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Aussichten für Aktien bleiben rosig

Wer aus seinem Geld etwas machen will, kommt um die Börse kaum herum, denn Alternativen sind rar.

Experten raten Anlegern, langfristig zu investieren und nur so viel Geld anzulegen, wie sie wirklich entbehren können.
Experten raten Anlegern, langfristig zu investieren und nur so viel Geld anzulegen, wie sie wirklich entbehren können. © New York Stock Exchange/AP

Die Corona-Pandemie ist längst nicht bewältigt, der Lockdown wird verlängert und im ersten Quartal ist eine Rezession unvermeidlich. Was machen derweil die Aktienkurse? Sie steigen. Der Deutsche Aktienindex Dax hat sich über der Marke von 14.000 Punkten festgesetzt und am Montag mit 14.169 Zählern ein Rekordhoch verbucht. Ein Widerspruch?

Wie hat sich der Dax entwickelt?

Im Dax sind die 30 größten deutschen an der Börse gelisteten Unternehmen vertreten. Im vergangenen Jahr hat das wichtigste deutsche Börsenbarometer trotz Corona um 3,5 Prozent auf 13.718 Punkte zugelegt. In diesem Jahr hat es der Dax bis auf das jüngste Rekordhoch von 14.169 Zählern geschafft, ein Plus von fast schon wieder 3,5 Prozent.

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Zeigt der Index nur nach oben?

Nein. Die Börse ist keine Einbahnstraße. Die Kurse können auch auf Talfahrt gehen. Ende Januar stand der Dax zwischenzeitlich bei nur 13.310 Punkten. Corona-Sorgen hatten die Stimmung gedrückt.

Aber Corona ist längst nicht vorbei, und im ersten Quartal droht ein neuerlicher Wirtschaftseinbruch.

Die Börse schaut wenig auf das aktuelle Wirtschaftsgeschehen. Und auch nicht auf die nächsten Wochen, sondern weiter in die Zukunft. Händler und Anleger setzen auf das zweite Quartal, darauf, dass das Virus auch dank vermehrter Impfungen beherrschbar wird, der Lockdown ein Ende hat und die Wirtschaft wieder deutlich Fahrt aufnimmt.

Aber begründet allein der Optimismus die gute Entwicklung der Kurse?

Wichtig ist auch, dass zwei Belastungs- und Unsicherheitsfaktoren für die Börse vom Tisch sind. Donald Trump ist nicht mehr Präsident der USA. Mit Joe Biden sitzt ein Mann im Weißen Haus, der verlässlich agiert, die Pandemie bekämpft, wirtschaftlich klare Signale gibt und die USA zurück in die Weltgemeinschaft bringt. Zum anderen ist das Thema Brexit für den Aktienmarkt abgehakt.

Welche Rolle spielt die Europäische Zentralbank (EZB)?

Eine sehr wichtige. Die EZB stemmt sich gegen die Krise und die Pandemie – zu einen mit dem Leitzins von null Prozent. Zu diesem Satz können sich Banken bei ihr Geld leihen, das sie als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterreichen. Zum anderen baut die EZB auf ihr Corona-Krisen-Programm PEPP. Für Käufe von Staatsanleihen und anderen öffentlichen Papieren der Euroländer hält sie 1,8 Billionen Euro bereit. Dafür kauft sie Monat für Monat, allein im Januar für 70 Milliarden Euro. Das Geld erleichtert Banken die Kreditvergabe, stützt so Wirtschaft und Unternehmen. Ähnlich agiert die US-Notenbank Fed. Außerdem baut die Börse auf das 1,9 Billionen Dollar schwere Konjunkturprogramm von US-Präsident Biden.

Aber Geld kann auch anders angelegt werden als in Aktien.

Die Alternativen sind wenig attraktiv. Die Zinsen für Sparanlagen liegen bei null und werden dort noch lange verharren. Selbst Tagesgeld-Konten werfen nichts mehr ab. Das Verbraucherportal Verivox hat ermittelt, dass 573 Banken und Sparkassen und damit 80 Prozent aller Institute für Tagesgeld keine Zinsen mehr zahlen. Angesichts einer 2021 wohl wieder auf deutlich über ein Prozent steigenden Inflation verlieren Sparer unter dem Strich Geld.

Aber es gibt noch Immobilien.

Hier ist das Preisniveau mittlerweile sehr hoch. Insofern ist fraglich, ob sich ein Investment als Kapitalanlage noch lohnt. Zumal auch nicht klar ist, wie sich die Mieten entwickeln.

Was ist mit Gold und anderen Edelmetallen?

Experten betrachten Goldmünzen, Goldbarren oder börsengehandelte Goldfonds als Beimischung zu einem Aktien-Depot als durchaus interessant. Die Prognosen für den Goldpreis sind positiv. Das gilt auch für Silber. Tesla-Chef Elon Musk hat gerade 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoin investiert. Das hat die Kryptowährung auf ein neues Rekordhoch von fast 45.000 Dollar getrieben. Der Bitcoin bleibt etwas für Spekulanten. Experten warnen vor enormen Schwankungen beim Preis der Kryptowährung. Ein Investment in Bitcoin sei nur erwägenswert, wenn auch ein möglicher Totalverlust in Kauf genommen werden könne. Das Risiko bleibt beträchtlich.

Also spricht vieles für Aktien?

Ja. Die Strategen der DZ Bank haben ihre Dax-Prognose für Ende 2021 von 14.000 auf 15.000 Punkte angehoben. Sie erwarten steigende Unternehmensgewinne. Auch mit Blick auf Dividenden gelten die 30 Dax-Werte als interessant. Zwar werden sie laut DekaBank 2021 zwei Milliarden weniger ausschütten. Aber es bleibt die stolze Summe von 32 Milliarden Euro.

Steigende Kurse deuten auf eine steigende Nachfrage.

Richtig. Die rührt auch daher, dass Großanleger wie Fonds, Pensionskassen und Versicherungen immer stärker auch Aktien kaufen müssen. Ihre Renditeversprechen lassen sich mit soliden Anleihen nicht erfüllen. Zehnjährige Bundesanleihen bringen schon seit einiger Zeit nur Verluste, die Rendite ist negativ. Aktuell sind es fast minus 0,6 Prozent.

Außerdem verfügen die Bundesbürger über ein beträchtliches unverzinstes Bar- und Spar-Vermögen. Ende Oktober waren es laut Bundesbank 2,7 Billionen Euro. Bis Ende 2020 dürfte es noch mehr geworden sein.

Wie sollte man in Aktien investieren?

Experten raten zu mehreren Regeln. Nur Geld investieren, das entbehrlich und nicht kurzfristig gebraucht wird. Nicht auf Kredit kaufen. Mit langfristiger Perspektive investieren, mindestens fünf Jahre, eher länger. Auf Aktien von Unternehmen bauen, dessen Geschäft man versteht und die solide Bilanzen vorlegen. Schließlich wird man Miteigentümer des Unternehmens.

Streuen ist ein weiteres Gebot: Nicht alles auf eine oder nur wenige Aktien setzen. Das lässt sich über klassische Fonds realisieren, bei denen ein Fondsmanager die Auswahl trifft. Alternativ bieten sich kostengünstigere, börsengehandelte Fonds an, sogenannte ETFs. Sie bilden Indizes nach, also etwa den Dax. Damit kauft der Anleger automatisch alle 30 Dax-Firmen. Ein Dax-ETF macht die Entwicklung des Dax synchron mit, der Wert steigt, wenn der Dax klettert und sinkt, wenn der Index auf Talfahrt geht.

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