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Bautzen: So schützen Banken ihre Kunden vor Betrügern

Kriminelle versuchen mit immer neuen Tricks ans Geld ihrer Opfer zu gelangen. Doch aufmerksame Bankangestellte haben schon manchen Schaden verhindert.

Kundenberater Emil Herrmann erläutert in der Volksbank-Filiale an der Bautzener Goschwitzstraße einem Kunden Sicherheitsmaßnahmen für das Ersparte.
Kundenberater Emil Herrmann erläutert in der Volksbank-Filiale an der Bautzener Goschwitzstraße einem Kunden Sicherheitsmaßnahmen für das Ersparte. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Meldungen wie diese stehen fast täglich im Polizeibericht: Einer 76-jährigen Nieskyerin wurde am Telefon ein hoher Geldgewinn versprochen. Sie müsse zuvor nur ein paar Amazon-Geschenkkarten kaufen und am Telefon die Codes durchgeben, eine Transfergebühr überweisen und eine Steuer zahlen.

Mehr als 20.000 Euro investierte die gutgläubige Rentnerin, um endlich den ersehnten Gewinn zu bekommen. Doch statt des Geldes kam eine weitere Aufforderung, einen fünfstelligen Betrag als Bürgschaft an ein Konto in China zu überweisen. Die Nieskyerin wurde immer noch nicht stutzig - aber die Sparkassen-Angestellte, als sie den Überweisungsauftrag sah. Geistesgegenwärtig verständigte sie die Polizei.

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Die Kriminalpolizei nimmt Vorfälle wie diesen zum Anlass, um vor Betrugsversuchen zu warnen. Die Betrüger kennen keine Skrupel und kommen auf immer neue Ideen. Mal geben sie sich als Verwandter in Not aus, mal als Polizist auf Verbrecherjagd, mal als Gewinnspiel-Betreiber, mal als Arzt in lebensrettender Corona-Mission.

"Solche Stichworte sollten sofort die Alarmglocken schrillen lassen", mahnt Kai Siebenäuger von der Polizeidirektion Görlitz. "Gehen Sie niemals auf Geldforderungen am Telefon ein. Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen über solche Vorfälle und informieren Sie die Polizei."

Wenn aber weder Alarmglocken schrillen noch Angehörige oder die Polizei eingeschaltet werden - dann gibt es immer noch aufmerksame Bankangestellte wie in Niesky.

Kreissparkasse Bautzen: Mitarbeiter sind sensibilisiert

Auch bei der Kreissparkasse Bautzen sind "unsere Kolleginnen und Kollegen grundsätzlich sensibilisiert", erklärt Sprecherin Simone Wagner. Viele ältere Kunden kämen regelmäßig in die Filiale und seien dort persönlich bekannt. "Verhalten sich die Kunden anders als sonst oder weicht zum Beispiel das Zahlungsverhalten erheblich vom Gewohnten ab, sind die Kolleginnen und Kollegen besonders wachsam."

Eine Häufung von Enkeltrick-Betrugsversuchen sehe die Kreissparkasse Bautzen im Moment aber nicht, sagt Simone Wagner.

Ostsächsische Sparkasse: Schon viele Fälle verhindert

Anders die Ostsächsische Sparkasse Dresden mit ihrem Kundenstamm im Westen des Landkreises Bautzen, berichtet Sprecher Andreas Rieger: "Allein in den letzten fünf Jahren konnten mit Hilfe des Kreditinstitutes über 100 Fälle vereitelt werden und finanzieller Schaden von unseren Kundinnen und Kunden abgewendet werden." Meist seien die Täter sehr gut geschult und setzten ihre Opfer durch eine psychologisch aggressive Gesprächsführung unter Druck.

"Als Sparkasse stehen wir im regelmäßigen Austausch mit der Polizeibehörde, informieren und warnen uns gegenseitig, wenn es vermehrt zu solchen Vorfällen kommt", sagt Andreas Rieger. "Besonders um Brückentage und an Feiertagen, wenn ältere Menschen längere Zeit alleine sind und mit den ihnen vertrauten Personen nicht reden können, häufen sich diese Vorfälle. Auch die soziale Isolation des Lockdowns nutzen Täter schamlos aus."

Immer wieder kämen ältere Kunden in die Filialen und wollten größere Mengen Bargeld abheben. Oft handele es sich dabei um mehrere Tausend Euro, teils fast alle finanziellen Rücklagen. "In dieser Situation fragen die Mitarbeiter der Sparkasse nach den Beweggründen für solche ungewöhnlichen Bargeld-Abhebungen", erklärt der Sparkassen-Sprecher. "Auch wenn manche Kunden diese Nachfragen als störend empfinden, dienen sie doch nur der Sicherheit und werden in keiner Form erfasst oder gespeichert." Und selbstverständlich könne jeder Kunde frei über sein Geld verfügen.

Volksbank Dresden-Bautzen: Oft hilft das Bauchgefühl

Die Volksbank Dresden-Bautzen bemerkt derzeit nicht nur eine Zunahme beim sogenannten Enkeltrick mit seinen diversen Abwandlungen, sondern auch mehr Phishing-Angriffe. Dahinter verbirgt sich die betrügerische Frage nach Transaktionsnummern, um Online-Überweisungen auszuführen. "Jede derartige Nachfrage erfolgt in betrügerischer Absicht", betont Volksbank-Sprecher Thomas Lohse. "Bankmitarbeiter werden niemals nach einer Transaktionsnummer fragen."

Bei "klassischen" Überweisungen mit Beleg konnte die Volksbank Dresden-Bautzen im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben Betrugsversuche im mittleren zweistelligen Bereich verhindern. "Natürlich sind auch die Bankmitarbeiter - insbesondere bei der Verhinderung des sogenannten Enkeltricks - gefragt", sagt Thomas Lohse. "Ihrer Aufmerksamkeit und Nachfrage beim Kunden ist es zu verdanken, dass einige Fälle glimpflich verliefen oder verhindert wurden. Durch unser Bildungsprogramm werden sie regelmäßig sensibilisiert, auf solche Fälle zu achten."

Oft helfe den Mitarbeitern auch ihr "Bauchgefühl", besonders wenn Kunden ungewohnt hohe Beträge abheben wollen. "Leider erfahren unsere Bankmitarbeiter im Gespräch mit den Kunden und den eventuell später Geschädigten nicht immer den Grund der Abhebung und respektieren das Bankgeheimnis. Jedoch geben wir immer entsprechende Hinweise, vorsichtig zu sein", erklärt der Volksbank-Sprecher.

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