehmenden Kosten: "Die Hauptursache liegt bei den erheblichen Preissteigerungen auf den Brennstoff- und Strommärkten, die vor allem auf Russlands Krieg gegen die Ukraine zurückzuführen sind." Teuer ist etwa die Beschaffung von Erdgas aus alternativen Lieferländern, wenngleich der Anteil der Gasverstromung geringer werden soll. Außerdem kostet das Halten von Reservekapazitäten Geld. Kanzler Olaf Scholz (SPD) will die Netzentgelte mittelfristig auch dadurch senken, dass hohe Zufallsgewinne von Stromerzeugern abgeschöpft werden.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) forderte die Koalition auf, schnell die Rechtsgrundlagen für Zuschüsse zu schaffen. "Es ist richtig, dass für diese außergewöhnliche Situation ein staatlicher Zuschuss geplant ist." Die krisenbedingten Mehrkosten führten sonst zu erheblichen Netzentgeltsteigerungen, die von allen Kunden getragen werden müssten, sagte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Mehrfach gab es von Unternehmen und Verbrauchern schon vor dem Konflikt in Osteuropa Kritik an der Höhe der Netzentgelte. Teils wurden Vorwürfe laut, die großen Betreiber hätten zu viel Macht bei der Festlegung der Preise zur Nutzung der Stromnetz-Infrastruktur.

Länder mit hohen Anteilen erneuerbarer Energien wie Niedersachsen oder Schleswig-Holstein dringen zudem auf eine Systemreform: Regionen mit wenig Einwohnern, aber viel Ökostrom-Einspeisung würden gegenüber solchen mit vielen Menschen und viel Stromabnahme benachteiligt. Zurzeit gibt es für ganz Deutschland nur eine Strompreiszone, obwohl die Produktions- und Verteilkosten regional unterschiedlich sind.