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Konkurrenz um Pannenhilfe für Radfahrer wächst

Nicht jeder hat die Fähigkeiten, sein Rad bei einem Platten wieder fit zu kriegen. Für Radfahrer gibt es immer mehr Hilfe bei Pannen.

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ADAC-Pannenhelfer Maik Musculus leistet in Leipzig Pannenhilfe an einem E-Bike.
ADAC-Pannenhelfer Maik Musculus leistet in Leipzig Pannenhilfe an einem E-Bike. © Jan Woitas/dpa

Magdeburg/Leipzig. Pfff... Es passiert immer überraschend und wenn es am besten rollt. Routinierte Radfahrerinnen und Fahrer wissen, was bei einem Platten zu tun ist. Viele wissen es aber auch nicht und benötigen Pannenhelfer. Dieses Geschäftsfeld hat nun auch der ADAC entdeckt. Nach einer Pilotphase bietet der ADAC-Fahrradpannenhilfe jetzt flächendeckend an. Dieser für Mitglieder kostenlose Service gilt für klassische Drahtesel ebenso, wie für E-Bikes, Pedelecs, Lasten- oder Liegeräder. "Wir hatten auch schon mit Seniorenmobilen oder Rollstühlen zu tun", berichtet Jan Möllhoff, Teamleiter Pannenhilfe für Sachsen-Anhalt.

Ein Fahrrad-Flick-Set gehörte zwar bisher auch schon zur Grundausstattung jedes Pannendienstfahrzeugs. Nun steht das Angebot aber offiziell im Leistungskatalog. Hintergrund seien sich verändernde Ansprüche der Mitglieder, die nicht mehr ausschließlich auf Kraftfahrzeuge fokussiert sind. "Wir sind Mobilitätsdienstleister für alle", sagt Möllhoff.

Spezielle Fahrrad-Pannenhelfer hat der ADAC nicht eingestellt. Die Aufgabe wird von den 97 sächsischen und 27 sachsen-anhaltischen "Gelben Engeln" miterledigt. Sie wurden dafür speziell geschult. Die Nutzungszahlen sind noch verhalten. Im Regionalbereich stehen 87 Zweiradeinsätze für die ersten vier Monate 2023 zu Buche, mehr als 60 in Sachsen und gut 20 in Sachsen-Anhalt.

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Verglichen mit 55.600 Auto-Pannenhilfen im selben Zeitraum, etwa 39.400 Sachsen und 16.200 Sachsen-Anhalt, ist das eine überschaubare Zahl. Möllhoff bleibt aber optimistisch, dass sich das Angebot durchsetzen wird. Bisher habe das Wetter in diesem Jahr nicht gerade zum Radfahren eingeladen. Außerdem beginne die Fahrradsaison erst.

Die klassische Radfahrerlobby beobachtet die Aktivitäten des Automobilclubs nicht ohne Argwohn. "Wir haben eine Fahrrad-Pannenhilfe schon seit 2015 im Programm. Dass jetzt immer mehr Anbieter das ADFC-Pannenhilfe-Konzept kopieren, ist erstmal ein gutes Zeichen. Denn es zeigt, dass das Fahrrad in der Alltagsmobilität der Deutschen eine immer größere Rolle spielt", sagt Pressesprecher Johannes Wallat.

Ganz klare Unterschiede zwischen ADFC und ADAC gibt es laut Sprecher Wallat aber in der politischen Ausrichtung. "Während sich der Automobilclub für die Interessen seiner autofahrenden Mitglieder einsetzt und für die Radfahrenden in erster Linie Dienstleistungen anbietet, streitet der Fahrradclub ADFC auf allen politischen Ebenen für mehr und breitere Radwege."

Der Ablauf ist bei beiden Dienstleistern ähnlich. Wer eine Fahrradpanne hat, schildert am Telefon, was los ist, damit die Helfer mit dem richtigen Werkzeug und gegebenenfalls Ersatzteilen ausgestattet anrücken können. Sollte eine Reparatur vor Ort nicht möglich sein, wird das Rad in eine Werkstatt transportiert. Der ADFC verfügt dafür über ein Netzwerk von mehr als 400 Fahrradwerkstätten bundesweit. Beim ADAC ist das Werkstattnetz weitaus dichter, aber nicht unbedingt auf Fahrräder spezialisiert.

Mehreren Hundert Radlern helfe der ADFC bundesweit jährlich mit seinem Angebot. Rund die Hälfte der Pannenhilfeleistungen entfalle auf Radreisende. Die häufigsten Pannen seien defekte Reifen, so der Sprecher.

Damit hatte auch Maik Muskulus bisher am häufigsten zu tun, der als Pannenhelfer für den ADAC in Sachsen und Sachsen-Anhalt unterwegs ist. Gerissene Ketten und Probleme mit der Bremse nennt er als weitere, häufig auftretende Defekte. Bei Elektro-Fahrrädern sei Hauptsorgenkind der Akku. Meist könne vor Ort geholfen werden. Den Fahrradsektor sieht der gelernte Kfz-Mechaniker als interessante Bereicherung seines Aufgabenbereichs.

Einsätze hat Muskulus nicht nur in größeren Städten. "Wir fahren auch raus aufs Land, solange der Ort erreichbar ist", berichtet der Pannenhelfer. Jüngst wurde er zum Beispiel von einem E-Biker gerufen, der bei einer Freizeittour zu weit hinausgefahren und 40 Kilometer von zu Hause entfernt liegen geblieben war.

Der alte Spruch "Wer sein Rad liebt, der schiebt" sei bei der modernen Technik nicht mehr so einfach umzusetzen und eine eigene Reparatur ohne Spezialwerkzeug oft nicht möglich. Auch wenn sich mancher noch scheue, bei einer Fahrradpanne den Abschleppdienst zu rufen und viele erst einmal selber versuchen, ihr Gefährt wieder in Gang zu bringen, werde das Angebot schon von den unterschiedlichsten Leuten genutzt. Muskulus' jüngster Kunde war ein Jugendlicher, der auf der Skaterbahn ein Problem mit seinem BMX-Rad hatte. "Besonders glücklich über meine Hilfe war eine ältere Dame, die auf dem Weg zum Bäcker mit ihrem Elektrorollstuhl liegen geblieben war", erzählt der Pannenhelfer. (dpa)