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Frauen beim Gründen mutiger als Männer

Die Pandemie durchkreuzte im vergangenen Jahr bei vielen den Plan für eine Firmengründung. Die Zahlen gingen zurück.

Die Förderbank hat die Neugrünungen 2020 gezählt.
Die Förderbank hat die Neugrünungen 2020 gezählt. © Frank Rumpenhorst/dpa

Die Corona-Pandemie hat auch den Gründergeist in Deutschland im vergangenen Jahr deutlich gebremst. 537.000 Menschen wagten den Sprung in die Selbstständigkeit. Das waren 68.000 oder elf Prozent weniger als 2019. Vor allem der Mut für Gründungen im Vollerwerb war so gering wie noch nie, wie Fritzi Köhler-Geib, Chef-Volkswirtin der Förderbank KfW, in Frankfurt sagte. Mit 201.000 Neugründungen sei ein neuer Tiefpunkt erreicht worden. Auch bei Gründungen für den Nebenerwerb zählt der Gründungsmonitor 2021 ein Minus von elf Prozent auf 336.000. Köhler-Geib ist allerdings zuversichtlich, dass in diesem Jahr wieder mehr Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. „Ein Drittel der für 2020 geplanten Neugründungen sind nur aufgeschoben.“ Die Menschen seien bereits in der Gründungsphase. Auch die Konjunktur gebe Gründerinnen und Gründer Rückenwind. „2021 verspricht ein gutes Gründungsjahr zu werden.“

Mit Blick auf die Bundesländer war das Gründungsgeschehen der Studie zufolge im Zeitraum zwischen 2018 und 2020 in Berlin und Hamburg am stärksten. In Berlin wagten in dieser Zeit pro Jahr bezogen auf 10.000 Erwerbstätige 181 den Schritt in die Selbstständigkeit, im Zeitraum 2017 bis 2019 waren es allerdings 198. Für Hamburg nennt die Studie 129 nach 122 davor. Baden-Württemberg kam von 2018 bis 2020 auf 104 Neugründungen pro 10.000 Erwerbstätigen nach 115 im Dreijahres-Zeitraum davor. Für Bayern nennt die Studie 109 nach 121. In Ostdeutschland sind die Zahlen in Sachsen trotz Corona für 2018 bis 2020 von 86 auf 96 gestiegen. Einen Grund nennt Köhler-Geib nicht. Am Schluss der Bundesländer steht Mecklenburg-Vorpommern mit 51. Das waren gleichwohl zehn mehr als in der Phase von 2017 bis 2019 mit 41. Die meisten Gründungen in Ostdeutschland hinter Berlin und vor Sachsen nennt die Studie für 2018 bis 2020 für Brandenburg mit 104 (155). In Thüringen waren es 83 (71), in Sachsen-Anhalt 70 (83).

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Ganz offensichtlich waren Frauen im vergangenen Jahr mutiger als Männer. Ihr Anteil an den Neugründungen war mit 38 Prozent sogar etwas größer als 2019. Nur 10.000 Frauen weniger wagten den Schritt in die Selbstständigkeit, insgesamt waren es 205.000. Bei Männern ging es um 58.000 auf 332.000 zurück. „Das ist überraschend“, sagt Köhler-Geib. „Denn gerade selbstständige Frauen waren besonders stark von negativen Auswirkungen der Corona-Krise betroffen und mussten häufiger mit Umsatzverlusten, Existenzsorgen und Einschränkungen des Lebensstandards umgehen.“ Frauen hätten sich aber offensichtlich schneller auf die Krisenbedingungen eingestellt.

Als gutes Zeichen wertet Köhler-Geib auch die Tatsache, dass der Anteil der sogenannten Chancengründungen von 73 auf 80 Prozent gestiegen ist, und Notgründungen weniger zu beobachten waren. Ausschlaggebend sei vermutlich der große Anteil von Kurzarbeit gewesen, der verhindert hat, dass Menschen arbeitslos wurden. „Allerdings hat Corona auch die Menschen herausgesiebt, die einen besonders starken Gründungswillen haben.“ Nach wie vor ist der Anteil von Gründungen ohne zusätzliche Beschäftigte sehr hoch. 2020 lag der Anteil der Solo-Selbständigen an allen Gründungen bei zwei Drittel. Deutlich kleiner als in den Jahren zuvor war der Anteil von Neugründungen im Handel. Mit 13 Prozent war es so niedrig wie lange nicht mehr. Drei Viertel der Neugründungen betrafen den Dienstleistungssektor.

An Finanzierungsengpässen durch Zurückhaltung bei Banken und Sparkassen seien die Schritte in die Selbständigkeit im vergangenen Jahr nicht gescheitert, betont Köhler-Geib. „Der Kredithahn ist ziemlich offengeblieben. Die Finanzierungsmöglichkeiten waren weiter ganz gut.“ Sehr kritisch und als hohe Hürden betrachten Gründerinnen und Gründer dagegen gesetzliche Regelungen, bürokratische Informations- und Berichtspflichten und die steuerlichen Belastungen.

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