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Kunsthandwerk trommelt für seine Zunft

Die europäischen Aktionstage finden erneut nur online statt. Dennoch sind sie eine Chance.

Erzgebirge grüßt Hongkong: Hello Kitty einmal anders.
Erzgebirge grüßt Hongkong: Hello Kitty einmal anders. © Kleinkunst aus dem Erzgebirge Müller GmbH

Für viele Handwerker ist es schon eine Kunst, in der seit gut einem Jahr grassierenden Pandemie und mit den damit verbundenen Ladenschließungen zu überleben. Vielerorts schmilzt die Eigenkapitaldecke, sind private Reserven aufgezehrt. Auch für Zünfte, die sich der Kunst verschrieben haben wie Holz- und Steinbildhauer, Keramiker, Täschner, Goldschmiede, Wachszieher, Klavierbauer, Gürtler, Tuchdrucker, Modisten – in Summe gut 1.500 Betriebe in Ostsachsen. Sie geben jährlich im April Einblicke in ihr kreatives Tun – so von Donnerstag bis zum Sonntag.

In Sachsen beteiligen sich über 200 Betriebe an den Europäischen Tagen des Kunsthandwerks, die 2002 in Frankreich initiiert wurden und in 21 Ländern stattfinden. Zwar dürfen die Werkstätten auch in diesem Jahr nicht für Zuschauer öffnen. Sie können sich aber via Youtube, im Instagram-Kanal der Kammern und über Facebook präsentieren – wie 64 Betriebe im Beritt der Dresdner Kammer. So wird das Ereignis auch zur Nagelprobe, wie es das Handwerk mit der Digitalisierung hält.

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„Corona hat gezeigt, wie wichtig uns Dinge sind, die wir bis dato für selbstverständlich gehalten haben – so das Bummeln und Stöbern in kleinen Ladengeschäften, das gesellige Zusammenkommen bei Veranstaltungen wie den Europäischen Tagen des Kunsthandwerks“, sagt Jörg Dittrich, Präsident der Dresdner Kammer. Das sei so nicht möglich. Aber über Onlineshops und Click & Collect könne man Handwerker vor Ort unterstützen, damit sie auch nach Corona wieder öffnen.

Darauf hofft auch Ringo Müller aus Seiffen, der mit seiner Kleinkunst aus dem Erzgebirge Müller GmbH unlängst mehrere Designpreise in China gewonnen hat: für eine außergewöhnliche Promotion der berühmten Comicfigur Hello Kitty. „Das Hongkonger Publikum war begeistert von der Bratapfelduft räuchernden Kitty im erzgebirgisch-asiatischen Cross-over-Design“, sagt der Chef, der den Familienbetrieb in 4. Generation führt. Seine 35 Beschäftigten arbeiten bereits an Schwibbögen, Pyramiden und Räuchermännern, die in den USA bestellt wurden. Müller will bald wieder für einheimische Kunden öffnen und setzt auf den Werbeeffekt der Online-Aktion.

Sachsens Wirtschaftsministerium unterstützt das Projekt finanziell. „Gerade in diesen Zeiten sind Kunsthandwerker und Kreativschaffende auf jede Wertschätzung für ihre Produkte und Dienstleistungen angewiesen“, sagt Minister Martin Dulig (SPD). Er wünsche sich, „dass die Aktion ein Zeichen des Zusammenhalts setzt“.

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