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Wie lege ich mein Geld gewinnbringend an?

Barvermögen, Aktienfonds, ETFs: Unabhängige Banker haben Fragen unserer Leser rund um das Thema Geldanlage beantwortet.

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Meine fondsgebundene Rentenversicherung wird bald auszahlungsfähig, etwa 50.000 Euro. Ich will einen Hauskredit tilgen. Lohnt sich ein ETF?

Für ETFs, also börsennotierte Indexfonds, benötigt man einen Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren, um Kursschwankungen aussitzen zu können. Da Sie den Kredit innerhalb von drei Jahren zurückzahlen möchten, sollte die Sicherheit und Verfügbarkeit im Vordergrund stehen. Da kommt eher Tages- oder Festgeld infrage. Die Auszahlungsmodalitäten hängen im Übrigen vom Vertrag ab. Kunden können sich aber meist entscheiden, ob sie sich die Summe komplett auszahlen lassen oder die Fondsanteile auf ein Depot übertragen möchten. Die Auszahlung von Versicherungen, die vor 2005 abgeschlossen wurden, sind in der Regel steuerfrei.

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Ich bin 61 Jahre alt, musste wegen Corona mein Geschäft aufgeben und habe nun etwa 350.000 Euro Barvermögen. Was halten sie davon, einen Teil in Gold anzulegen? Ich bin sonst eher risikoscheu.

Gold kann man zu einem kleinen Teil von etwa fünf bis zehn Prozent durchaus beimischen. Bedenken Sie aber, dass Gold keine Zinsen oder Ausschüttungen abwirft. Für einen Gewinn müssten Sie es zu einem höheren Preis verkaufen, als Sie es gekauft haben. Der Goldpreis schwankt stark. Auf unverzinsten Konten verliert Ihr recht hohes Bargeldvermögen nach und nach an Kaufkraft. Auch um eventuelle Verwahrentgelte zu vermeiden, sollten Sie überlegen, einen Teil des Geldes langfristig anzulegen. Es gibt auch Wertpapiere mit geringerem Risiko. Eventuell wären Mischfonds und offene Immobilienfonds für Sie interessant.

Welche Möglichkeiten habe ich, um in Gold zu investieren?

Sie können in physisches Gold investieren, in Form von Goldbarren oder -münzen. Je größer die Einheit, umso günstiger wird das Gold. Allerdings sind größere Einheiten auch schlechter zu teilen. Mehrere kleinere Stückelungen ermöglichen es, auch mal Teile des Bestandes zu verkaufen. Gold sollte sicher verwahrt werden, am besten in einem Schließfach. Außerdem gibt es Wertpapiere, mit denen Sie an der Entwicklung des Goldpreises teilhaben können.

Ich höre immer wieder von Mischfonds. Was genau verbirgt sich dahinter?

Mischfonds legen breit gestreut in Aktien und andere Wertpapiere an. Je nach Lage an den Kapitalmärkten kann der Fondsmanager flexibel umschichten. Mischfonds gibt es in verschiedenen Risikoausprägungen. Abhängig vom Aktienanteil unterscheidet man dynamisch, ausgewogen oder defensiv. Je höher der Aktienanteil ist, desto höher sind die Wertschwankungen, aber auch die Renditechancen.

Ich überlege, meinem Depot Rohstoffe beizumischen. Ist das sinnvoll?

Prinzipiell ist eine kleine Beimischung von fünf bis acht Prozent in Ordnung. Momentan sprechen ein eher knappes Angebot und eine hohe Nachfrage für eine Rohstoffanlage. Die Wertschwankungen können aber stark sein. Das muss man aushalten können. Über Fonds oder Zertifikate kann man einen Rohstoffkorb erwerben. Der Vorteil ist die Streuung, Sie setzen nicht alles auf einen einzelnen Rohstoff.

Sind Fremdwährungsfestgelder eine Alternative zum Negativzins?

Ein Termingeld kann als Beimischung eine Option sein. Die Zinsen sind aber überschaubar, meist im „Null-Komma-Bereich“. Ein wesentlicher Bestandteil ist die Währungskomponente. Steigt die Fremdwährung im Vergleich zum Euro, machen Sie einen Gewinn. Sinkt die Währung, drohen Verluste. Besprechen Sie mit Ihrem Berater, ob Fremdwährungen zu Ihrer Vermögensstruktur passen.

