merken
PLUS Weißwasser

Bad Muskau hat nun einen „Tante-Emma“-Laden

Die Polin Beata Oberhoffner hat in der deutschen Stadt eine Marktlücke geschlossen. Das freut Einheimische und Gäste.

Im August hat Beata Oberhoffner (li.) in Bad Muskau einen kleinen Lebensmittelladen eröffnet. Durch die Lage direkt am Grenzübergang kaufen hier inzwischen regelmäßig auch Touristen ein – so wie Petra Stengel aus dem Erzgebirge. Das Schild „Polnisch
Im August hat Beata Oberhoffner (li.) in Bad Muskau einen kleinen Lebensmittelladen eröffnet. Durch die Lage direkt am Grenzübergang kaufen hier inzwischen regelmäßig auch Touristen ein – so wie Petra Stengel aus dem Erzgebirge. Das Schild „Polnisch © Sabine Larbig

Über der Eingangstür des kleinen Ladengeschäftes in der Görlitzer Straße in Bad Muskau, gleich gegenüber vom Grenzübergang in die polnische Nachbarstadt Łęknica, prangt ein rot-weißes Schild. „H 18 - polnischer Lebensmittelladen“ steht darauf. Eröffnet hat das Geschäft Beata Oberhoffner Anfang August dieses Jahres. Doch schon jetzt hat sich der Laden „rumgesprochen“, kommen Touristen und vor allem Einwohner von Bad Muskau zum Einkauf.

Ausschließlich polnische Waren

Frisches Obst und Gemüse, Kartoffeln, Eier und Molkereiprodukte, Brot und Backwaren, Konserven, Getränke, Marmelade und Wurst gibt es hier ebenso wie Süßwaren oder Gewürze. Ausschließlich von polnischen Bauern und Erzeugern aus der unmittelbaren Region. So, wie es das Werbeschild besagt. Besonders stolz ist Beata auf ihr Räucherfisch-Angebot. „Ich habe einen Lieferanten in Stettin. Der bringt mir den Fisch schon drei Stunden nach dem Räuchern in den Laden“, erzählt die Geschäftsinhaberin stolz, während sie Kunden bedient. Zu denen gehört Marion Ladisch, die unweit vom Geschäft wohnt. „Es ist so schön, hier in der Görlitzer Straße wieder einen Lebensmittelladen zu haben. Nun muss ich nicht mehr mit dem Fahrrad quer durch die Stadt und den Berg hochfahren“, sagt die Seniorin. Auch Familie Loeser kommt bereits regelmäßig. „Seit vor Jahren der Netto vom Grenzübergang weggezogen ist, fehlte für uns Einwohner hier in dem Bereich eine Einkaufsmöglichkeit.“

Autohaus Dresden
Eines der besten Autohäuser in Deutschland
Eines der besten Autohäuser in Deutschland

Dresden braucht starke und innovative Unternehmen, wie das Autohaus Dresden. Der Opelhändler ist seit über 25 Jahren tief mit der Region verwurzelt.

Eine Bank für Senioren

Das bestätigt die 81-jährige Ursula Rzepki. „Ich bin Witwe, habe keinen Führerschein und bin so dankbar, dass ich durch Beata wieder einen Lebensmittelladen um die Ecke habe. Und sie ist immer so freundlich“, lobt Ursula, während sie sich auf einem Stuhl ausruht und Beata ihre Ware einpackt. Auch sowas, oder sich mal unterhalten zu können, fehle den Älteren in den Discountern.

Das weiß Beata, weshalb sie stets Stühle in der Nähe, ein offenes Ohr, ein freundliches Lächeln und etwas Zeit für einen Plausch hat. „Ich will noch eine Bank vor dem Geschäft aufstellen, damit die älteren Herrschaften etwas zum Sitzen haben“, sagt Beata. „Gerade für sie ist Einkaufen auch eine Möglichkeit, jemanden zu treffen, sich mal zu unterhalten, einfach anderswo etwas Zeit zu verbringen. Denn viele sind alleinstehend“, weiß die erfahrene Geschäftsfrau, die selbst in der größten Hektik ihr Lächeln und ihre Freundlichkeit nicht verliert.

