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Tausende Pirnaer ohne Warmwasser

Am Fernwärmenetz auf dem Sonnenstein stehen dringende und aufwendige Arbeiten an. Daher wird die Versorgung Anfang Juni für eine Woche unterbrochen.

Heizkraftwerk Pirna-Sonnenstein: Wichtige Bauteile müssen ausgewechselt werden.
Heizkraftwerk Pirna-Sonnenstein: Wichtige Bauteile müssen ausgewechselt werden. © Archiv: Dirk Zschiedrich

Das Vorhaben ist gewaltig, entsprechend gravierend sind die Einschnitte, die damit einhergehen. Die Stadtwerke Pirna planen in der ersten Juniwoche aufwendige Arbeiten am Fernwärmenetz auf dem Sonnenstein. Sie erstrecken sich sowohl auf das Heizkraftwerk an der Herbert-Liebsch-Straße als auch auf die von dort aus verlegte Fernwärmehauptleitung.

Die Folge: Wegen der Reparatur- und Montagearbeiten wird die Versorgung mit Fernwärme und Warmwasser vom 30. Mai, 19 Uhr, bis zum 6. Juni, 16 Uhr, unterbrochen. "Das dauert so lange, weil das Projekt so kompliziert und umfangreich ist", sagt Rico Eglin, Abteilungsleiter Fernwärme bei den Stadtwerken.

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Betroffen davon sind alle Haushalte im linkselbischen Pirnaer Stadtgebiet, die durch das Heizkraftwerk Sonnenstein versorgt werden. Schätzungsweise 2.500 bis 5.000 Haushalte müssen somit dann eine Woche lang ohne Fernwärme und Warmwasser auskommen.

Stadtwerke haben keine Alternative

Alternativen, die Menschen in dieser Zeit anderweitig zumindest mit Warmwasser zu versorgen, sehen die Stadtwerke nicht. Zwar hatte das Unternehmen in Erwägung gezogen, dass sich die vorübergehend von der Versorgung Abgeschnittenen eventuell im Geibeltbad duschen können. Weil aber die Schwimmstätte wegen der Corona-Pandemie derzeit noch geschlossen bleiben muss, entfällt diese Möglichkeit.

Andererseits lässt sich das Vorhaben auf dem Sonnenstein auch nicht aufschieben. Laut der Stadtwerke seien die Arbeiten dringend erforderlich, um das Gebiet auch künftig zuverlässig versorgen zu können. Gearbeitet wird gleich an mehreren Stellen.

Wichtige Arbeiten im Heizkraftwerk

So müssen im Heizkraftwerk, seit fast 30 Jahren in Betrieb, wichtige Teile wie die Leistungshauptschalter der Stromschienen ausgetauscht werden. Das sind nach Auskunft von Rico Eglin mehrere große Schaltkästen, über die das Kraftwerk ans öffentliche Stromnetz angebunden ist. Diese Einheiten werden gewechselt, Fachleute prüfen und reinigen zudem die Stromschienen hinter den Schränken und unterziehen sie einem Funktionstest.

Gleichzeitig arbeitet eine Firma an der Brandmeldeanlage des Kraftwerks. Die gesamte Anlage mit einer Vielzahl von Messfühlern und Sensoren wird gewartet, eingestellt, überprüft und getestet. Des Weiteren spielen die Fachleute eine neue Software ein und prüfen diese auf Herz und Nieren.

Diese Arbeiten können laut Eglin nur im Stillstand der Anlage stattfinden - da sie direkt mit der Feuerwehr verbunden ist und somit Fehlalarme auslösen könnte.

Zudem werden in die Wärmespeicher neue Absperrarmaturen eingebaut. Sie Speicher haben einen Wasserinhalt von 400 Kubikmeter und können Wärme für etwa vier Stunden liefern, sollte das Heizkraftwerk einmal ausfallen.

Alte Fernwärmerohre werden ausgetauscht

Unweit entfernt davon lässt die Stadt derzeit die Herbert-Liebsch-Straße sanieren und ausbauen. Alle möglichen Versorgungsleitungen werden daher gleich mit verlegt, um die Trasse in den kommenden Jahren nicht wieder aufgraben zu müssen.

Die Stadtwerke verlegen dort einen zweiten Hauptleitungsanschluss für den Sonnenstein. Fertiggestellt wird er aber erst, wenn die Stadt die Struppener Straße saniert - was noch einige Jahre dauert.

Die Leitung wird später einmal bis zum Varkausring führen. Mit ihr entsteht eine zweite Versorgungsmöglichkeit - für den Fall einer anderweitigen Unterbrechung.

Zudem erneuern die Stadtwerke die Fernwärmetrasse auf der Prof.-Joliot-Curie-Straße. Ziel laut Eglin ist es, die gesamte alte Leitung, die aus den 1970er Jahren stammt, zwischen dem Bauwerk am Aldi-Markt an der Struppener Straße und der ehemaligen Wärmeübertragungsstation an der Julius-Fucik-Straße schrittweise auszutauschen.

Das erste Teilstück geht bis zur Kreuzung Rudolf-Breitscheid-Straße und bindet zugleich die Häuser im Wohnquartier "Rosengarten" an.

Einen Tag entleeren, zwei Tage befüllen

Sämtliche Arbeiten, bei denen jetzt Rohre ausgewechselt werden, sind Teil eines Komplexvorhabens - bei dem insgesamt 4,1 Kilometer Rohrleitungen ausgetauscht werden. Die Stadtwerke wollen damit die Netzverluste um sieben Prozent senken.

Dieses Rohraustausch-Programm auf dem Sonnenstein kostet nach Angaben des Unternehmens rund vier Millionen Euro und wird zu 55 Prozent vom Land gefördert.

Für die damit verbundenen, Anfang Juni geplanten Arbeiten, sind allein schon Vor- und Nachbereitung extrem aufwendig. Nach Aussage von Eglin dauert es insgesamt allein drei Tage, das Rohrnetz außer Betrieb und dann wieder in Betrieb zu nehmen.

Das hänge vor allem mit der Wassermenge zusammen, die entleert und später wieder eingefüllt werden muss. Das gesamte Rohrnetz und die Wärmespeicher im Kraftwerk haben insgesamt ein Fassungsvolumen von 1.300 Kubikmeter und werden nun für die anstehenden Arbeiten zu 60 Prozent entleert - weil nur wasserlose Leitungen geschweißt werden können.

Möglicherweise muss die Versorgung im Wohngebiet Sonnenstein voraussichtlich im Juli erneut kurzzeitig unterbrochen werden, wenn die neue Fernwärmeleitung im Bereich Prof.-Joliot-Curie-Straße/Rudolf-Breitscheid-Straß eingebunden wird. Der genaue Zeitpunkt steht nach Auskunft der Stadtwerke derzeit aber noch nicht fest.

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