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Kreis Bautzen: So teuer wird der Winter

Die Preise für Erdgas steigen. Viele Versorger reichen die Mehrkosten an ihre Kunden weiter. Womit Verbraucher im Landkreis Bautzen rechnen müssen.

Von Tilo Berger
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Wer mit Gas heizt, muss sich auf steigende Kosten gefasst machen, auch im Landkreis Bautzen. Einige Versorger haben ihren Gaspreis bereits erhöht oder kündigen es an.
Wer mit Gas heizt, muss sich auf steigende Kosten gefasst machen, auch im Landkreis Bautzen. Einige Versorger haben ihren Gaspreis bereits erhöht oder kündigen es an. © Archivfoto: Norbert Millauer

Bautzen. Etwa 50 Versorgungsunternehmen in Deutschland haben ihre Preise für Erdgas schon erhöht oder diesen Schritt angekündigt. Das berichtet das Vergleichsportal Check24. Und Verbraucherschützer rechnen damit, dass noch mehr Unternehmen nachziehen. Wie sieht es konkret im Landkreis Bautzen aus?

Sachsenenergie: Höhere Preise schon seit Oktober

Sachsenenergie, Nachfolger der früheren Enso, versorgt im Landkreis Bautzen etwa 19.000 Kunden mit Gas. Wie Unternehmenssprecherin Nora Weinhold berichtet, wurden für Privatkunden und Kleingewerbekunden schon zum 1. Oktober "erste Preisanpassungen" vorgenommen. Die Verbrauchspreise stiegen jeweils um 0,65 Cent pro Kilowattstunde. Die Grundpreise blieben stabil. Kunden, die im Jahr 12.000 Kilowattstunden Gas verbrauchen, zahlen jetzt monatlich 6,50 Euro mehr, hat Nora Weinhold ausgerechnet.

"Ausgenommen sind Erdgasprodukte mit laufender Preisgarantie." Wer sich also von Sachsenenergie langfristig Gaslieferungen mit garantiertem Festpreis gesichert hat, muss während seiner Vertragslaufzeit keine Erhöhung befürchten.

Energie- und Wasserwerke Bautzen: Preis steigt 2022

Die Energie- und Wasserwerke Bautzen (EWB) versorgen rund 6.400 Kunden mit Gas. Sie werden in den nächsten Wochen Post bekommen, die über höhere Preise ab Januar 2022 informiert, kündigt Juliane Mahr vom EWB-Marketing an.

Welche neuen Zahlen in dem Bescheid stehen, werde derzeit noch ermittelt. "Wir befinden uns noch mitten im Anpassungsprozess." Zurzeit zahlen EWB-Gaskunden für einen durchschnittlichen Verbrauch von 12.000 Kilowattstunden im Jahr einen Grundpreis von 85,99 Euro. Hinzu kommen 8,41 Cent pro verbrauchter Kilowattstunde. Das macht 84,10 Euro im Monat. Sollten die EWB ihren Gaspreis im gleichen Maße wie Sachsenenergie erhöhen, müsste ein Durchschnittshaushalt ab Januar 90,60 Euro im Monat einplanen. Aber das steht noch nicht fest.

Envia-M und andere: Noch keine Vorhersage

Envia-M hat vor allem im Norden des Landkreises Bautzen zahlreiche Kunden. Wie viele, sagt Unternehmenssprecher Stefan Buscher nicht: "Wir weisen unsere Kundenzahlen nicht nach Landkreisen aus. Insgesamt versorgen wir deutschlandweit rund 174.000 Privat- und Gewerbekunden mit Erdgas."

Bis Ende dieses Jahres werde Envia-M die Erdgaspreise für Privat- und Gewerbekunden noch konstant halten. Wie sich die Preise 2022 entwickeln, will das Unternehmen in Kürze mitteilen.

Außer großen Versorgern wie Sachsenenergie, Envia-M und EWB tummeln sich auf dem Markt im Landkreis mehrere deutschlandweit tätige Anbieter. Yello Strom zum Beispiel versorgt im Kreis Bautzen "eine größere dreistellige Kundenzahl mit Gas", berichtet Pressesprecherin Tanja Beer. Bisher habe es keine Preiserhöhungen gegeben. "Auch wir registrieren jedoch die Auswirkungen der gestiegenen Gaspreise. Derzeit beobachten wir alle Faktoren und deren Kostenentwicklung im Detail und werden dann abwägen, ob wir eine Preisanpassung durchführen müssen."

Der Energiekonzern Eon bestätigt zwar, auch im Landkreis Bautzen Kunden mit Gas zu versorgen, nennt aber keine Zahlen. Ebenso möchte sich Eon noch nicht zu höheren Preisen äußern. Aber wenn ein Unternehmenssprecher ankündigt, der Konzern werde "die weitere Entwicklung beobachten", dann lässt das schon darauf schließen, dass sich auch Eon dem Markt nicht verweigert.

Warum die Gaspreise jetzt steigen

Warum sich dieser Markt gerade so dramatisch verändert, dafür gibt es nach Ansicht von Experten eine Vielzahl von Gründen. Einer ist, dass sich nach dem weltweiten Corona-Einbruch die Wirtschaft gerade wieder normalisiert und in kurzer Zeit riesige Mengen Energie braucht - und steigende Nachfrage treibt noch immer jeden Preis in die Höhe. Hinzu kommt, dass die Gasspeicher in Europa nach dem vergleichsweise kalten Winter 2020/21 noch nicht wieder komplett aufgefüllt sind.

Juliane Mahr von den Energie- und Wasserwerken Bautzen schlüsselt die Veränderungen konkret für das kommunale Unternehmen auf: Im Januar erhöhe sich die Kohlendioxid-Steuer zur Stärkung des Klimaschutzes. Zudem hätten sich im laufenden Jahr die Beschaffungspreise für Erdgas an den Großhandelsmärkten mehr als vervierfacht. "Durch unsere langfristige Beschaffungsstrategie konnten wir einen großen Teil davon kompensieren, einen Anteil müssen wir aber an unsere Kunden weitergeben."

Auch Strom und Wärme aus Gas werden teurer

Inwieweit sich der höhere Gaspreis in den Rechnungen für Strom und Fernwärme bemerkbar machen wird, steht noch nicht fest. Aber: Er wird es.

Die Energie- und Wasserwerke Bautzen etwa erzeugen in ihrem Heizkraftwerk an der Thomas-Müntzer-Straße gleichzeitig Strom und Wärme aus Erdgas. Der Energieträger mache im Mix der EWB etwa 20 Prozent aus.