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Manche Rentner zahlen zu viel Krankenversicherung

Wer freiwillig und damit teurer versichert ist, sollte seinen Status prüfen lassen – vor allem, wenn Kinder da sind.

Auch im Ruhestand werden Krankenkassenbeiträge fällig.
Auch im Ruhestand werden Krankenkassenbeiträge fällig. © Stephan Scheuer/dpa

Auch im Ruhestand werden Krankenkassenbeiträge fällig. Einige Senioren, die eine gesetzliche Rente beziehen, sind allerdings freiwillig gesetzlich krankenversichert. Wenn sie in die gesetzliche Krankenversicherung der Rentner (KVdR) wechseln würden, könnten sie Geld sparen, sagt Jochen Sunken von der Verbraucherzentrale Hamburg. Das ist aber nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

Was genau ist die Krankenversicherung der Rentner?

Anders, als der Name vermuten lässt, ist sie keine eigene Kasse. Sie wird von den gesetzlichen Krankenkassen wie AOK, DAK oder Ersatzkassen betrieben. Die Mitglieder bleiben also bei ihrer Versicherung.

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Wer ist Mitglied in der KVdR?

Rentner, die während der zweiten Hälfte ihres Berufslebens mindestens 90 Prozent der Zeit in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert waren. Egal, ob als Pflichtmitglied oder freiwilliges Mitglied. Auch Zeiten der Familienversicherung werden angerechnet. Wer beispielsweise 50 Jahre gearbeitet hat, muss von den letzten 25 Jahren insgesamt 22,5 Jahre gesetzlich versichert gewesen sein. Bei jedem Rentenantrag wird dies geprüft. In Sachsen sind mehr als 95 Prozent der rund 1,24 Millionen Rentner in der KVdR.

Für Freiberufler oder Selbstständige gilt: Haben sie Anspruch auf eine gesetzliche Rente, weil sie mindestens fünf Jahre lang Rentenbeiträge gezahlt haben, können auch sie Mitglied in der KVdR werden.

Warum sind einige Rentner freiwillig gesetzlich versichert?

Weil sie nicht mindestens 90 Prozent der zweiten Hälfte ihres Erwerbslebens gesetzlich krankenversichert waren. Das betrifft vor allem Senioren, die als Berufstätige teilweise privat versichert waren. Der Status „freiwillig“ hängt nicht von der Höhe der Rente oder des bisherigen Einkommens ab. In Sachsen sind nur rund zwei Prozent der Rentner freiwillig versichert.

Warum ist es günstiger, Mitglied in der KVdR zu sein?

Die Höhe der zu zahlenden Krankenversicherungsbeiträge unterscheidet sich deutlich. KVdR-Versicherte zahlen nur Beiträge auf ihre gesetzliche Bruttorente, eine Betriebsrente und auf Einkommen, falls sie nebenbei noch tätig sind. Die Rentenkasse übernimmt, ähnlich wie bei Arbeitnehmern, automatisch die Hälfte des Beitragssatzes. Sonstige Einkünfte wie Mieten oder Zinsen sind beitragsfrei.

Freiwillig versicherte Rentner dagegen müssen volle Beiträge auf ihre Rente sowie den Zusatzbeitrag zahlen. Nur auf Antrag gibt der Rentenversicherungsträger einen Zuschuss dazu. Auf Betriebs- und Witwenrenten sowie auf Einnahmen etwa aus Vermögen und Vermietung werden noch einmal Beiträge fällig. Das ist deutlich teurer.

Wie viel kann das pro Monat ausmachen?

Angenommen, ein Senior erhält eine Rente von 1.000 Euro, eine Betriebsrente von 170 Euro und Mieteinnahmen. Der Zusatzbeitrag seiner Kasse beträgt ein Prozent.

