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Sparkasse Dresden führt Negativzins ein

Immer mehr wollen ihr Geld einfach nur parken, was die Regionalbank selbst Geld kostet. Jetzt gibt es ein neues Entgelt - aber nicht für alle.

Bislang lehnte die Ostsächsische Sparkasse Dresden Strafzinsen ab. Nun sind sie da - aber nicht für alle.
Bislang lehnte die Ostsächsische Sparkasse Dresden Strafzinsen ab. Nun sind sie da - aber nicht für alle. © André Schulze

Die Entwicklung zeichnet sich schon jahrelang ab: Bereits seit 2014 müssen Banken einen Negativzins zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank anlegen. Das ist politisch so gewollt. Die EZB verhindert damit, dass Geld aus dem Kreislauf abfließt und hofft damit, die Wirtschaft zu stimulieren. So weit so gut, aber die Folgen für die Sparer sind dramatisch: Auf gewöhnliche Einlagen bei Banken und Sparkassen gibt es keine Zinsen mehr.

Im Gegenteil: Immer mehr Geldinstitute gehen dazu über, von ihren Kunden Strafzinsen zu verlangen. Nach vielen Geschäftsbanken ist seit 1. Februar nun auch die Ostsächsische Sparkasse Dresden dabei. Sparkassensprecher Andreas Rieger bestätigt gegenüber Sächsische.de die Einführung eines Verwahrentgeltes in Höhe von 0,5 Prozent auf Einlagen.

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Allerdings betrifft das die bisherigen Kunden nicht. Nach Angaben der Sparkasse greift das Entgelt lediglich bei neuen Girokonten und Sparbüchern. Aber auch für die Neukunden gibt es Freibeträge, und zwar zweimal 25.000 Euro. Einmal für das Girokonto und einmal für das Sparbuch.

Lange hat die Sparkasse mit ihrer Reaktion gewartet, nun scheint der Druck zu groß geworden zu sein. Sparkassensprecher Rieger: "Allein 2020 waren es mehr als 200 Millionen Euro, die von anderen Banken zu uns flossen." Bereits 2019 wuchs die Bargeldreserve der Sparkasse um 300 Millionen Euro auf 1,3 Milliarden Euro. Einziger Zweck dieser Transfers ist, das eigene Geld vor Strafzinsen zu schützen. Berichtet wird sogar von einer Bank, die ihren Kunden empfahl, Geld bei der Sparkasse zu parken. Dafür übernehme man großzügig das Entgelt für die Kontoführung bei der Sparkasse, damit käme der Kunde noch günstiger.

Die Sparkasse sieht nun mit ihrem Schritt wieder Gerechtigkeit gerade gegenüber den 600.000 treuen langjährigen Kunden hergestellt. Denn letztlich waren sie es, die indirekt für die Kosten aufkommen mussten, die das "vagabundierende Geld" produzierte.

Die globale Entwicklung lässt sich damit jedoch nicht aufhalten. Die Sparkasse geht davon aus, dass sich "die Zinssituation, erst recht nach Corona, nicht so schnell wieder ändern wird." Minuszinsen werden für eine lange Zeit die neue Normalität sein. Trotzdem möchte man die negativen Auswirkungen weiterhin von den langjährigen Kunden fernhalten. Unternehmenssprecher Rieger: "Auch zukünftig werden wir uns intensiv darum bemühen, was zugegeben aber immer schwerer fällt."

Auf lange Sicht werden also wohl selbst sehr stark auf Sicherheit fixierte Kunden umdenken müssen - weg vom Girokonto und Sparbuch hin zu Aktien, Depots, Immobilien und anderen riskanteren Anlageformen.

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