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Firmen in Sachsen steigern Exporte um gut 17 Prozent

Sachsens Unternehmen haben einen Export-Rekord aufgestellt - nicht nur dank gestiegener Preise. Die Wirtschaftsförderung legt ihren Fokus auf die Logistik.

Von Michael Rothe
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Der Erweiterungsbau von Cyberport in Siebenlehn nimmt Gestalt an. Die Eröffnung ist für den 1. Juli geplant.
Der Erweiterungsbau von Cyberport in Siebenlehn nimmt Gestalt an. Die Eröffnung ist für den 1. Juli geplant. © kairospress

Dresden. Langsam nimmt das neue Hochregallager von Cyberport an der Autobahn 4 bei Siebenlehn Gestalt an. Nach Fertigstellung der äußeren Hülle werden derzeit die rund zwölf Meter hohen Regale montiert. Im Wald aus silbrigen Alustangen, Gittern und Verstrebungen verlieren sich auf einer Hebebühne zwei Bauleute, die den Erweiterungsbau peu a peu vollenden. Am 1. Juli soll das Verteilzentrum eröffnet werden.

Der Elektronik-Händler hatte den Komplex mit 7.000 Quadratmetern Lager- und 700 Quadratmetern Bürofläche 2010 eröffnet, platzt jedoch aus allen Nähten. Das hat mit dem rasanten Wachstum des Unternehmens zu tun, das – 1998 in Dresden mit zwei Mitarbeitern gegründet – nunmehr 160 Beschäftigte hat und zu Europas erfolgreichsten Händlern von IT und Hardware zählt. Mit der Erweiterung um 8.200 Quadratmetern wird die Lagerfläche mehr als verdoppelt.

Der Freistaat fördert die Investition mit 1,7 Millionen Euro. Beim 1. Spatenstich vor einem Jahr war Martin Weiss, Vorstandschef von Cyberport-Eigner Hubert Burda Media, sicher, „dass dieses Geld sehr gut angelegt ist“ und die Bedeutung von Cyberport weiter wachsen werde. Die Basis wird derzeit gelegt. Zur Zahl der neuen Jobs will sich das Unternehmen noch nicht äußern.

16 neue Ansiedlungen und Erweiterungen

Das Projekt gehört zu 16 Erweiterungen und Ansiedlungen, welche die Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS) im vergangenen Jahr im Freistaat realisiert hat. Wie es bei der Bilanzvorlage am Donnerstag hieß, wurden für insgesamt 689,3 Millionen Euro 1.265 Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten. Demnach haben sich die Investoren aus Deutschland, Großbritannien, Finnland, Australien und Japan vor allem in Dresden, Leipzig, den Landkreisen Mittelsachsen und Meißen sowie in den Strukturwandelregionen Lausitz und dem Mitteldeutschen Revier engagiert.

Erweiterungen wie von Cyberport, Ansiedlungen und Gründungen gehören zu den Aufgaben der WFS. Das 100-prozentige Landesunternehmen sieht sich seit 32 Jahren als Brückenbauer: für hiesige Unternehmen in die Welt und für Investoren auf ihrem Weg nach Sachsen. Schwerpunkte sind Autoindustrie, Mikroelektronik, Maschinen- und Anlagenbau, Energie- und Umwelttechnik, Life Sciences wie Biotechnologie, Medizintechnik und Pharma. Der Jahresetat liegt bei zehn Millionen Euro und wird zur Hälfte vom Finanzministerium als Eigentümervertreter getragen. Den Rest steuern Geschäftsbesorgungsverträge mit Ministerien und der Staatskanzlei bei.

Drittbeste Bilanz der letzten zehn Jahre

Dass die WFS in schwierigem Umfeld seine drittbeste Bilanz der letzten zehn Jahren vorlegen kann, sei nicht selbstverständlich, sagt Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). „Demnach haben wir einiges richtig gemacht.“ Der breite Branchenmix in Verbindung mit den zahlreichen Forschungseinrichtungen mache Sachsen zu einem der weltweit attraktivsten Standorte, so der WFS-Aufsichtsratschef.

„Hinzu kommt eine große Dynamik bei Technologie- und Zukunftsthemen“, ergänzt Geschäftsführer Thomas Horn. Internationale Liefer- und Wertschöpfungsketten hätten sich durch die Pandemie neu ausgerichtet. Das habe auch zu einem gestiegenen Bedarf an Logistikstandorten geführt. Davon habe Sachsen mit Logistikzentren wie dem von Cyberport in Siebenlehn oder dem 30-Millionen-Investment der Allgäuer Spedition Finsterwalder in Glaubitz bei Riesa profitiert: als Drehscheibe in der Mitte Europas.

Minister Dulig betont die große Bedeutung von Außenwirtschaft und Internationalisierung für die hiesige Wirtschaft. Jeder dritte Euro werde im Ausland verdient, sagt er. Sachsens Exporte hätten sich seit 2010 auf ein Volumen von 52,7 Milliarden Euro mehr als verdoppelt – und im vergangenen Jahr trotz Pandemie und Energiepreiskrise um 17 Prozent zugelegt. China und die USA seien mit 8,7 und 5,1 Milliarden Euro die wichtigsten Abnehmerländer, so der Minister. Dann folgten die Nachbarn Tschechien – auch wichtigster Importmarkt – und Polen mit 3,5 und 3,3 Milliarden Euro und der zuletzt größten Dynamik.

Russland als Handelspartner praktisch bedeutungslos

Russland spiele als Handelspartner hingegen „praktisch keine Rolle mehr“, sagt WFS-Chef Horn. Habe es vor zehn Jahren noch Ausfuhren für 1,3 Milliarden Euro gegeben, so seien sie 2022 nur noch 370 Millionen Euro wert gewesen. Alternativ schaue sein Haus auf Kasachstan, Usbekistan und den Wiederaufbau in der Ukraine. Bei der Gewinnung von für Ansiedlungen so wichtige Fachkräfte hat Dulig „Länder mit Jugendüberschuss wie Vietnam im Blick“ – und im Pflegebereich Brasilien. Doch zuerst gelte es, in eigene Leute zu investieren, in gute Arbeit und die Digitalisierung, betont er. Dulig will ferner im Sommer in Mosambik und Namibia die Kontakte vertiefen und im Herbst mit einer Delegation nach Japan und Südkorea reisen.

So auskunftsfreudig die Standortwerber zu ihrem Job im Allgemeinen und zu wachsenden Exporten sind, so zurückhaltend werden sie im Raum stehenden Großprojekten. Nichts Neues zur möglichen Ansiedlung des weltgrößten Chipherstellers TSMC, dessen Gesandte aus Taiwan bereits in Dresden gesichtet wurden. Als größter Mikroelektronikstandort Europas sei Sachsen „mit vielen im Gespräch“, sagt WFS-Chef Horn. Und für den eventuellen Bau einer Pulverfabrik von Rheinmetall am alten Flugplatz von Großenhain verhandle nicht das Land, sondern der Bund, stellt Dulig klar. Zudem habe der Rüstungsriese „nur Interesse gezeigt“, sich auf der mit knapp 150 Hektar größten baureifen Fläche im Freistaat zu engagieren – mehr nicht.