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Bike24 aus Dresden startet an der Börse

Der Dresdner Fahrradspezialist Bike24 ist seit Freitag an der Börse. Zum Start auf dem Parkett gibt es leichte Kursgewinne.

Der Gründer und CEO des Online-Fahrradspezialisten Bike24, Andres Martin-Birner (l), und CFO Timm Armbrust stehen mit Fahrrädern vor dem Börsensaal der Deutschen Börse AG.
Der Gründer und CEO des Online-Fahrradspezialisten Bike24, Andres Martin-Birner (l), und CFO Timm Armbrust stehen mit Fahrrädern vor dem Börsensaal der Deutschen Börse AG. © Deutsche Börse AG

Dresden. Andrés Martin-Birner muss zwei Mal ran. Bei ersten Mal ist er zu zaghaft. Also muss der Chef und Mitgründer von Bike24 die schwere Glocke im Frankfurter Börsensaal am Freitagmorgen noch einmal kräftig und laut schütteln. Das ist Tradition, wenn ein neues Unternehmen den Schritt auf das glatte Börsenparkett wagt. Mit einem Lachen im Gesicht schafft es der grauhaarige 46jährige Manager aus Dresden - leger im blauen Polohemd, grauen Jeans und weißen Sneakern - und schaut auf die blaue Tafel hinter sich: 15,30 Euro steht dort in großen Ziffern.

Es ist der erste Kurs, zu dem die Aktie des Fahrrad-Händlers aus Sachsen an der Frankfurter Börse gehandelt wird. Serhad Gündogan, Handelsspezialist der Baader Bank, verkündet ihn am Freitagmorgen um 9.15 Uhr. Der Börsengang ist geschafft. „Eigentlich hätten alle unsere 400 Beschäftigten die Börsenglocke läuten müssen, aber das geht halt nicht“, sagt Martin-Birner. „Sie haben die Bergetappe gemeistert“, lobt Cord Gebhardt, Geschäftsführer der Frankfurter Börse die Sachsen und freut sich mit.

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Wenige Minuten zuvor hat sich Martin-Birner draußen vor der Börse vor Bulle und Bär, den Symbolen für steigende und fallende Aktienkurse, zusammen mit Vorstandskollege Timm Armbrust ablichten lassen - natürlich mit einem hochwertigen E-Mountain-Bike. Rund 30 Top-Räder im Wert von etlichen zehntausend Euro haben die Dresdner mit nach Frankfurt auf den Börsenplatz gebracht. Sie stehen allerdings etwas lieblos in eine Ecke am mit blauen Fahnen „Bike24 Holding“ drapierten Börsengebäude. Drinnen auf dem Parkett sieht es hübscher aus: Ein E-Lastenrad gefüllt mit unzähligen Bike24-Trinkflaschen haben Mitarbeiter zwischen die Schranken der Händler geschoben - eine ideale Kulisse für Interviews mit diversen Fernsehsender. Martin-Birner ist an diesem Morgen ein gefragter Mann.

77.000 Artikel von 800 Herstellern

In einer kurzen Rede bedankt sich der Manager, der seine Berufslaufbahn 1994 mit einer Banklehre bei der Deutschen Bank begonnen hat, bei allen Beteiligten für die intensive Arbeit seit Februar, als der Börsengang beschlossen wurde. Er erinnert an die Anfänge des Unternehmens vor 19 Jahren in einem 15 Quadratmeter großen Arbeitszimmer in Dresden. Heute bietet das Unternehmen 77.000 Artikel von 800 Herstellern, 5.000 Räder vom Top-Rennrad bis zum E-Stadtrad stehen im Lager. „Es gab viele Etappen, auch mal Rückschläge. Das ist bei einer großen Rundfahrt nicht anders. Aber wir waren immer profitabel“, sagt Martin-Birner. Seit 16 Monaten erlebe das Fahrrad wegen Corona einen unglaublichen Aufschwung. Das werde weiter gehen, ist er sich sicher. „Der Börsengang zeigt auch, was mit unternehmerischer Freiheit möglich ist.“ Am Samstag beginne die Tour de France. „Auch wir schielen auf das gelbe Trikot“. Der sichtbar glückliche Bike24-Chef erinnert auch an das Lied der Band „Wir sind Helden“ aus dem Gründungsjahr des Unternehmens. „Gekommen um zu bleiben“. Das gelte auch für Bike24 und die Börse.

21,5 Millionen Aktien hat das Unternehmen im Rahmen einer Privatplatzierung abgegeben, wenn auch nur am unteren Ende der Spanne von 15 bis 19 Euro. 222 Millionen Euro fließen an den Mehrheitseigentümer, die Private Equity-Firma Riverside, 100 Millionen Euro an Bike24. Damit will das Unternehmen die Expansion in Europa vorantreiben, in Spanien, wo bei Barcelona, so Martin-Birner, ein neues Lager gebaut wird, und nach Italien und Frankreich. Der Internet-Auftritt in italienisch und französisch ist in Arbeit. Damit soll die Zahl derzeit 700.000 Kundinnen und Kunden weiter wachsen. Und dem Rekordjahr 2020 mit einem Umsatz von knapp 200 Millionen Euro einem Betriebsgewinn von knapp 27 Millionen Euro soll ein weiteres Spitzenjahr folgen. Die jüngste Entwicklung spricht dafür: Im ersten Quartal kletterte der Umsatz um 75 Prozent.

Die einzige deutsche Fahrrad-Aktie

Mit Bike24 kommt endlich auch mal wieder ein ostdeutsches Unternehmen an die Börse. Aktuell sind es gerade mal rund ein halbes Dutzend mit Jenoptik sowie aus Leipzig Travel24, Vita34 und SBF, Aifinyo AG aus Dresden, GK Software (Schöneck) und niiio finance aus Görlitz. Bike24 aber ist jetzt auch die einzige deutsche Fahrrad-Aktie. Derby Cycle gab vor zehn Jahren nur ein kurzes Gastspiel, die ostdeutsche Mifa rutschte in die Pleite. Privatanlegern blieben bisher nur die Papiere des niederländischen Anbieters Accell, des taiwanesischen Herstellers Giant und der japanischen Shimano. Das soll sich jetzt ändern Klar hoffe er, dass nicht nur viele der 700.000 Kundinnen und Kunden auch die Aktie kaufen, sagt der Bike24-Chef. Vermutlich haben am ersten Tag gleich viele zugegriffen. Schon gegen 10 Uhr waren 460.000 Papiere umgesetzt, der Und dies an einem Tag, an dem sich sonst an der Börse nicht viel tut.

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Auch Serhad Gündogan freut sich. „Es läuft doch super“, sagt der Händler der Baader Bank beim Blick auf die große Tafel im Börsensaal. Gegen Mittag steht die Bike24-Aktie bei fast 16 Euro. Mit Gündogan hat Martin-Birner auf dem Parkett den besten Promoter seines Unternehmens gefunden. Bei Gündogan stehen gleich mehrere teure Rennräder in der Garage. Er ist Triathlet, hat schon mehrere Iron-Man (3,8 Km Schwimmen, 180 Kilometer auf dem Rad und ein Marathon-Lauf) mit einer Top-Zeit von rund neun Stunden bestritten und spult jedes Jahr 15.000 Trainingskilometer auf dem Rad ab. Und er ist Kunde von Bike24, wie er verrät. „Das“, sagt Martin-Birner, „habe ich nicht gewusst.“

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