In der Görlitzer Straße in Bad Muskau gibt es wieder ein Lebensmittelgeschäft. Es bietet ausschließlich polnische Waren an.
In der Görlitzer Straße in Bad Muskau gibt es wieder ein Lebensmittelgeschäft. Es bietet ausschließlich polnische Waren an. © Sabine Larbig
Das Konzept scheint anzukommen. Denn die Stammkunden-Fotowand im Laden-Inneren ist schon beachtlich gut gefüllt.
Das Konzept scheint anzukommen. Denn die Stammkunden-Fotowand im Laden-Inneren ist schon beachtlich gut gefüllt. © Sabine Larbig

Wohl auch, weil die gebürtige Polin, die inzwischen seit Jahren mit einem Bad Muskauer verheiratet ist und in der Stadt lebt, schon seit 25 Jahren selbstständig ist, alle Höhen und Tiefen des Unternehmertums und vor allem Menschen und ihre Charaktere in der Zeit kennen gelernt hat. „Wenn man freundlich ist, sind es die anderen auch zu dir, kommen die Kunden wieder.“ Bisher galt diese Maxime der Unternehmerin für ihren Lebensmittelladen in Łęknica auf dem „Polenmarkt“. – „Dort habe ich Stand „H 18“. Deshalb nannte ich auch mein Geschäft in Bad Muskau so, weil mich und meine Standnummer viele deutsche und polnische Kunden kennen und so gleich wissen, dass er dazu gehört.“

Sieben-Tage-Arbeitswoche

Noch verkauft Beata montags bis freitags auf deutscher Seite, während Bruder und Sohn den Stand in Łęknica betreuen. Am Wochenende haben sie frei. Dann ist Beata dort. „Wenn mein neuer Laden noch bekannter wird und mehr Kunden anzieht, hoffe ich, irgendwann mal keine Sieben-Tage-Woche und nur wenige Tage Urlaub im Jahr mehr zu haben.“ Darüber würde sich auch ihr Mann Frank freuen. Zwar unterstützt er seine Frau, wo er kann, obwohl er selbst arbeiten geht. Dennoch würde er sich mehr Zeit mit ihr wünschen. „Trotzdem habe ich gleich mitgezogen, als mir Beata ihre Idee von einem Laden in Bad Muskau erzählte.“ Gemeinsam suchte das Paar nach geeigneten Räumen. Gemalert und eingeräumt hat den Laden dann Handwerker Frank. „Da wir in der Schmelzstraße wohnen, war es kein großer Zusatzaufwand für mich. Für Beata ist die Nähe des Ladens ebenso ideal wie für viele Kunden.“

Idee wurde im Lockdown geboren

Dass es überhaupt zur Idee des zweiten Lebensmittelladens kam, liegt an Corona. „Beim Lockdown ging ja gar nichts mehr. Der Markt in Polen war zu, weil deutsche Kunden nicht nach Polen einreisen durften und so hatte ich plötzlich gar keine Einnahmen mehr“, erzählt Beata. Damals habe sie überlegt, wie sie sich ein zweites wirtschaftliches Standbein schaffen könne. „Da kam mir die Idee vom Laden auf deutscher Seite mit polnischem Angebot, aber ohne Schickimicki, Andenken, Klamotten oder so. Ich wollte einfach was machen, was die Bad Muskauer Bevölkerung braucht. So kam ich auf Lebensmittel und auf den Standort an der Grenze.“

Unterwegs ohne Umwege einkaufen

Das Konzept kommt an. Auch, weil immer mehr Wohnmobilisten und Radtouristen die Neißestadt besuchen und froh sind, unterwegs und ohne Umwege mal schnell ein paar Kleinigkeiten einkaufen zu können. So, wie Urlauberin Petra Stengel aus Marienberg. Sie kauft im „H 18“ gezielt polnisches Konfekt, eingelegte Gurken und Käse. „Mich haben bei einem Gespräch Muskauer Bürger auf den Laden aufmerksam gemacht. Wir sind vor Abfahrt daher eigens hierher, statt auf den Polenmarkt, gefahren. Das spart uns Zeit, und die Preise sind ja sowieso wie in Polen im Basar.“

Noch ist die 51-jährige Unternehmerin selbst überwältigt vom Erfolg der ersten Wochen. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich in so kurzer Zeit so viele Stammkunden habe. Weil ich mich darüber so freue, frage ich alle, ob ich ein Foto mit ihnen machen darf.“ Und sie freut sich, dass selbst der Bürgermeister zur Eröffnung vorbei kam und gratulierte. Immerhin schloss Beata eine Marktlücke und erfüllte eine Forderung der Bürger, auch in der Unterstadt wieder ein Lebensmittelgeschäft anzusiedeln. Bisher war dies im alten Netto angedacht. Doch dafür fehlen trotz Bemühen von Stadt und Vermieter bisher Interessenten.

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Weißwasser