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Bauern-Protest bei Steinmeier-Besuch

Landfrauen übergaben in Schmochtitz bei Bautzen eine Erntekrone an den Bundespräsidenten. Draußen machten Landwirte ihrem Ärger Luft.

Bundespräsident Frank-Walter Steimeier bei der Übergabe einer Erntekrone am Sonntag im Bildungsgut Schmochtitz.
Bundespräsident Frank-Walter Steimeier bei der Übergabe einer Erntekrone am Sonntag im Bildungsgut Schmochtitz. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die Sonne scheint am Sonntagmorgen in den Innenhof des Bildungsgutes Schmochtitz Sankt Benno. Frauen in Kleidern haben feingliedrig gesteckte Erntekränze auf dem Kopf, Männer in Anzügen laufen geschäftig umher. An einem Stand sind Äpfel, Kartoffeln und Rüben drapiert – an einem anderen Blüten-Gestecke. 

Elke Lindenberger läuft an den Ständen entlang, ihr Ziel fest im Blick. Vor dem Fototermin muss die Vorsitzende des Landfrauenvereins Schwarzkollm noch in die Maske, sie hat nur kurz Zeit. Die Erntekrone, die sie im Namen der Landfrauen und des Bauernverbandes gleich dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier (SPD) überreichen wird, will sie dennoch kurz zeigen. Lindenberger freut sich über den Besuch des Bundespräsidenten: „Er interessiert sich für den ländlichen Raum“, sagt sie. 

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Landfrauen stolz auf Präsidenten-Besuch

Doch nicht alle reagieren an diesem Tag mit so viel Freude. Vor dem Gelände haben sich etwa 50 Landwirte mit rund einem Dutzend Traktoren aufgestellt, sie halten Transparente in die Luft. „Wölfe töten Weidetiere“, steht auf einem Plakat, „Wolf + ASP rennt und Politik pennt“ auf einem anderen. ASP steht für Afrikanische Schweinepest. Es läuft bei Weitem nicht alles glatt in der Politik, sagen die protestierenden Landwirte – und wollen das auch dem Besuch aus Berlin deutlich machen.

Fröhlicher begegnet Elke Lindenberger dem Bundespräsidenten. Mit 13 anderen Landfrauen aus fünf Ortsvereinen hat sie Sträußchen gewickelt, mit Draht an einem Gestell befestigt und so die Krone gebunden. Auf einem Holzpflock ist das Prachtexemplar nun aufgestellt. Regelmäßig angeordnet bahnen sich die Getreideköpfe ihren Weg nach oben, die vier Stränge laufen in einem Getreidestrauß zusammen. 

Eine Erntekrone für den Bundespräsidenten: Monika Michel, Präsidentin der Sächsischen Landfrauen, und Elke Lindenberger von der Ortsgruppe Schwarzkollm.
Eine Erntekrone für den Bundespräsidenten: Monika Michel, Präsidentin der Sächsischen Landfrauen, und Elke Lindenberger von der Ortsgruppe Schwarzkollm. © SZ/Uwe Soeder

„Das sind Gerste, Roggen, Weizen und Leinen“, erklärt Lindenberger. „Wir wollten es möglichst natürlich haben, um die Schönheit der Ären zu zeigen.“ Andere Landfrauen gesellen sich dazu. „Es ist uns wichtig, die Tradition zu erhalten“, sagt Heike Sparmann, Geschäftsführerin des Sächsischen Landfrauenverbands. „Und dass die Botschaft erhalten bleibt, dankbar für Lebensmittel zu sein."

„Es ist schon eine Ehre, dass ich die Krone übergeben darf – ich freue mich riesig“, sagt Elke Lindenberger. Zwar habe sie in der Nacht trotz der Aufregung schlafen können, aber „ich habe meine Rede schon mehrfach wiederholt“, gibt sie zu und lacht. Als es dann so weit ist, zittert ihre Stimme dennoch ein wenig vor Aufregung.

Sorge vor Folgen der Schweinepest

Draußen hingegen sprechen die Landwirte laut, deutlich – fordernd. „Wir sind von 'Land Schafft Verbindung'“, erklärt ein Mann, „man kennt uns von den Traktorendemos“. Aus ganz Sachsen seien die Landwirte angereist. Was sie fordern? Die Liste ist lang. Der Kemnitzer Tierarzt und Landwirt Hagen Stark findet: „Die Politik verschläft Maßnahmen gegen die afrikanische Schweinepest; sie wartet ab, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist.“ Was er meint, ist: „Wenn irgendwo ein totes Wildschwein mit dem Erreger gefunden wird, gibt es dort ein Bewirtschaftungsverbot. Wir dürfen nicht sähen, ernten oder düngen. Das betrifft also nicht nur Schweinehalter“, sagt er. 

Dennoch meldet sich ein Schweinehalter zu Wort: Christian Ahrens aus dem Großharthauer Ortsteil Schmiedefeld sorgt sich um seine Tiere und dass diese gekeult werden müssen. „Wir hätten schon vor einem Jahr eine feste Grenze gebraucht, auch zu Polen“, sagt Hagen Stark. Entscheidungen müssten jetzt gefällt werden, da dürften keine langen Plenardebatten vorausgehen – sind sich die Landwirte einig.

Protest mit Transparenten und Traktoren: Etwa 50 Landwirte versammelten sich am Rande des Steinmeier-Besuchs, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen.
Protest mit Transparenten und Traktoren: Etwa 50 Landwirte versammelten sich am Rande des Steinmeier-Besuchs, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen. © SZ/Uwe Soeder

Und noch mehr möchten sie dem hohen Besuch vermitteln: „Ich bin Rentner, habe aber bei Leipzig einen Hof mit alten Haustierrassen“, berichtet Roland Eibold. „Wir versiegeln immer mehr Flächen. Das bedeutet, dass der Lebensraum für den Wolf kleiner wird“, sagt er. „Aber die Population wächst.“ 

Er selber hat noch keinen Wolfsangriff auf seine Tiere erlebt, aber dass die gesetzlichen Mindestschutzmaßnahmen nicht reichten, um die Tiere zu schützen, wisse er aus dem Bekanntenkreis. „Die Population muss reguliert sagen“, findet er – das finden auch andere auf der Demo. Bedeutet das also, dass die Männer eine Abschusserleichterung wollen? „Nicht unbedingt“, sagt Eibold, „ob einfangen oder abschießen, das müsste erst einmal diskutiert werden.“

Steinmeier: "Lebensmittel müssen ihren Preis haben"

Dem Bundespräsidenten jedenfalls können die Demonstranten ihre Wünsche nicht mitteilen – sein Wagen manövriert sich durch die Menge ohne anzuhalten. Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) findet ein paar Minuten, um sich mit der Gruppe zu unterhalten.

Und auch der Bundespräsident geht in seiner Rede in Schmochtitz auf die Probleme der Landwirtschaft ein. „Dieses Jahr war kein Einfaches“, zeigt Frank-Walter Steinmeier Verständnis. Es habe zu wenig Regen gegeben und auch Corona wirke sich auf die Landwirtschaft aus. Das Jahr habe vielen vor Augen geführt, „dass weltweite Lieferketten verwundbar sind.“ Die Krise habe vor allem eines gezeigt: wie wichtig heimische Produkte sind – und dass diese „ihren Preis haben müssen“. 

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