Ist er freiwillig versichert, zahlt er den allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent (146 Euro), den vollen Zusatzbeitrag (10 Euro) und 24,82 Euro für die Betriebsrente. Für die Mieteinnahmen werden 102,20 Euro fällig. Die Krankenversicherung kostet insgesamt also 283,02 Euro. Ist er jedoch pflichtversichert in der KVdR, zahlt er den Grundbeitrag von 7,7 Prozent (73 Euro), den hälftigen Zusatzbeitrag (5 Euro) und Beiträge für die Betriebsrente (24,82 Euro). Das heißt, seine monatliche Krankenversicherung beträgt 102,82 Euro. Das sind 180 Euro pro Monat weniger.

Wann kann ein Rentner nun in die KVdR wechseln?

Nur, wenn er die 9/10-Klausel erfüllt. Sollte die Versicherungszeit in der gesetzlichen Krankenkasse während des Erwerbslebens dafür nicht ausreichen, können Kinder-Zeiten angerechnet werden. Das ist seit der Reform des Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetzes 2017 möglich, erklärt Hannelore Strobel von der AOK Plus. Pro Kind können drei Jahre geltend gemacht werden. Diese werden automatisch der zweiten Hälfte des Erwerbslebens zugerechnet. Egal, wer den Nachwuchs betreut hat. „Dasselbe gilt für Adoptivkinder, Pflegekinder und Stiefkinder“, sagt Verbraucherschützer Sunken.

Was bedeutet das genau?

Gerade bei mehreren Kindern können sich die Jahre schnell summieren, sodass freiwillig versicherte Rentner doch noch die 90 Prozent Mindestversicherungszeit erreichen. Beispiel: Herr Neumann ist mit 17 Jahren ins Erwerbsleben eingestiegen und hat 50 Jahre gearbeitet. In der zweiten Hälfte, zwischen dem 42. und 67. Lebensjahr, war er 14 Jahre gesetzlich krankenversichert. Damit bleibt er unter den notwendigen 90 Prozent. Neumann hat aber drei Kinder, also werden ihm drei mal drei Jahre angerechnet. Er kommt auf 14 plus 9, sprich 23 Jahre Versicherungszeit und somit über die Schwelle.

Frau Lehmann war ebenfalls 50 Jahre erwerbstätig. In der zweiten Hälfte war sie 20 Jahre gesetzlich krankenversichert, die restlichen fünf privat. Damit liegt sie unter 22,5 Jahren. Da sie keine Kinder hat, werden ihr keine weiteren Jahre angerechnet. Sie erhält keinen KVdR-Status.

Sind die Kinder nicht längst bei allen Rentnern berücksichtigt worden?

In der Regel haben die Krankenkassen ihre versicherten Rentner damals über die Gesetzesänderung informiert – und zugleich aufgefordert, die Angaben zu ihren Kindern einzureichen. Allein in der AOK Plus konnten so rund 2.000 freiwillige Mitglieder im Rentenalter in die KVdR überführt werden, sagt Sprecherin Strobel. Bei der Gesundheitskasse sind etwa 6.200 Rentner in Sachsen freiwillig versichert, dagegen 612.000 pflichtversichert. „Es kommt bei Rentnern allerdings immer wieder vor, dass Angaben verspätet oder gar nicht eingereicht werden“, sagt Strobel.

Was können betroffene Rentner nun tun?

Die Verbraucherschützer empfehlen insbesondere ehemaligen Beamten, Angestellten mit hohen Jahreseinkommen und Selbstständigen, einen Antrag auf Überprüfung ihres Versicherungsstatus zu stellen. „Sollten Unterlagen fehlen, die für eine Einschätzung wichtig sind, bitten wir die Versicherten, die einzureichen. Dann wird der Status erneut geprüft“, sagt auch Claudia Szymula von der Barmer. Bei der Kasse sind sachsenweit 2.595 Rentner freiwillig versichert. „Bei einem nicht geringen Anteil von ihnen handelt es sich um Senioren, die in ihrem Erwerbsleben hauptberuflich selbstständig tätig und nicht durchgängig gesetzlich versichert waren“, sagt Szymula.

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Hatten freiwillig versicherte Rentner bis jetzt noch nicht die Gelegenheit, die geforderten Kinder-Zeiten nachzumelden, sollten sie dies also umgehend tun. Denn ein Wechsel in die KVdR werde laut Strobel in der Regel auch rückwirkend überprüft und korrigiert.

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