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Polnischer Gemüsehändler hat Stammplatz in Niesky

Donnerstags fährt Mariusz Stonoga 50 Kilometer von Żagań nach Niesky, um hier sein Obst und Gemüse zu verkaufen. Jetzt hat er Pläne für Rothenburg.

Mariusz Stonoga kommt einmal die Woche nach Niesky und verkauft Obst und Gemüse. Fortan soll auch Rothenburg dazugehören.
Mariusz Stonoga kommt einmal die Woche nach Niesky und verkauft Obst und Gemüse. Fortan soll auch Rothenburg dazugehören. © André Schulze

Wenn es mit dem Transporter nach Niesky geht, dann beginnt für Mariusz Stonoga der Arbeitstag um 4 Uhr in der Früh. Obst- und Gemüsekisten werden in das Auto geladen, das Regal mit Blumen und Pflanzen gefüllt. Konserven und Gläser verstaut und der aufklappbare Pavillon dazugelegt unter dem alles verkauft wird.

"Ich fahre gern nach Niesky, hier habe ich einen festen Kundenstamm, und es kommen oft neue Leute dazu", erzählt Mariusz Stonoga in gutem Deutsch. Das hat er sich aber nicht als "fliegender Händler" angeeignet, sondern in seinem ursprünglichen Beruf. Er hat gelernt, Fundamente zu bauen und Eisen zu flechten, damit darauf ein Haus emporgezogen werden kann. "Ich war viele Jahre auf deutschen Baustellen und da war deutsche Sprache gefordert. Ich musste schnell lernen, wie Werkzeuge auf deutsch heißt", berichtet der 49-Jährige.

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Auf dem Bau gearbeitet

Das hilft ihm in seinem neuen Job. 2009 hat er das Gewerbe als ambulanter Händler bekommen. Zuhause ist Mariusz Stonoga in Żagań (Sorau). Dort wohnt er mit seiner Frau und den drei Kindern. In seiner Heimatstadt hatte er die ersten Jahre seinen Stand aufgebaut. Aber das Geschäft lief zunehmend schlechter und Mariusz Stonoga schaute sich nach neuen Plätzen um. Dabei entdeckte er Deutschland wieder.

Er hörte von anderen polnischen Händlern, dass sie auch in Niesky Station machen. Also versuchte Mariusz Stonoga, in der Kleinstadt einen Standplatz zu bekommen. Der richtige Platz wäre auf dem Nieskyer Wochenmarkt gewesen, aber die Konkurrenz war schneller. Marktleiter Bernd Barthel sagt, dass am Donnerstag, wo auch Mariusz Stonoga stehen wollte, bereits zwei Obst- und Gemüsehändler auf dem Platz der Jugend sind. Ein Dritter würde den Markt nicht bereichern, zumal donnerstags nur wenige Händler nach Niesky kommen. Alternativ wäre noch der Dienstag als Markttag gewesen, aber da hat Mariusz Stonoga seinen Standplatz im Ortsteil See.

Pfarrer vermittelt Standplatz

Aber das ist mit dieser Woche Vergangenheit, sagt der Sorauer. Fünf bis sechs Stunden steht er in See - und wenn dann wie am Dienstag nur eine Handvoll Kunden kommt, lohnt sich für ihn das Geschäft nicht, sagt Mariusz Stonoga. Die Stadt Niesky sei da viel besser und sein Platz ideal. Vermittelt hat ihn ein Landsmann, der katholische Pfarrer Krystian Burczek. Er hat den ehemaligen Holzkonsum auf der Wachsmannstraße gekauft und bietet den Platz davor dem Frischwarenhändler an. Inzwischen wird es das dritte Jahr, dass Mariusz Stonoga dort seine Waren anbietet.

Weil See nicht mehr attraktiv zum Verkaufen ist, will Mariusz Stonoga seinen Pavillon künftig in Rothenburg aufstellen. Wenn er die gut 50 Kilometer nach Niesky zurücklegt, fährt der Händler sowieso durch Rothenburg - und warum soll dort nicht sein neuer Platz sein. Dazu will er mit der Stadt Rothenburg ins Gespräch kommen, um ein gutes Fleckchen für sein Angebot zu finden.

Zu seinen Stammkundinnen in Niesky gehört Gabriele Seuß. Auch ein Regenschauer kann sie nicht abhalten, ihren Einkauf zu erledigen. "Das passiert entweder auf dem Weg zur Arbeit oder auf der Heimfahrt, denn ich komme hier täglich vorbei", erzählt die Nieskyerin. Donnerstag legt sie bei Herrn Stonoga immer ihren Zwischenstopp ein. Sie lobt die Frische und die Vielfalt des Angebotes sowie den fairen Preis dafür. Oft kauft Frau Seuß für ihre Eltern mit ein: "Sie wohnen in Kosel, und dort gibt es für sie gar keine Einkaufsmöglichkeit mehr."

Butter und Eier sind gefragt

Mariusz Stonoga hört aufmerksam zu und freut sich über die Worte seiner Kundin. "Ich achte bei der Auswahl darauf, dass meine Ware ansprechend ist. Nur so kommen Kunden immer wieder." Seinen Einkauf erledigt der Geschäftsmann direkt bei Bauern in seiner Umgebung. Blumen, Südfrüchte und Konserven bezieht er von einem Großhändler und den Spargel, den er jetzt anbietet, kommt vom eigenen Feld. Einen Hektar besitzt die Familie in Żagań. Der Anbau darauf dient der Eigenversorgung und natürlich dem Verkauf. Aber auch die polnische Butter und frische Eier sind bei ihm gefragt. "Heute habe ich zwei Kartons mit jeweils 24 Stück Butter mitgebracht. Mittags sind beide Kartons leer gewesen", berichtet der Mann am Donnerstag.

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