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Wirtschaft in Sachsen - Das Wochen-Briefing

Protest gegen Stellenabbau bei Alstom + Gaskrise: Speditionen in Not + Jenoptik startet in Dresden größte Einzelinvestition + Erntebilanz besser als befürchtet

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Wirtschaftsminister Martin Dulig hat am Mittwoch an einem Protest der Görlitzer Alstom-Beschäftigten teilgenommen. In dem Werk sollen Hunderte Stellen gestrichen werden.
Wirtschaftsminister Martin Dulig hat am Mittwoch an einem Protest der Görlitzer Alstom-Beschäftigten teilgenommen. In dem Werk sollen Hunderte Stellen gestrichen werden. © dpa

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Guten Morgen,

schreiben wir es mal der Erschöpfung zu, aber Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat in der Talksendung von Sandra Maischberger Stuss erzählt. Er versuchte zu erklären, was in einer Bäckerei passiert, wenn wegen steigender Energiekosten die Brötchen teurer werden müssen und die Kunden sich beim Kauf zurückhalten. "Dann sind die nicht insolvent, aber hören vielleicht auf zu verkaufen", sagte Habeck. Maischberger hakte nach, was das anderes sei als eine Pleite. Und es kam noch schlimmer: Manche Tätigkeiten "werden später vielleicht wieder aufgenommen", versuchte sich der Grünen-Politiker zu retten. Es folgte Häme im Netz und Unionsfraktionschef Friedrich Merz machte sich am Mittwoch im Bundestag über Habeck lustig. Den Handwerkern in Sachsen war nicht zum Lachen zumute. Ihre Kammervertreter bezeichneten den Auftritt von Habeck als "kaltschnäuzig".

Berechtigterweise wächst bei vielen Unternehmern und Unternehmerinnen der Frust. Nicht nur, dass im üppigen dritten Entlastungspaket die Hilfen für die Wirtschaft gering ausfallen. Ganz offenbar hat selbst der Bundeswirtschaftsminister die existenzielle Dramatik für viele Betriebe, in die die Energieinflation sie stürzt, nicht richtig begriffen. Im August lag die Zahl der Firmenpleiten erstmals über den Werten der beiden vergangenen Jahre. Das ist noch keine Bankrottlawine, aber die Zahl der Insolvenzen wird zunehmen.

Während der Hochzeit der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr war ebenfalls eine Pleitewelle vorausgesagt worden, die dann nicht kam. Im Gegenteil, in den vergangenen zwei Jahren sank die Zahl der Insolvenzen sogar, nicht zuletzt dank der staatlichen Corona-Hilfen in Milliardenhöhe.

Aber jetzt reichen die Hilfen für Unternehmen, die die Bundesregierung bislang plant, nicht. Habeck versprach bei Maischberger ein "Unterstützungsprogramm für Unternehmen". Es ist hoffentlich strukturierter als das dritte Entlastungspaket.

Aller Krisen und Engpässen zum Trotz investiert Jenoptik über 70 Millionen Euro in den Bau einer Hightech-Fab in Dresden. Beim Spatenstich am Dienstag betonte Vorstandschef Stefan Traeger, es brauche "Mut und Zuversicht" für ein solches Projekt.

Ich hoffe, auch Ihnen mangelt es daran nicht. Starten Sie optimistisch in den Tag,

herzlichst,

Ihre Nora Miethke, Leiterin Wirtschaftsredaktion sächsische.de

Das Wichtigste aus Sachsens Wirtschaft

Alstom-Beschäftigte: Protest gegen Stellenstreichungen

Mit einer Menschenkette haben Alstom-Beschäftigte in Görlitz gegen die geplanten Stellenstreichungen bei dem Unternehmen protestiert. In die Kette reihten sich am Mittwoch auch Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD), der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) und der Landrat des Kreises Görlitz, Stephan Meyer (CDU), ein. "Wer heute gute, erfahrene Fachkräfte auf die Straße setzt, sucht sie morgen vergeblich für die Zeit der Transformation. Das ist unsere Botschaft an das Management von Alstom", sagte der Gewerkschafter Uwe Garbe.

AdBlue-Stopp: Speditionen in Not

Die SKW Stickstoffwerke Piesteritz bei Wittenberg, Deutschlands größter Stickstoff- und Ammoniakhersteller, haben ihre Produktion eingestellt. Wegen drastisch gestiegener Energiepreise und der Gasumlage ab Oktober lohne sich die Produktion nicht mehr, heißt es vom Unternehmen. Damit kommt auch kein AdBlue mehr aus dem Werk – mit fatalen Folgen. Denn ohne jene Harnstofflösung fährt kein Diesel-Lkw. Andreas Hanitzsch, Geschäftsführer und Inhaber einer Spedition in Wilsdruff bei Dresden, bestätigt den Ernst der Lage. "Ohne AdBlue geht es nicht, es gibt keinen Weg daneben", sagt er.

Jenoptik startet größte Einzelinvestition

Jenoptik hat in Dresden-Hellerau mit dem Bau einer Fabrik mit 120 Arbeitsplätzen begonnen. Dort sollen ab 2025 Mikrooptiken und Sensoren produziert werden. Die Landeshauptstadt solle zu einem Hauptstandort der Mikrooptik-Aktivitäten des Unternehmens werden, erklärt Vorstandschef Stefan Traeger. Mit mehr als 70 Millionen Euro Finanzierungskosten ist es die höchste Einzelinvestition in der Firmengeschichte. Der Photonik-Spezialist hat sich bewusst für Dresden entschieden.

Ernteausfälle geringer als gedacht

Die lange Trockenheit hat dieses Jahr Sachsens Getreideernte geschmälert. Die Erträge seien aber besser ausgefallen als befürchtet, sagt Bauernpräsident Thomas Krawczyk. Bei Getreide, das mehr als die Hälfte der Ackerfläche im Freistaat ausmacht, sei der Ertrag mit 66,3 Dezitonnen je Hektar reichlich drei Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre geblieben. Zugleich ließen die Qualitäten zu wünschen übrig, so dass weniger Brotgetreide eingefahren wurde als erhofft. Wegen der anhaltenden Trockenheit seien auch Mindererträge bei Kartoffeln, Rüben und Mais zu erwarten. Vor allem gestiegene Kraftstoffpreise und Engpässe bei Saatgut machen den Bauern Sorgen.


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