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Kreis Bautzen: Das passiert jetzt mit der Winterware

Wegen Corona kein Weihnachtsgeschäft und kein Winterschlussverkauf - nun haben Textilgeschäfte ein Problem. Das lösen sie ganz unterschiedlich.

Christina Feiler hat in ihrer Modeboutique in Neukirch noch reichlich Ware aus der Winterkollektion da. Die will sie spenden, denn nach dem Lockdown kommen Frühjahrs- und Sommersachen in die Regale.
Christina Feiler hat in ihrer Modeboutique in Neukirch noch reichlich Ware aus der Winterkollektion da. Die will sie spenden, denn nach dem Lockdown kommen Frühjahrs- und Sommersachen in die Regale. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. "Ich hab so was geahnt", sagt Christina Feiler. Mit "so was" meint die Modehändlerin aus Neukirch bei Bischofswerda die zweite Schließung wegen Corona im Herbst. Als die Infektionszahlen wieder anstiegen, reduzierte sie schon mal die Preise für die Wintermode in ihrem Geschäft. Und hatte einen Großteil davon bereits verkauft, als sie die Ladentür für Kunden verschließen musste.

Trotzdem hatte sie immer noch einen Vorrat an Mänteln, Pullovern, warmen Hosen und anderer Winterware. Vieles davon zeigte sie auf ihrer Facebookseite und vereinbarte dann mit den Käufern einen Termin zur Übergabe. "Ich bin jetzt schon ganz schön runter mit den Beständen an Wintersachen, habe aber immer noch reichlich da", berichtet Christina Feiler, die seit 16 Jahren in Neukirch Mode verkauft.

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Neukircher Händlerin will Wintersachen spenden

Nun hofft sie, wie alle Händler, auf eine baldige Wiedereröffnung. Sie wird dann überwiegend Bekleidung für Frühling und Sommer anbieten. Was an Wintersachen noch übrig ist, möchte die Neukircherin gern spenden, zum Beispiel an Altenheime. Deshalb hofft sie, dass sich Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) mit seinem Vorschlag durchsetzt, spendenden Händlern die Mehrwertsteuer für diese Waren zu erlassen.

"Die Hersteller werden mir übrig gebliebene Winterware auf keinen Fall zurücknehmen", sagt Christina Feiler. Und ob es etwas bringt, Sachen bis zur nächsten kalten Jahreszeit aufzuheben - die Modeboutique-Inhaberin hat da ihre Zweifel. Große Handelsketten hätten Platz zum Einlagern, die könnten das theoretisch machen, meint sie. Aber die Kunden verlangten halt immer nach neuer Ware, obwohl doch Bekleidung nicht schon nach einem Jahr völlig unmodern sei. "Deshalb wird von den großen Händlern viel Winterware auf der Halde landen, das ist bitter."

Winterware wird bis zur nächsten Saison eingelagert

Dieser Weg kommt für No1-Mode-Express nicht infrage, versichert Geschäftsführer Andreas Dietrich. "Wir versuchen, für jedes Teil einen Abnehmer zu finden." Der Modehändler aus dem niedersächsischen Langelsheim betreibt mehr als 110 Filialen in ganz Deutschland, darunter auch in Bautzen, Kamenz und Radeberg.

"Wir in der Unternehmenszentrale im Harz bereiten uns gerade auf einen extremen Warenrückfluss aus unseren Filialen vor und haben bereits zusätzliche Lagerflächen angemietet", berichtet Andreas Dietrich. "Die Ware wird dann von uns auf die weitere Verwendung hin geprüft. Dabei wird der Großteil zur kommenden Wintersaison wieder in den Verkauf gehen – jedoch zu günstigeren Preisen als im Vorjahr." Darüber hinaus wolle der Mode-Express einen Teil der Ware in Outlets oder im Rahmen von Sonderverkäufen an die Frau bringen. "Weitere Mengen spenden wir an Hilfsorganisationen oder lokale Einrichtungen."

Nach Lockdown winken Rabatte bis 70 Prozent

Wenn das Kress-Modezentrum mit seiner Filiale in Bautzen wieder öffnet, soll gleich die Frühjahrssaison starten. Parallel dazu will Kress aber auch "vorhandene Wintermode zu absolut günstigen Schnäppchenpreisen verkaufen", kündigt Franka Wagner von der Unternehmenszentrale in Hartmannsdorf bei Chemnitz an.

Gleich mit mehreren Geschäften ist die Handelskette Kik aus dem nordrhein-westfälischen Bönen im Landkreis Bautzen vertreten, unter anderem in Bautzen, Königsbrück, Großröhrsdorf und Wilthen. Laut Unternehmenssprecher Sören Heinrichsmeyer bleiben "grundsätzlich über 95 Prozent unserer Artikel so lange in unseren Verkaufsstellen, bis sie abverkauft sind". Der kleine Rest werde gespendet oder an die Hersteller zurückgeschickt.

"Diese Strategie werden wir auch bei der Wiedereröffnung unserer Filialen weiterverfolgen", erklärt Sören Heinrichsmeyer. "Sollte die Saisonware nach dem aktuellen Lockdown auch mit hohen Rabatten bis zu 70 Prozent nicht mehr verkauft werden können, werden wir sie einlagern." Auf keinen Fall aber werde Kik Ware vernichten.

Zurückholen der Ware kostet viel Geld

Konkurrent Takko aus Telgte, ebenfalls in Nordrhein-Westfalen, hat den Großteil der Winterware schon aus den Läden genommen - auch aus der einzigen Filiale im Landkreis Bautzen in der Kreisstadt. Diese Ware sei eingelagert worden, um sie "zu Beginn der nächsten Herbst-/Winter-Saison wieder auf unsere Filialen zu verteilen", sagt Unternehmenssprecherin Christina Scholz. "Den übrigen Teil der Winterware haben wir aktuell noch in unseren Filialen. Diesen hoffen wir, durch Rabatte und Aktionspreise auch noch im Frühjahr nach Wiedereröffnung der Geschäfte verkaufen zu können."

Das Zurückholen und Einlagern der Ware aus den etwa 1.100 Filialen in ganz Deutschland koste Takko einen hohen sechsstelligen Betrag. Hinzu komme der absehbare Verlust an Gewinn, da die Ware nicht mehr zu den eigentlich geplanten Verkaufspreisen angeboten werden könne - ein Problem, mit dem sich die ganze Branche herumschlägt.

Branchenverband bilanziert Milliarden-Minus

Der Handelsbranchen-Verband BTE schätzt die Umsatzverluste des zweiten Corona-Lockdowns über den Winter auf etwa zehn Milliarden Euro, sagte Hauptgeschäftsführer Rolf Pangels der Wirtschaftswoche. Wer könne, nutze den eigenen Onlineshop, um Winterbekleidung loszuwerden und Platz zu schaffen für Frühjahrs- und Sommerkollektionen. Viel Geld bringe das nicht: Weil alle ihre Lager leeren, brechen die Preise ein.

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