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Globus pokert um 16 Real-Märkte

Der Handelsriese Globus will weiter wachsen und macht in der Corona-Pandemie super Geschäfte – auch in Sachsen.

Volles Haus im Globus-Markt an der Autobahn 4 unweit des Dresdner Flughafens. Die Gruppe spürt keine Corona-Krise.
Volles Haus im Globus-Markt an der Autobahn 4 unweit des Dresdner Flughafens. Die Gruppe spürt keine Corona-Krise. © Ronald Bonß

Während der Globus unter Corona ächzt, feiert der gleichnamige und auch in Sachsen aktive Handelsriese eine „sehr stabile Entwicklung“ und im Geschäftsjahr 2019/20 (30. Juni) „ordentliche Zahlen“. Trotz der Einschränkungen bilanziert die Gruppe ein Umsatzplus von 3,2 Prozent auf 7,95 Milliarden Euro, einen operativen Gewinn von 284 Millionen Euro und „eine Rendite auf Normalniveau“ von 3,6 Prozent. Kunden hätten seltener, aber mehr und öfter online eingekauft, heißt es.

Im Freistaat ist der Konzern mit SB-Warenhäusern in Leipzig-Seehausen, Zwickau und Chemnitz sowie einem Dresdner Baumarkt präsent und in Hoyerswerda, Leipzig-Wachau und im vogtländischen Weischlitz jeweils mit beiden Konzernsparten vertreten. An den zehn Adressen arbeiten insgesamt 2.200 Menschen.

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„Wir haben bewiesen, dass wir auch turbulente Zeiten gut meistern und sogar gestärkt daraus hervorgehen können“, sagt Matthias Bruch, geschäftsführender Gesellschafter der Globus Holding. „Viele Entwicklungen, insbesondere im digitalen Bereich, haben durch Corona eine enorme Beschleunigung erlebt, sodass wir große Entwicklungsschritte gehen konnten“, so Bruch, der den Chefposten im Sommer vom Vater übernommen hatte.

Demnach blieben die SB-Warenhäuser in Deutschland bei leichtem Umsatzwachstum auf Vorjahresniveau, legten die Fachmärkte um gut fünf Prozent zu. In Russland verzeichneten die Globus-Hypermärkte gar ein Plus von zehn Prozent auf umgerechnet 1,3 Milliarden Euro. Das Geschäft solcher Riesenmärkte in Tschechien hielt sich stabil bei gut einer Milliarde Euro.

In Hoyerswerda wird modernisiert

Globus ein Krisengewinner? „Wir sehen uns nicht als Krisengewinner, sondern wurden und werden in einer schwierigen Zeit unserem Versorgungsauftrag gerecht“, sagt Jochen Baab. Der Sprecher der Geschäftsführung der SB-Warenhaus-Sparte nennt „teilweise wochenlange Schließungen unserer Gastronomien, stellenweise auch unserer Nonfood-Bereiche“. 

Das sei durch schnelles und flexibles Handeln, innovative Konzepte und digitale Angebote kompensiert worden. Und durch die Mitarbeiter, von denen in Deutschland etwa die Hälfte stille Beteiligte am Gesamtunternehmen oder am eigenen Standort sind. Sie würden im November eine zweite Corona-Prämie erhalten, heißt es. In Summe gebe es elf Millionen Euro an Sonderzahlungen.

Großfamilie Globus:

Vor über 190 Jahren als Familienunternehmen gegründet, betreibt Globus heute 178 Standorte mit 46.200 Beschäftigten in vier Ländern.

Mit 3,38 Milliarden Euro Umsatz gehören die 47 deutschen SB-Warenhäuser zu den kleinen unter den großen.

Zum Portfolio zählen 97 Bau- und Fachmärkte in Deutschland und Luxemburg, 34 Hyper- und Freshmärkte in Russland und Tschechien.

Die Gruppe mit Sitz in St. Wendel im Saarland setzt auf eigene Bäckereien, Fleischereien und Gastronomie.

