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Kostenfalle Ladesäule

An öffentlichen Ladesäulen kommen oft verschiedene Preismodelle zum Einsatz. Versorger arbeiten an mehr Transparenz.

BMW i3 an einer Stromtankstelle: Mancher Ladevorgang kann unerwartet teuer werden.
BMW i3 an einer Stromtankstelle: Mancher Ladevorgang kann unerwartet teuer werden. © Lino Mirgeler/dpa

Wer mit dem Diesel oder einem Benziner unterwegs ist, hat es relativ einfach. Den Spritpreis über eine App checken und dort tanken, wo es günstig erscheint – das ist eingeübte Praxis. Mit einem Elektroauto sieht das häufig noch anders aus. „Der Kunde kann oftmals kaum oder nur mit sehr viel Aufwand feststellen, was ihn das Laden kosten wird“, sagt ein Sprecher des Automobilklubs ADAC. „Regelmäßig tappen Verbraucher hier in Kostenfallen.“ Die Preise müssten, wie an der Tankstelle, vorher sichtbar sein.

Inzwischen sei beim Stromtanken vieles einfacher geworden, versichert dagegen Kerstin Andreae, die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Energieverbandes BDEW. Die meisten Fahrer eines Elektroautos hätten einen Vertrag mit einem Ladestromanbieter und damit „volle Preistransparenz“. Wie beim Haushaltsstrom werde vorab ein Preis für die Kilowattstunde festgelegt. Der Autofahrer könne dabei einen Anbieter danach aussuchen, was ihm wichtig sei: Preis, Marktabdeckung oder Grünstrom.

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Auch die Zeiten, in denen es „schwierig war, mit einer Ladekarte durch Deutschland zu kommen“, seien längst vorbei, betont Andreae. Mehrere Anbieter hätten inzwischen eine Marktabdeckung von deutlich über 80 Prozent erreicht. Mit ihren Karten könne das Elektroauto an neun von zehn Ladepunkten nachgetankt werden.

An den öffentlichen Ladesäulen kämen sehr unterschiedliche Preismodelle zum Einsatz, erklärt Thorsten Storck vom Vergleichsportal Verivox. Die Kosten könnten nach dem Arbeitspreis pro Kilowattstunde, einem Grundpreis, Minutenpreisen oder dem Preis pro Ladung und Anschlussleistung berechnet werden. Storcks Fazit: „Das Aufladen des Elektroautos unterwegs verlangt vom Kunden deutlich mehr Vorausplanung und Engagement als bei einem Pkw mit Verbrennungsmotor.“

Viele Fahrer von Elektroautos ärgerten sich auch darüber, dass sie einen Vertrag mit Ladekarte abschließen müssten, statt wie überall sonst mit einer EC- oder Kreditkarte zahlen zu können, heißt es beim ADAC. Das Zahlen über Smartphone-Apps oder Webseiten sei in der Praxis oft unkomfortabel oder unzuverlässig und meist deutlich teurer als bei einem Vertrag. „Deswegen wird es auch kaum genutzt.“

Bei Deutschlands größtem Energieversorger Eon sieht man durchaus Bedarf an kundenfreundlicheren Ladetarifen. „Eon Drive arbeitet momentan an der Umstellung auf ein einfaches und für alle Kunden möglichst transparentes Tarifmodell“, sagt ein Sprecher. Dazu sei man mit mehreren Hundert Ladesäulenbetreibern in ganz Deutschland im Austausch. Eon verfügt nach der Übernahme der RWE-Tochter Innogy bundesweit über rund 2.500 eigene Ladesäulen.

"Während des Wocheneinkaufs das Elektroauto aufladen, das soll in Zukunft selbstverständlich sein."

Die Elektromobilität spielt eine Schlüsselrolle, um Klimaziele im Verkehr zu erreichen. Im Gegensatz zu anderen Sektoren sind die CO2-Emissionen im Verkehr in den vergangenen Jahren kaum gesunken. Die Nachfrage nach E-Autos war zuletzt auch wegen höherer staatlicher Prämien gestiegen. Bundesregierung und Vertreter der Autobranche hatten vereinbart, den Aufbau eines flächendeckenden und kundenfreundlichen Ladenetzes für Elektroautos zu beschleunigen.

In ganz Deutschland gibt es laut BDEW-Statistik derzeit rund 28.000 öffentliche Ladepunkte. An einer Reihe von ihnen können E-Autos gratis aufgeladen werden. Lebensmittel-Discounter wie Lidl oder Aldi installieren auf Parkplätzen ihrer Filialen Ladesäulen, an denen die Kunden während des Einkaufs ihr Auto anschließen können, ohne dafür zu zahlen.

„Während des Wocheneinkaufs einfach das Elektroauto aufladen, das soll in Zukunft ganz selbstverständlich sein“, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) kürzlich in Passau, wo Aldi seine Pläne für den Bau weiterer Ladesäulen vorstellte. Ladestationen im Einzelhandel trügen maßgeblich dazu bei, „dass die Elektromobilität alltagstauglich wird“. Aldi Süd will in diesem Jahr rund 200 Ladesäulen auf Parkplätzen installieren.

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Discounter sind aber nicht die Einzigen, bei denen es Ladestrom umsonst gibt. Laut einer Umfrage des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI geben etwa 55 Prozent der Händler mit Ladesäulen auf ihren Parkplätzen den Strom gratis ab. Derzeit sei es für viele Händler noch ein Mittel, um Kunden an sich zu binden, sagt Laura Fleischmann, die die EHI-Studie erstellt hat. „Mittelfristig ist aber davon auszugehen, dass immer weniger Händler den Strom an den Ladestationen kostenfrei abgeben werden.“ Insgesamt sind auf Kundenparkplätzen im Handel nach EHI-Angaben etwa sieben Prozent der Ladestationen in Deutschland installiert. Und es müssen noch mehr werden. Denn der Bundestag berät über ein Gesetz, mit dem Geschäfte mit mehr als zehn Stellplätzen verpflichtet werden sollen, eine Ladesäule zu installieren. Laut EHI wären von dieser Vorgabe rund 6.000 Geschäfte in Deutschland betroffen. (dpa)

Infrastruktur in Sachsen:

Im Freistaat treiben Versorger wie die Drewag (Dresden), Enso (Ostsachsen) und Envia-M (Mittelsachsen) den Ausbau des öffentlichen Ladenetzes voran. Weiterer wichtiger Anbieter: die Telekom-Tochter Comfort Charge.

Laut Bundesnetzagentur gibt es in Sachsen 554 öffentliche Ladestationen – Michael Papke vom E-Auto-Verleiher Nextmove schätzt die tatsächliche Anzahl etwas höher.

Einen guten Überblick zur verfügbaren Infrastruktur bietet das Portal Going Electric. Auf deren Seite findet sich unterm Menüpunkt Stromtankstellen eine Europakarte, die ständig aktualisiert wird.

Eine Besonderheit in Sachsen ist, dass es im Verhältnis zur Gesamtzahl der Ladepunkte besonders viele Schnelllademöglichkeiten gibt. Das habe nicht nur Vorteile, sagte Papke kürzlich in einem Interview mit der SZ. So fehle es in Städten wie Dresden an genügend öffentlich zugänglichen Normalladepunkten. In Chemnitz uind Leipzig sei die Versorgungslage in diesem Segment besser. 

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