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Dresdner City: "Corona hat als Brandbeschleuniger gewirkt"

Eine Studie im Auftrag des Dresdner City-Managements offenbart, wie groß der Geschäftsleerstand in der Innenstadt ist, und stellt Lösungen vor.

In Dresdens Innenstadt stehen viele Läden leer.
In Dresdens Innenstadt stehen viele Läden leer. © Marion Doering

Dresden. Wer mit offenen Augen durch Dresdens Stadtzentrum schlendert, dem fällt eine Nachwirkung der Corona-Pandemie sofort ins Auge: Etliche leere Schaufenster und geräumte Verkaufsflächen zeugen davon, dass viele Einzelhändler es nicht durch die Pandemie geschafft haben. Aber wie viele Objekte stehen derzeit leer? Und wie lässt sich das Innenstadtsterben aufhalten?

Insgesamt rund 90 Objekte stehen derzeit leer

Um das herauszubekommen, hat der Verein City-Management Dresden eine Studie bei der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) für den gesamten innenstädtischen Bereich in Auftrag gegeben. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass derzeit etwa zehn Prozent der gesamten Verkaufsfläche der Dresdner Innenstadt leer stehen. Insgesamt also 22.000 Quadratmeter Fläche, auf denen sich ehemals Einzelhandelsgeschäfte und gastronomische Einrichtungen befunden haben.

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Besonders in den Top-Lagen der Innenstadt um den Altmarkt, entlang der Wilsdruffer Straße sowie rund um die Prager Straße und am Hauptbahnhof seien die meisten Leerstände vorzufinden. Darunter auch Objekte mit mehr als 400 Quadratmeter Ladenfläche. Der bauliche Zustand der Gebäude sei dabei in den meisten Fällen kein Grund für deren fehlende Vermietung. So sind 74 Prozent der Gebäude in einem gepflegten Zustand und könnten bei Bedarf bezogen werden. Ein weiteres Viertel ist sanierungsbedürftig, so die Autoren der Studie.

Insbesondere die Randbereiche der Innenstadt seien so in Mitleidenschaft gezogen, dass eine Wiederbelebung der Flächen in ihrer vorherigen Funktion nicht absehbar sei. Dadurch würde es insgesamt zu einer Gebäudeabwertung und einem Rückgang der Nutzungsvielfalt kommen, heißt es.

Die Gründe für den Leerstand sind vielfältig

"Corona hat wie ein Brandbeschleuniger für die Entwicklung im Einzelhandel gewirkt", erklärt die Chefin des Dresden City-Managements, Friederike Wachtel. Schon bestehende Tendenzen im Einzelhandel, die es auch schon vor Corona gegeben habe, seien verstärkt worden. So nahm besonders der Online-Handel in den Lockdown-Monaten zuungunsten des stationären Einzelhandels stark zu. "Es gibt definitiv Menschen, die wir an den Online-Handel verloren haben. Doch ich glaube, dass einige von ihnen wieder zurückkommen werden. Schließlich kann man in der Innenstadt seinen Einkauf auch mit einem Restaurant- oder Kinobesuch verbinden", sagt Wachtel.

Neben dem Online-Handel sei für die Dresdner Innenstadt ein besonderer Nachteil, dass PKW-Besucher über die B170 und die B6/173 an der Kernstadt herumgeleitet werden und aufgrund fehlender Parkmöglichkeiten selten in die Nähe der Innenstadt kommen würden, so eine Schlussfolgerung der Studien-Beteiligten.

Ein weiterer Grund sei die fehlende Frequenz in den Fußgängerzonen. Zu wenige Menschen würden heute zum Einkaufen noch in die City gehen. Das liege auch daran, dass nur wenige Menschen direkt im Zentrum wohnen oder leben.

Zuletzt fehle der Stadt ein besonderes Flair, das zum Verweilen und Schlendern einlädt. Dieses könne man jedoch durch die Ausstattung mit einer modernen Stadtmöblierung oder die Vernetzung mit digitalen Angeboten erzeugen, so die Autoren.

Um den Leerstand zu beenden, benötigt es viele Maßnahmen

„Die Dresdner Innenstadt ist trotz des Landeshauptstadt-Bonus nicht ausgenommen vom allgemeinen Trend, dass die Leerstände in den Innenstädten zunehmen und einen Umfang erreicht haben, der ein aktives, gemeinschaftliches Gegensteuern unabdingbar macht“, mahnt der Leiter der Studie, Eddy Donat. Aus diesem Grund müsse man die Einzelhandels- und Zentrenstruktur der Innenstadt, aber auch die umliegenden Bereiche neu durchdenken.

Eine Möglichkeit, um dem Leerstand zu begegnen, sei ein Mixed-Use-Konzept. Das bedeute, dass in Einkaufszentren neben dem Einzelhandel auch Flächen an Gastronomie, Soziales, Kunst und Kultur vermietet würden. Durch eine möglichst große Vielfalt an verschiedenen Angeboten solle die Anziehungskraft der Innenstädte gestärkt und die Menschen wieder zum Verweilen, Bummeln und Einkaufen bewegt werden.

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Dresden hätte insgesamt ein großes Potenzial. Dieses müsste jedoch mit nachhaltigen politischen Entscheidungen zur Unterstützung der Einkaufszentren gefördert werden. Zu diesen gehöre laut den Autoren der Studie neben einem intelligenten Mobilitätskonzept auch, gezielte finanzielle Anreize und Förderprogramme für die Aufwertung der Innenstadt zu schaffen.

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