Die Gruppe beschäftigt in Sachsen 2.200 Menschen an zehn Adressen, so in Hoyerswerda und Dresden. (SZ/mr)

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Der fast 200 Jahre alte Familienbetrieb investierte gut 390 Millionen Euro in sein Wachstum, in Halle öffnete das 47. SB-Warenhaus, und auch in Tschechien und Russland gibt es neue Adressen. Ältere Standorte würden modernisiert. Timo Huwer, Chef der Fachmarkt-Sparte, nennt auch Hoyerswerda, wo es seit Mitte der 1990er-Jahre einen Bau- und einen Lebensmittelmarkt unmittelbar nebeneinander gibt.

Bei der Expansion soll „Goethe“ helfen. Der Projektname habe „keine tiefere Bedeutung“, heißt es. Der Inhalt schon: „Wir möchten 16 Real-Märkte übernehmen, diese sind über verschiedene Bundesländer verteilt“, sagt Stefan Ewerling, Leiter Expansion und Standortplanung. Wegen laufender Gespräche könne er aber keine konkreten Angaben machen.

Auf dem Gelände des früheren Leipziger Bahnhofs in Dresden plante Globus einen Großmarkt. Noch immer wird laut Unternehmensangaben mit der Stadtverwaltung über einen Alternativstandort verhandelt.
Auf dem Gelände des früheren Leipziger Bahnhofs in Dresden plante Globus einen Großmarkt. Noch immer wird laut Unternehmensangaben mit der Stadtverwaltung über einen Alternativstandort verhandelt. © René Meinig

Der Metro-Konzern hatte sein Sorgenkind mit fast 280 Märkten im Frühjahr an den russischen Finanzinvestor SCP verkauft. Für 101 dieser Real-Märkte interessiert sich Kaufland, für 72 Edeka, mit 55,7 Milliarden Euro Jahresumsatz Deutschlands größter Lebensmittelhändler. Wegen deren Übermacht rechnet sich Globus bei den Wettbewerbshütern aber gute Chancen aus. Nach der Jahrtausendwende hatte sich die Gruppe bereits Standorte der insolventen Baumarktkette Max Bahr gesichert.

Die Entscheidung steht aus. Auch Riesa, Heidenau und Bannewitz müssen warten, ob Edeka oder Kaufland den Zuschlag erhält. Oder doch Globus und Wettbewerber, die als Beigeladene im Verfahren klagen können. „Jede Filiale ist wettbewerbsrechtlich ein eigener Fall“, sagt Kay Weidner, Sprecher des Bundeskartellamts, zur SZ. Für seine vertiefte Prüfung hatte das Bundeskartellamt Mitte September eine Prüfungsfrist bis zum 21. Dezember genannt.

Geheimnis um Dresdner Baupläne

„Die Globus-Gruppe setzt kontinuierlich auf die Weiterentwicklung und Werterhaltung bestehender Standorte sowie auf die Entwicklung neuer Märkte“, heißt es von Globus. Zum Engagement in Sachsen werden keine Angaben gemacht.

Und wie steht’s um die Pläne für Dresden, wo der Konzern unweit des Bahnhofs Neustadt seit Jahren ein SB-Warenhaus bauen will, vom Stadtrat aber ausgebremst wurde? „Globus verhandelt mit der Stadt Dresden nach wie vor über einen Alternativstandort zum Grundstück Alter Leipziger Bahnhof“, sagt Expansionschef Ewerling. Bis zum Vorliegen eines Ergebnisses sei aber Stillschweigen vereinbart worden.

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Uwe Wamser, Geschäftsführer für die SB-Warenhäuser, rechnet nicht mit einem neuen Lockdown, bei zunehmenden Infektionen aber mit regionalen Konsequenzen. Das Institut für Handelsforschung (IFH) in Köln berichtet zeitgleich zur Globus-Präsentation von erneut zunehmenden Hamsterkäufen, die im Frühjahr vor allem bei Toilettenpapier zu beobachten waren.

Ein Drittel der vorige Woche repräsentativ Befragten habe erklärt, wieder verstärkt haltbare Lebensmittel zu kaufen, 26 Prozent decken sich mit Hygieneartikeln ein.

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