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Solarwatt und BMW bauen gemeinsam Batteriespeicher

Der Dresdner Photovoltaik-Hersteller will Strom- und Wärmeversorgung in Einfamilienhäusern koppeln.

Das ist der „Battery Flex“, um den es bei der Kooperation zwischen Solarwatt und BMW geht.
Das ist der „Battery Flex“, um den es bei der Kooperation zwischen Solarwatt und BMW geht. © J. Konrad Schmidt (BFF Professional)

Der Dresdner Photovoltaik-Hersteller Solarwatt bietet Eigenheimbesitzern und kleineren Gewerbetreibenden künftig ein Energiesystem an, mit dem sie mit selbst erzeugtem Solarstrom ihr Elektroauto aufladen und eine Wärmepumpe antreiben können. Das kündigte Solarwatt-Vorstandschef Detlef Neuhaus am Mittwoch an. So könnten Hausbesitzer mit einer PV-Anlage auf dem Dach bis zu 90 Prozent ihres CO2-Ausstoßes einsparen. In Deutschland gibt es laut Neuhaus rund 16 Millionen Einfamilienhäuser, die im Jahr 160 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Luft auspusten. Die Sektorenkopplung sei der „einzig gängige Weg“, um eine deutliche Reduzierung der CO2-Emissionen zu erreichen“, glaubt Neuhaus.

Herzstück dieses Energiesystems ist ein neuer akkubasierter Batteriespeicher, den Solarwatt mit dem Autobauer BMW entwickelt hat. Seit 2013 besteht zwischen beiden Unternehmen eine enge Kooperation. Der Heimspeicher „Battery flex“ ist modular aufgebaut und ab einer Kapazität von 4,8 Kilowattstunden bis zu einer Größe von mehr als 240 Kilowattstunden einsetzbar. Er kommt ab Herbst unter dem Markennamen „Battery flex“ auf den Markt. Der Batteriespeicher sei kleiner, kompakter, leistungsstärker und einfach zu installieren, priesen die Solarwatt-Manager die Vorteile gegenüber dem bisherigen Solarwatt-System „My Reserve“ an. Das Gerät sei auch energieeffizienter als etwa der Batteriespeicher von Tesla, weil keine aktive Kühlung notwendig sei, hieß es.

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„In diesem Produkt steckt die umfassende Automotive-Kompetenz des Weltkonzerns BMW Group – gepaart mit dem tiefen Speicher-Know-how, das wir in den vergangenen Jahren bei Solarwatt aufgebaut haben“, betonte Neuhaus sichtlich stolz. Er wandte sich vehement gegen die Vermutung, dass Solarwatt-Hauptanteilseigner und BMW-Erbe Stefan Quandt die Türen zum Autobauer geöffnet habe. „Das ist schon aus Compliance-Gründen vollkommen ausgeschlossen“, so Neuhaus, der betonte: „Wir haben uns die Partnerschaft mit BMW hart erarbeitet.“

Blick in eine Produktionshalle von Solarwatt. Das Dresdner Unternehmen will eng mit dem Autoriesen BMW kooperieren.
Blick in eine Produktionshalle von Solarwatt. Das Dresdner Unternehmen will eng mit dem Autoriesen BMW kooperieren. © Ronald Bonß

Die Dresdner setzen auf Batteriekomponenten, wie sie auch in BMW-Elektrofahrzeugen zum Einsatz kommen. Es handelt sich aber nicht um eine Zweitverwertung ausgemusterter Auto-Akkus. „Gebrauchte Lithium-Ionen-Batterien gehören aus Sicherheits- und Qualitätsgründen nicht in ein neues Produkt“, stellte Solarwatt-Innovationschef Olaf Wollersheim klar. Die Zellmodule werden in einem Werk in der Nähe von Regensburg gefertigt. Die Endmontage des Speichers findet in Dresden statt.

Je nach Stromverbrauch und Leistungsstufe müssen die Endkunden mit bis zu 40.000 Euro Kosten für das Komplettpaket aus Solardach, Batteriespeicher und Wärmepumpe rechnen. Ein genauer Preis sei schwierig zu nennen, „aber die Sektorenkopplung ist für Eigenheimbesitzer auf jeden Fall immer wirtschaftlich“, betonte Neuhaus. Ihn ärgern nach eigenen Worten die Erwägungen der Bundesregierung, durch schärfere Vorschriften für Neubauten mehr Solaranlagen auf Hausdächern erzwingen zu wollen, „ernsthaft“. Aber er stimme einer „Solarpflicht“ zähneknirschend zu. „Denn wir brauchen mehr Geschwindigkeit im Kampf gegen den Klimawandel, auch wenn das vielleicht Akzeptanz kostet“, so der Unternehmer.

100 Millionen Euro fließen in den Ausbau

Der 2012 gestartete Wandel vom klassischen Solarmodulhersteller zum Systemanbieter für Hausbesitzer und Gewerbetreibende war die richtige Strategie. Seit der Rettung durch Quandt steigen Umsätze und Beschäftigtenzahl stetig an. Im vergangenen Jahr erreichte Solarwatt einen Umsatz von 121 Millionen Euro und beschäftigt zurzeit mehr als 500 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Bis zum Jahr 2025 soll sich der Umsatz auf 450 Millionen Euro im Jahr erhöhen und die Mitarbeiterzahl verdoppeln, „wenn wir schnell genug Personal finden werden“, wie es hieß.

Um diese Zielmarken zu erreichen, investiert das 1993 gegründete Unternehmen kräftig. 100 Millionen Euro fließen in den Ausbau der Produktionskapazitäten. Im August geht die achte Fertigungslinie in Betrieb, die 15 Millionen Euro gekostet hat. Anfang des Jahres wurde in Großbritannien eine Niederlassung gegründet. Solarwatt hat sich zum europäischen Marktführer für Glas-Glas-Solarmodule entwickelt.

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Ein Hemmnis für die Wachstumspläne von Solarwatt ist der Fachkräftemangel. Davon hänge auch das Gelingen der Energiewende maßgeblich ab, so Neuhaus. Um dem Engpass bei den Montagekapazitäten entgegenzuwirken, baut die Firma bundesweit eigene Installationstrupps auf, um die regionalen Partner zu unterstützen. „Wir möchten gemeinsam mit unseren Premium-Installateuren zum größten Netzwerk für nachhaltige Energiesysteme werden“, gab der Solarwattchef das Ziel aus.

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