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Bautzen: So geht Möbelkauf per Telefon

Weil sie ihre Geschäfte wegen Corona derzeit nicht öffnen dürfen, lassen sich Händler andere Verkaufswege einfallen. Doch ein großer Wunsch bleibt.

Silvana Bartner leitet die Bautzener Filiale von Multi-Möbel. Über Telefon und Computer berät sie während des Lockdowns Kunden beim Möbelkauf.
Silvana Bartner leitet die Bautzener Filiale von Multi-Möbel. Über Telefon und Computer berät sie während des Lockdowns Kunden beim Möbelkauf. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Eine neue Couchgarnitur soll her. Gut und gern sieben oder acht hat sich der Mann schon angesehen. Jetzt, das ist sie, die soll es sein! Aber da wäre noch ein Detail: "Könnten wir statt eines Dreisitzers mit zwei Sesseln lieber nur einen Sessel bekommen und dafür die Couch mit Longchair zum Beine-Langmachen?", fragt der Kaufwillige. "Kein Problem", antwortet Verkäuferin Silvana Bartner. "Schauen Sie mal - das würde dann so aussehen." Der Mann ist zufrieden.

Er konnte diesen Möbelkauf ganz bequem auf seiner alten Couch abwickeln. Die freundliche Verkäuferin und die Angebote des Möbelladens konnte er trotzdem sehen - auf seinem Smartphone. Silvana Bartner, die Bautzener Filialleiterin von Multi-Möbel, hatte ihm dazu vom Schreibtisch aus einen Link geschickt. Den Termin hatten sie kurzfristig vereinbart. Dann ein Klick - und die Möbelschau auf dem Display konnte losgehen.

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Was die Möbelverkäuferin auf ihrem Computerbildschirm sieht, erblickt der Kunde im selben Moment auf seinem Smartphone.
Was die Möbelverkäuferin auf ihrem Computerbildschirm sieht, erblickt der Kunde im selben Moment auf seinem Smartphone. © SZ/Uwe Soeder

Silvana Bartners Chef Tommy Fietze bringt diese Art von Möbelkauf auf den Punkt: "Wenn die Kunden nicht zu uns kommen können, gehen wir eben zu ihnen", sagt der Geschäftsführer von Multi-Möbel. Wie das technisch funktioniert, hatte er vor einiger Zeit gesehen - und im Kopf abgespeichert. "Beim Unternehmer geht der Kopf immer wie eine Rundumleuchte: Was gibt es Neues, was können wir davon irgendwann brauchen?"

Das Wissen um Verkauf per Computer und Smartphone konnte Multi-Möbel brauchen, als zu Beginn des zweiten Corona-Lockdowns auch die Einrichtungsmärkte wieder schließen mussten. Der Geschäftsführer ärgert sich darüber. Wie schon bei der ersten Zwangspause im Frühjahr rechnet er vor: Pro Stunde kommen etwa fünf Kunden in den Möbelmarkt. Selbst ein paar mehr Besucher könnten sich auf 4.500 Quadratmetern Verkaufsfläche locker aus dem Weg gehen.

Discounter nutzen Marktlücke

Mindestens genauso sehr ärgert sich der Möbelhändler, wenn er die aktuellen Prospekte von Supermärkten und Discountern durchsieht: "Von 36 Seiten Werbung sind 20 mit Möbeln, Lampen und anderen Artikeln, die es normalerweise in Möbel- und Baumärkten gibt. Aber die Handelsketten erkennen halt die Marktlücke und nutzen sie."

Tommy Fietze hingegen musste die meisten der über 100 Mitarbeiter in den neun Filialen zwischen Zittau, dem thüringischen Kirchhasel und dem brandenburgischen Neuruppin erneut in Kurzarbeit schicken. Die anderen verkaufen jetzt Möbel am Telefon, per Smartphone oder auch direkt in der Wohnung des Kunden. Sie bringen dazu nicht nur Prospekte und ein Tablet zum Zeigen der Möbel mit, sondern auch Desinfektionsmittel und Mund-Nasen-Schutz.

Etwa ein Zehntel der normalen Umsätze erwirtschaftet Multi-Möbel nach eigenen Angaben auf diese Weise. Besser als nichts - aber lieber heute als morgen würde Fietze wieder die Türen der Filialen öffnen. Dem Kunden direkt gegenüber zu stehen, ist eben doch etwas anderes als ein Verkaufsgespräch am Computer. Aber das soll auch nach Corona weiter möglich sein: "Was wir jetzt machen, das bleibt als Angebot bestehen."

Elektronikhändler sauer auf Wirtschaftsminister

Auch andere Händler suchen nach Wegen, um trotz Schließung Waren zu verkaufen. Der Expert-Elektronikmarkt an der Dresdener Straße in Bautzen zum Beispiel hat schon vor Corona einen Online-Shop installiert, erklärt Geschäftsführer Carsten Doms. "Weiterhin hat der Kunde die Möglichkeit, über Anfragen und Reservierungen Waren zu bestellen." Aber das Bestellte im Markt abholen, das gehe nicht. Als einziges Bundesland verbietet Sachsen diese Möglichkeit, ärgert sich Doms vor allem über Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD): "Wir benötigen dieses Click-and-Collect-Modell umgehend, um die Corona-Krise zu überstehen."

Noch sehnsüchtiger aber wartet Carsten Doms auf den Tag der Wiedereröffnung. "Unser Konzept beruht auf Verkäufen im Laden. Wir können nicht über Nacht unsere kompletten Warenverkäufe ins Internet verlagern", sagt er. Es mache auch keinen Sinn, dass Paketdienstfahrer in jeden Haushalt kommen und Waren bringen. "Das können wir in unseren Geschäften mit geringer Kundenfrequenz viel besser im Sinne des Infektionsschutzes organisieren. In Dresden fahren in jeder Straßenbahn mehr Leute durch die Gegend, als bei uns in einer Stunde zur Normalzeit im Geschäft sind."

Bettenhaus ist froh über Reinigungsservice

Im Jahr 1900 gründete Otto Heber in Bautzen einen Dienstleistungsbetrieb für Betten. Dazu gehört auch die Reinigung von Betten, und Urenkel Jörg Heber ist heute froh, dass er diesen Service weiter anbietet - denn das darf er auch trotz Corona. "Die Leute bringen ihre Wäsche zu uns und holen sie zum vereinbarten Termin wieder ab, das klappt", berichtet der heutige Inhaber.

Während der Schließung rufen immer mal wieder Kunden an und bitten um eine telefonische Beratung. "Da habe ich kein Problem damit, ein Stativ aufzustellen, damit wir uns per Video sehen können"", sagt Jörg Heber. Aber das könne natürlich nicht das ersetzen, was ein Verkaufserlebnis ausmacht: das direkte Gespräch, das Anfassen und Testen von Waren. "Wir hoffen, dass das ganz schnell wieder möglich wird."

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