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Institute: Zu viele staatliche Hilfen könnten Inflation anheizen

Wirtschaftsforschungsinstitute mahnen die Politik ihre Hilfspakete gegen hohen Energiepreise vorsichtig zu dosieren. Ansonsten könnten die Hilfen die Inflation verstärken.

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Zu großzügig Hilfen des Staates könnten laut Wirtschaftsforschern den wichtigen Lenkungseffekt höherer Energiepreise torpedieren.
Zu großzügig Hilfen des Staates könnten laut Wirtschaftsforschern den wichtigen Lenkungseffekt höherer Energiepreise torpedieren. © Archivbild: Norbert Millauer

Führende Wirtschaftsforschungsinstitute haben die Politik gemahnt, Hilfspakete gegen die hohen Energiepreise vorsichtig zu dosieren, um die Inflation nicht weiter anzuheizen. "Werden solche Hilfen auf breiter Front ausgereicht, treibt das zusätzlich die Inflation und torpediert den wichtigen Lenkungseffekt höherer Energiepreise. Das verschärft wiederum die Probleme einkommensschwacher Haushalte und erhöht die gesamtwirtschaftlichen Kosten", erklärte der Leiter des Kiel Instituts für Weltwirtschaft, Stefan Kooths, am Mittwoch. Schon jetzt erwarten die großen Institute für 2022 eine Inflationsrate von 6,1 Prozent, den höchsten Wert seit 40 Jahren.

Sie schraubten ihre Konjunkturprognose wegen des Kriegs in der Ukraine und der anhaltenden Corona-Pandemie nach unten. Für dieses Jahr erwarten die Forscher nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 2,7 Prozent. Bei einer sofortigen Unterbrechung der russischen Gaslieferungen würde die Wirtschaftsleistung sogar nur um 1,9 Prozent zunehmen. Im Herbst hatten sie noch ein Wachstum von 4,8 Prozent vorhergesagt.

Mit ihrer neuen Prognose sind die Forschungsinstitute aber noch deutlich optimistischer als etwa die Wirtschaftsweisen. Die Berater der Bundesregierung haben für dieses Jahr nur noch ein Wachstum um 1,8 Prozent vorhergesagt - und bei einem Lieferstopp russischer Energieimporte sogar eine Rezession.

Die Gemeinschaftsdiagnose der Institute wird zweimal im Jahr erstellt, im Frühjahr sowie im Herbst - und zwar vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, dem ifo Institut, dem Kiel Institut für Weltwirtschaft, dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle und dem RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen. (dpa)