merken
Wirtschaft

Neue Benimmregeln für öffentliche Firmen

Aufsichtsgremien sollen Wirtschaftsprüfern stärker auf die Finger schauen, zudem soll der Anteil von Managerinnen in der Führungsetage steigen.

Die 22-köpfige Expertenkommission, in der unter anderem die frühere Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) sitzt, hat den Muster-Kodex aus dem Jahr 2020 überarbeitet.
Die 22-köpfige Expertenkommission, in der unter anderem die frühere Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) sitzt, hat den Muster-Kodex aus dem Jahr 2020 überarbeitet. © Bernd von Jutrczenka/dpa (Archiv)

Frankfurt/Main. Vor dem Hintergrund des Wirecard-Skandals schlägt ein Expertengremium genauere Vorgaben für die Prüfung von Jahresabschlüssen öffentlicher Unternehmen vor.

Die Aufsichtsgremien sollen Wirtschaftsprüfern stärker auf die Finger schauen. Die unverbindlichen Benimmregeln (Deutscher Public Corporate Governance-Musterkodex) sehen vor, dass sich das Aufsichtsorgan eines öffentlichen Unternehmens selbst ein Urteil darüber bilden soll, ob den Beurteilungen des Wirtschaftsprüfungsunternehmens im Prüfungsbericht zu folgen ist.

ELBEPARK Dresden
Der ELBEPARK bietet mehr
Der ELBEPARK bietet mehr

180 Läden, 5.000 kostenlose Parkplätze und zahlreiche Freizeitangebote sorgen für stressfreies und vergnügtes Einkaufen im ELBEPARK. Jetzt Angebote entdecken.

Kompetente und unabhängige Abschlussprüfer sind aufgrund ihrer Rolle und der Zusammensetzung der Aufsichtsorgane öffentlicher Unternehmen von besonders großer Bedeutung, erläuterte der wissenschaftliche Vorsitzende des Gremiums, Ulf Papenfuß. Im Skandal um den Bilanzbetrug beim früheren Dax-Konzern Wirecard stehen unter anderem die Wirtschaftsprüfer von EY in der Kritik, weil Unregelmäßigkeiten nicht früher aufflogen.

Die 22-köpfige Expertenkommission, in der unter anderem die frühere Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) und der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling sitzen, hat den Muster-Kodex aus dem Jahr 2020 überarbeitet. Die unverbindlichen Vorschläge sollen Kommunen, Bundesländern und dem Bund eine Orientierungshilfe geben.

Mindestens eine Frau in Führungsgremien

Aufgenommen wurde eine Empfehlung für eine Frauenquote in der Topetage öffentlicher Unternehmen. Führungsgremien mit mehr als zwei beziehungsweise drei Mitgliedern soll mindestens eine Frau angehören. Damit orientiert sich das Gremium an einem Gesetzentwurf des Bundeskabinetts zur Erhöhung des Frauenanteils in den Chefetagen großer Unternehmen. Demnach muss in Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern künftig mindestens eine Frau sitzen. Bei Firmen mit einer Mehrheitsbeteiligung des Bundes soll generell bereits bei mehr als zwei Mitgliedern in der Geschäftsführung mindestens eine Frau sein.

Die Expertenkommission konkretisierte auch die Vergütungsregeln für Führungskräfte öffentlicher Firmen. So soll für die Angemessenheit des Verdienstes das Vergleichsumfeld dokumentiert werden.

„Viele Städte und Bundesländer haben angekündigt, einen Kodex für ihre Unternehmen einführen zu wollen“, berichtete Papenfuß. Das Thema gehöre bei der Bewältigung der Corona-Pandemie auf die Tagesordnung. „Wir würden uns als Expertenkommission wünschen, dass der Musterkodex bei der gemeinschaftlichen Erarbeitung von Regelungen vor Ort gezielt für Vergleiche genutzt wird“, sagte der Professor an der Zeppelin Universität Friedrichshafen.

Weiterführende Artikel

Mehrheit steht positiv zur Frauenquote

Mehrheit steht positiv zur Frauenquote

Das Bundeskabinett hat eine verbindliche Frauenquote für Vorstände beschlossen. Die Mehrheit der Deutschen hält das für ein gutes Vorhaben.

Frauenquote für Vorstände kommt

Frauenquote für Vorstände kommt

Das Kabinett hat eine verbindliche Frauenquote für Vorstände beschlossen. In vielen Unternehmen gibt es derzeit noch keine Frauen in den Führungsgremien.

Koalition einigt sich auf Frauenquote

Koalition einigt sich auf Frauenquote

In den Vorständen deutscher Unternehmen sind Frauen bislang noch immer rar. Die Koalition will das nun durch gesetzliche Vorgaben ändern.

SPD mit hoher Frauenquote zur Wahl

SPD mit hoher Frauenquote zur Wahl

22 Sozialdemokraten bewerben sich um ein Mandat im Pirnaer Stadtrat. Ihr Ziel ist hoch gesteckt. Und erstmalig gelang auch ein weiterer Plan.

„Wir haben beobachtet, dass bei bestehenden Kodizes vor Ort viele Regeln noch nicht aufgenommen wurden, die eigentlich wichtig wären für die von der Politik formulierten Ziele.“ Es gebe aber auch eine Reihe von sehr guten Beispielen. Bundesweit gibt es demnach etwa 18.500 öffentliche Unternehmen, davon rund 16.000 auf kommunaler Ebene. (dpa)

Mehr zum Thema Wirtschaft