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"Die Weihnachtsmärkte fehlen uns"

Der Geschäftsführer der Herrnhuter Sterne GmbH über das etwas andere Weihnachtsgeschäft, Trends beim Schmücken und seine Zuversicht.

Oskar Scholz, Geschäftsführer Herrnhuter Sterne GmbH, vor der strahlend geschmückten Manufaktur in Herrnhut.
Oskar Scholz, Geschäftsführer Herrnhuter Sterne GmbH, vor der strahlend geschmückten Manufaktur in Herrnhut. © Matthias Weber

Bei den Herrnhuter Sternen läuft in der Adventszeit normalerweise das Geschäft auf Hochtouren. Ein wichtiger Punkt sind dabei Weihnachtsmärkte, auf denen das Oberlausitzer Unternehmen überall in der Bundesrepublik und auch im Ausland mit eigenen Verkaufsständen dabei ist. Wie aber ist es, wenn es keine Weihnachtsmärkte gibt - so wie in diesem Jahr? Der Geschäftsführer der Sternemanufaktur, Oskar Scholz, im Gespräch:

Herr Scholz, Hektik und viel Arbeit ist im Advent bei Ihnen im Unternehmen normal. Fehlt Ihnen in diesem Jahr da etwas?

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Oskar Scholz: Hektik - oder besser viel Arbeit - haben wir im Advent immer, egal, ob es nun Weihnachtsmärkte gibt oder nicht. Gerade, weil es keine Weihnachtsmärkte gibt, versuchen unsere Geschäftspartner in diesem Jahr auf vielerlei andere Weise, aktiv zu sein: Sie stellen ihre Geschäfte um und versuchen - bei Einhaltung aller Regeln - ihre Läden oder Verkaufsfläche auszuweiten. Auch wir versuchen das vor unserem Besucherzentrum, haben dort auch eine weitere Verkaufsmöglichkeit mit nach draußen verlegt, sodass wir mehr anbieten können.

Aber die Weihnachtsmärkte fehlen Ihnen schon, oder?

Scholz: Natürlich fehlen sie. Ich glaube auch nicht, dass man das Geschäft auf den Weihnachtsmärkten noch aufholen oder mit Onlinehandel oder anderen Aktivitäten auffangen kann. Abgesehen davon fehlen die Weihnachtsmärkte ja auch als Treffpunkt für die Menschen. Es ist schade, dass die Regeln so rigoros sind, vielleicht hätte es regional andere Möglichkeiten geben können. Aber mit Blick auf die aktuelle Situation kann ich es nachvollziehen und wir haben zu akzeptieren, dass es nun so ist. Bei uns am Besucherzentrum halten sich die Gäste an die ausgeschilderten Regeln zur Maskenpflicht. Andernfalls weisen wir sie darauf hin.

Können Sie sagen, welche Einbußen Sie erwarten und wie viele Sterne Sie in diesem Jahr verkaufen werden? Rund 650.000 Sterne pro Jahr waren es ja zuletzt ...

Scholz: Mit Zahlen möchte ich mich zurückhalten. Wir haben ja den Dezember noch vor uns und das ist immer ein wichtiger Monat. Ich gehe aber davon aus, dass sich die Zahlen insgesamt reduzieren werden in diesem Jahr.

Aber die Lust auf Weihnachtsschmuck und Herrnhuter Sterne ist ungebrochen - welche Trends haben Sie beobachtet?

Scholz: Große Nachfrage in diesem Jahr gibt es vor allem bei Weiß - in allen Größen und Varianten. Das Schöne ist insgesamt, dass trotz der momentanen Lage geschmückt wird, damit wenigstens eine schöne weihnachtliche Stimmung aufkommt. Es ist sehr schade, vor allem für die Kulturschaffenden und Künstler, die sich auch bei den Weihnachtsmärkten engagieren, dass es nun für sie keine Möglichkeiten gibt, deshalb finde ich es positiv, dass dennoch in den Städten dekoriert wird. Das ist ja auch die Botschaft des Sterns, er ist ein Lichtblick und symbolisiert die Hoffnung und die Zuversicht, dass es weitergehen wird und sich ein Weg findet.

Apropos Weg - wie ist die Manufaktur durch die Corona-Zeit bislang gekommen?

Scholz: Wir hatten auch Infektions-Fälle, aber waren in der Produktion nicht direkt gehandicapt. Wir wollen unseren Mitarbeitern größtmögliche Sicherheit bieten. Deshalb haben wir die Arbeitsbereiche separiert, damit sich die Kontakte vermindern. Wir haben Abstände zwischen Arbeitsplätzen verändert. Das alles waren große Herausforderungen. Und wenn jemand sich nicht gut fühlt, ist er angehalten, erst einmal zu Hause zu bleiben und gegebenenfalls abzuklären, ob er infiziert ist.

Mehr Platz - wie die neue Halle, die Sie bauen wollen - wäre da hilfreich?

Scholz: Ja, aber das Projekt geht leider nicht so schnell voran, wie wir geplant hatten. Wir wollten schon in diesem Jahr den Rohbau fertig haben, aber es waren noch Abwägungen mit dem Bauamt zu treffen, sodass es nun erst im nächsten Frühjahr losgehen kann. Die neue Halle wird sich an ihre Umgebung optisch anpassen.

Sie haben in diesem Jahr eine neue Sonderedition aus Herrnhuter Kleisterpapier herausgegeben. War das geplant?

Scholz: Nein, das hat mit unseren sehr engagierten Mitarbeitern in der Bastelwerkstatt zu tun. Sie hatten die Idee und so hat sich das Ganze dann entwickelt. Das Herrnhuter Kleisterpapier ist ja auch eine Tradition und so fügen sich zwei Dinge wunderbar zusammen, dafür bin ich sehr dankbar.

Apropos dankbar - mit den Sondereditionen und der Kooperation mit dem Kreuzchor, wo sie statt des abgesagten Weihnachtskonzerts in Dresden eine CD und einen Stern als Set kombinieren, gab es Herausragendes. Was war Ihnen besonders wichtig?

Scholz: Da gibt es so viele Dinge. Vor allem freue ich mich gerade auch in diesem Jahr sehr über unsere Mitarbeiter - unabhängig davon, wo sie im Unternehmen arbeiten. Ich persönlich bin jedes Mal froh und dankbar, wenn ich jetzt überall die Herrnhuter Sterne sehe - zum Beispiel, wenn ich über die Autobahn komme und den Stern am Bautzener Dom sehe. Das gibt mir Zuversicht.

  • Am 17.12. um 20.15Uhr auf dem MDR wird eine Sendung mit den schönsten Liedern der letzten Jahre des Kreuzchor-Adventskonzertes gezeigt, umrahmt von Herrnhuter Sternen.

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