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Ärger im Supermarkt: Was tun, wenn der Automat das Pfand verweigert?

Seit Juli dürfen nur noch sehr wenige Getränke ohne Pfand verkauft werden. Doch in vielen Märkten gibt es Probleme bei der Rücknahme.

Von Kornelia Noack
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Ist das Pfandlogo zu erkennen, muss der Laden das Leergut auch zurücknehmen.
Ist das Pfandlogo zu erkennen, muss der Laden das Leergut auch zurücknehmen. © Monika Skolimowska/dpa

Eigentlich ist so ein Pfandautomat eine praktische Sache: Flasche rein, kurzes Scannen, Knöpfchen drücken und schon erhält man seinen Pfandbon. Doch nicht immer und überall funktioniert das so reibungslos. Mal schluckt der Automat die Flasche oder Dose nicht, weil das Etikett nicht gelesen werden kann. Oder aber der Supermarkt verweigert einfach die Annahme, weil man die Marke nicht führe.

Beschwerden nehmen zu

Seit dem 1. Juli dürfen nur noch sehr wenige Getränke überhaupt ohne Pfand verkauft werden. Die Beschwerden von Kunden über Probleme bei der Rückgabe von Einwegflaschen und Dosen nehmen jedoch zu. Schon seit Beginn des Jahres sind die meisten Getränkeverpackungen pfandpflichtig. Nicht mehr nur für Bier, Biermischgetränken und Mineralwasser in Dosen werden 25 Cent Pfand fällig, sondern beispielsweise auch für Smoothies, Frucht- oder Gemüsesäfte und Nektar in Kunststoffflaschen sowie Sekt, Prosecco und Wein in Dosen.

Erkennen kann man die Verpackungen am Pfandlogo, das eine Dose und Flasche mit Pfeil darunter abbildet. Es findet sich meist auf der Rückseite. Bis zum 30. Juni galt noch eine Übergangsfrist im Handel, in der Restbestände auch ohne Pfand verkauft werden durften. Mittlerweile ist das Durcheinander in den Regalen vorbei.

Pfandlogo ist ausschlaggebend

Haben Kunden nun Probleme beim Zurückgeben ihres Leerguts, sollten sie sich auf keinen Fall zu schnell abwimmeln lassen. Denn Einweggetränkeverpackungen mit Pfand können überall dort abgegeben, wo diese auch verkauft werden. „Laut Verpackungsgesetz sind Händler verpflichtet, alle Gebinde mit Einwegpfand zurückzunehmen, wenn das Pfandlogo erkennbar und die Verkaufsfläche größer als 200 Quadratmeter ist“, erklärt Tristan Jorde von der Verbraucherzentrale Hamburg.

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Trotz dieser klaren Regelung gebe es jedoch immer wieder Beschwerden – und zwar über alle Märkte hinweg von Aldi über Edeka, Kaufland, Lidl und Norma bis hin zu Penny und Rewe. Auch Getränkefachmärkte würden sich regelmäßig rechtswidrig verhalten.

Nicht abwimmeln lassen

Jorde rät Kunden, hartnäckig zu bleiben und das Pfandgeld für Einwegprodukte mit Nachdruck einzufordern – immerhin 25 Cent pro Flasche oder Dose. „Ob das Gebinde verschmutzt, zerdrückt oder anderweitig beschädigt ist, ist dabei egal“, sagt der Verbraucherschützer. Einerlei sei ebenfalls, von welchem Anbieter ein Produkt stamme. Allein das Material der Verpackung zähle. Verweigere der Leergutautomat die Annahme, muss das Personal des Geschäfts die Verpackungen entgegennehmen und das Pfandgeld auszahlen.

„Häufig argumentieren die Mitarbeiter auch, dass man eine Marke nicht im Sortiment hat“, sagt Jorde. Dabei seien Händler verpflichtet, alle Verpackungsarten zu sammeln, die auch in ihren Regalen stehen, also zum Beispiel Plastik, Aluminium oder Glas. „Verkauft ein Geschäft Cola-Dosen, aber kein Büchsenbier, muss es trotzdem die Alubier-Dose abnehmen. Nur wenn gar keine Aluminiumdosen erhältlich sind, kann der Händler die Annahme verweigern“, erläutert Jorde.

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat nun ein kostenfreies Kärtchen fürs Portemonnaie herausgegeben, das man sich im Internet herunterladen kann. Darauf sind die gesetzlichen Regelungen zusammengefasst. „Bei Bedarf können Kunden es einfach im Laden vorzeigen“, sagt Jorde.

Hierfür gibt es keinen Pfand

Ausgenommen von der Pfandpflicht sind nach wie vor Weine, Sekte und Spirituosen in Flaschen sowie Milch oder Milchmischgetränke in Kunststoffflaschen. Für Letztere soll ab 1. Januar 2024 ein Pfand eingeführt werden. Das teilt die Deutsche Pfandsystem GmbH mit. Diese wurde 2005 gegründet und soll dafür sorgen, dass die Organisation für Pfandverpackungen und deren Verrechnung in Deutschland funktioniert.

Auch diätetische Getränke, die ausschließlich für die Säuglings- und Kleinkinderernährung in Einwegflaschen angeboten werden, sind pfandfrei. Ebenso Getränkekartons, Schlauchbeutel, Partyfässchen und Folienstandbodenbeuteln (zum Beispiel „Capri-Sun“).

Kunden verlieren Millionenbetrag

Die Regeln des Verpackungsgesetzes sind also eindeutig und die Kunden meist im Recht. Doch die Verbraucherschützer mahnen noch etwas anderes an. „Für jeden Einzelnen geht es beim Pfand oft nur um einige Cent oder wenige Euro, aber in Summe kassieren die Unternehmen auf diese Weise Jahr für Jahr einen hohen Millionenbetrag“, ärgert sich Jorde.

Nach Schätzungen liegen die von den Herstellern eingestrichenen Pfandgelder im dreistelligen Millionenbereich. Sich über Rückgabeprobleme bei den zuständigen Behörden zu beschweren, sei vielerorts ein schwieriges Unterfangen, so Jorde. „Es ist nicht immer klar, an wen man sich wenden soll.

Pfandbon gilt drei Jahre

Übrigens: Jeder Pfandbon ist drei Jahre, nachdem er gedruckt wurde, noch gültig und kann eingelöst werden. Allerdings in der Regel nur dort, wo er ausgestellt wurde. Selbst das Einlösen in einer anderen Filiale derselben Supermarktkette ist grundsätzlich nicht möglich. Pfandautomaten erzeugen einen Datensatz, der mit der Kasse der jeweiligen Filiale abgeglichen wird, wie die Verbraucherzentrale erklärt. Andere Filialen könnten darauf nicht ohne Weiteres zurückgreifen.

Im Sinne des Umweltschutzes raten die Verbraucherschützer allerdings dazu, eher nach Mehrwegverpackungen und -flaschen und am besten zu welchen aus der Region zu greifen.