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Wirtschaft

Gamestop-Börsenkrimi: "Es stinkt nach Korruption"

Mehr als 20.000 Anleger haben sich bereits einer Sammelklage anschlossen. Sie vermuten Absprachen zwischen Brokern und Hedgefond-Managern.

USA, St. Louis: Der Schriftzug einer GameStop-Filiale ist an einem Gebäude angebracht.
USA, St. Louis: Der Schriftzug einer GameStop-Filiale ist an einem Gebäude angebracht. © Jeff Roberson/AP/dpa

Austin/New York/Washington. In die Auseinandersetzung um die Spekulationen mit Aktien des Videospielhändlers Gamestop und anderer Unternehmen an der US-Börse haben sich die ersten Justizbehörden eingeschaltet.

Der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton teilte am Freitag (Ortszeit) mit, Informationen von Robinhood und einer Reihe weiterer Online-Broker angefordert zu haben, um herauszufinden, ob bei den Beschränkungen des Handels mit Aktien von Gamestop und einigen anderen Firmen alles mit rechten Dingen zugegangen sei.

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Es gebe anscheinend Absprachen von Hedgefonds mit Handelsplattformen und Web-Servern zur Abwehr von Bedrohungen ihrer Marktdominanz. Die Unternehmen der Wall Street dürften nicht zu ihrem eigenen Vorteil den öffentlichen Zugang zum freien Markt beschränken, teilte der Staatsanwalt mit.

"Es stinkt nach Korruption." Bei dem Konflikt stehen sich Hedgefonds, die auf den Verfall von Aktien angeschlagener Firmen wetten, und teils in Online-Foren organisierte Hobby-Anleger gegenüber, die die Kurse mit konzertierten Käufen nach oben treiben.

Hedgefonds erleiden extrem hohe Verluste

Durch die Handelsrestriktionen von Brokern wie Robinhood sehen sich die Kleinanleger, die in dem Kräftemessen zuletzt die Oberhand hatten, auf ihrer Gewinnstrecke ausgebremst.

Einige Hedgefonds erlitten bei ihren Wetten extrem hohe Verluste, deshalb gibt es den Verdacht, dass die Handelsplattformen ihnen den Rücken freihalten. Robinhood und Co. streiten dies ab, doch die Empörung ist nicht nur bei der Anleger-Community groß, sondern auch in der Politik. New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James will ebenfalls ermitteln.

Auch in Deutschland regt sich schwere Kritik an den Brokern. Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: "Dass Neobroker nun den Handel mit der Aktie aussetzen, ist der Super-Gau. In einer solch intensiven Situation entziehen sie den Anlegern die Grundlage, frei agieren zu können."

Es stelle sich die Frage nach der Grundlage, sagte Tüngler. Sei die Möglichkeit für Robinhoods Schritt in den AGB festgehalten, entstehe für den Broker ein Reputationsschaden. "Ist es nicht festgehalten, haben wir ein ernstes rechtliches Problem."

EU-Politiker warnt: "Ähnliche Probleme in EU nicht abwarten"

Ein Risiko auch für die Börsen in der EU sieht der Grünen-EU-Politiker Sven Giegold. "Wir sollten nicht abwarten, bis es ähnliche Probleme auch in der EU gibt", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag). Große Leerverkaufspositionen gebe es derzeit auch auf europäische Unternehmen wie Varta oder Evotec.

"Für mich deutet dies darauf hin, dass die Regeln für Leerverkäufe, die nach der großen Finanzkrise eingeführt wurden, die Marktintegrität nicht wirksam gewährleisten."

Am Freitag hatten die Papiere von Gamestop mit 68 Prozent im Plus geschlossen, die der ebenfalls stark im Fokus der Spekulationen stehenden Kinokette AMC legten um 54 Prozent zu. Am Donnerstag waren die Handelsbeschränkungen zumindest etwas gelockert worden.

Doch der Frust der Anleger über Robinhood ist inzwischen so groß, dass sich weit mehr als 20.000 von ihnen über eine spezielle App bereits einer Sammelklage anschlossen.

Die US-Börsenaufsicht SEC hatte vor Handelsstart erneut bekräftigt, die Vorgänge rund um den Gamestop-Hype zu untersuchen. Die SEC versprach, Kleinanleger zu schützen, wenn die Faktenlage auf manipulative Handelsaktivitäten hinweise.

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Die Aufsicht werde für "faire, ordentliche und effiziente Märkte" sorgen. Angesichts der großen Aufregung richtete die Behörde extra ein Online-Formular ein und forderte betroffene Anleger zudem auf, sich per E-Mail oder Telefon-Hotline an die SEC zu wenden. Dem Finanzsender CNBC zufolge waren am Freitagnachmittag bereits 4.000 Beschwerden eingegangen. (dpa)

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