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Knappes Holz: Dulig lehnt Markteingriffe ab

Sachsens Wirtschaftsminister lehnt trotz stark gestiegener Preise staatliche Eingriffe ab. Die Wirtschaftsminister der Länder beraten nun weitere Maßnahmen.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) lehnt trotz stark gestiegener Preise für Holz und andere Rohstoffe staatliche Eingriffe in den Markt ab.
Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) lehnt trotz stark gestiegener Preise für Holz und andere Rohstoffe staatliche Eingriffe in den Markt ab. © Ronald Bonß

Holz und andere Rohstoffe wie Kupfer sind knapp, so dass Bau- und Dachdeckerfirmen Mitarbeiter trotz voller Auftragsbücher in Kurzarbeit schicken müssen. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) lehnt jedoch staatliche Eingriffe in den Markt ab. Rufe nach Exportregulierung oder Preisbeschränkungen gebe es schnell, sagte der Minister am Dienstag nach der Kabinettspressekonferenz in Dresden. Man müsse jedoch die Konsequenzen bedenken. „Jede Aktion, die wir aussprechen, führt immer zu einer Gegenreaktion“, mahnte Dulig. Er erinnerte an die Erfahrungen mit den Schutzzöllen für die Solarindustrie, die dann seitens China zu Handelsbeschränkungen für chemische Produkte führten. Deutschland sei als Exportland auf faire Bedingungen am Handelsmarkt angewiesen, betonte der Politiker.

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Weniger Holz aus Sachsen zu exportieren, wie das Handwerk gefordert hat, ist auch keine Option. Der Staatsbetrieb Sachsenforst schlage etwa jedes Jahr zwischen 1,2 bis 1,4 Millionen Kubikmeter Holz, die Exportquote liege nur bei fünf Prozent. „Das ist kein wirklicher Hebel, die Probleme entstehen an anderer Stelle“, betonte Umwelt- und Energieminister Wolfram Günther (Grüne). Den Holzschlag drastisch zu erhöhen, sei wegen der niedrigen Preise für Rundholz nicht attraktiv und auch nicht nachhaltig. Denn für jeden geschlagenen Baum müsse ein neuer gepflanzt werden, so der Minister.

Am Montagabend hatten sich Dulig und Günther mit Vertretern von Wirtschaft und Handwerk zu einem virtuellen Runden Tisch getroffen. Die Dresdner Handwerkskammer hatte angesichts der drastisch gestiegenen Preise für Holz vor einer dramatischen Situation für viele Betriebe gesprochen und die Politik zum Handeln aufgefordert.

Dulig: „Der Hilferuf ist bei uns angekommen“

Dulig kündigte an, die gestiegenen Rohstoffpreise und die Auswirkungen für die Bauindustrie auf der Wirtschaftsministerkonferenz am Mittwoch diskutieren zu wollen. Mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) soll nun beraten werden, wie die Branchen geschützt werden können und welche Instrumente es in Deutschland und Europa gebe, um Rohstoffe für die Bauwirtschaft zu sichern.

„Der Hilferuf ist bei uns angekommen“, sagte der Wirtschaftsminister. Es werde geprüft, ob in ein neues Vergabegesetz eine sogenannte Preisgleitklausel verbindlich aufgenommen werden kann. Dann könnten Handwerksbetriebe unter bestimmten Bedingungen gestiegene Kosten etwa aufgrund von Preisauftrieb bei Aufträgen für die öffentliche Hand umlegen. Dulig appellierte an die Vergabestellen, schon jetzt diese Klausel zu nutzen oder in Nachverhandlungen eine Preisgleitklausel zu vereinbaren.

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Die steigenden Preise führte Günther vor allem auf einen Bau- und Wirtschaftsboom in den USA und in Asien zurück. Der Markt sei praktisch leer gefegt, aber vor allem für bearbeitetes Holz. Für Rundholz würden die Lieferanten immer noch weniger bekommen als im Jahr 2018 - vor der Borkenkäfer-Krise.

In etwa einem Monat soll es in Sachsen erneut einen Runden Tisch zu dem Thema geben.

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