Ich habe ein Angebot für eine Geldanlage mit neun Prozent jährlicher Rendite: irgendwas mit Immobilien. Ich habe ein komisches Gefühl. Was meinen Sie?

Der Leitzins liegt bei null Prozent. Mit der Höhe der Rendite steigt das Risiko. Bei neun Prozent kann es daher keine risikoarme Anlage sein. Beschaffen Sie sich ausreichend Informationen, wie das Anlagekonstrukt funktioniert. Befassen Sie sich mit den Risiken und lassen Sie lieber die Finger weg von Anlagen, die Sie nicht verstehen.

Meine Tochter ist 27 Jahre alt, in ihrer Firma werden keine vermögenswirksamen Leistungen angeboten. Welche Sparformen fürs Alter empfehlen Sie?

Langfristig haben Sparpläne mit Aktienfonds oder ETFs die besten Renditechancen. Fondssparpläne sind äußerst flexibel. Man muss sich auf keine Laufzeit festlegen, das Kapital bleibt verfügbar, und die Sparrate kann jederzeit verändert werden. Sinnvoll könnte ein global anlegender Aktienfonds sein. Die Rendite betrug im Schnitt knapp sieben Prozent jährlich bei einer Anspardauer von 20 Jahren. Infrage kommen zudem eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder Bausteine zur staatlich geförderten Altersvorsorge.

Meine Pensionskasse wird frei. Nun stellt sich die Frage, ob Rente oder Einmalzahlung. Was raten Sie mir?

Benötigen Sie die zusätzliche Rente monatlich, können Sie diese ruhig wählen. Sie erhalten diese dann lebenslang. Sind Ihre aktuellen Einnahmen hingegen ausreichend, könnten Sie sich bei einer Einmalzahlung möglicherweise Wünsche erfüllen oder ein Darlehen zurückzahlen. Den Restbetrag könnten Sie dann langfristig anlegen.

Ich bin 52 Jahre und möchte in den nächsten zehn Jahren monatlich 50 Euro sparen. Ich denke an internationale Aktienfonds, doch ich bin verunsichert.

Aufgrund des langen Anlagehorizontes wäre ein Fondsparplan mit globalen Aktienfonds – ETFs oder aktiv gemanagte Fonds – gut geeignet. Mit Aktienfonds investieren Sie in viele Aktien. Das ist gut, denn je breiter Sie streuen, umso besser sind Sie vor großen Verlusten geschützt. Auf lange Sicht gleichen Kursgewinne zwischenzeitliche Verluste aus. Bei niedrigen Kursen nicht verunsichern lassen, denn dann kaufen Sie für Ihre 50 Euro ja mehr Fondsanteile ein. Daher besser durchhalten und an das langfristige Ziel denken.

Ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um Aktien zu kaufen? Ich bin 91 Jahre und möchte das Erbe langfristig anlegen.

Wenn Sie selbst ausreichend Reserven haben, sind Aktien gut geeignet, um Renditechancen zu nutzen. Den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg zu finden, ist sehr schwierig. Hohe Beträge sollten Sie besser aufteilen und schrittweise über beispielsweise zwölf Monate investieren: Anstatt einmalig 60.000 Euro also besser zwölfmal 5.000 Euro anlegen. So erzielen Sie bei Kursschwankungen einen guten Durchschnittspreis. Achten Sie auf eine Streuung, beispielsweise mit global ausgerichteten Mischfonds, Aktienfonds oder ETFs.

Ich habe verschiedene Anlagen im Wert von 100.000 Euro, aber keinen Überblick, was das alles ist. Mit meinem Berater werde ich nicht warm. Was soll ich tun?

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Geldanlagen sind Vertrauenssache und nur gut, wenn der Berater Ihre Lebenssituation kennt, er die Empfehlungen darauf abstimmen kann und Sie sich wohl damit fühlen. Sich nicht mehr um Ihre Investments zu kümmern, ist keine gute Lösung. Schließlich haben Sie viel Zeit investiert, um sich ein solches Vermögen aufzubauen, und das sollte doch in Ihrem Sinne weiter für Sie „arbeiten“. Sprechen Sie das Thema offen an, möglicherweise gibt es in der Bank einen anderen Ansprechpartner, mit dem Sie besser klarkommen.

Notiert von Kornelia Noack.

  • Es antworteten: Johannes Neubert, Marco Dorn und Dirk Gründer vom Bundesverband deutscher Banken.

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