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Polizist steht an Spitze des Bauernverbands

Eric Krems hat eine ganz andere Karriere eingeschlagen, doch die Liebe zur Landwirtschaft führte ihn zurück in die Oberlausitz - und auf einen Chefsessel.

Eric Krems ist seit Oktober Geschäftsführer des Bauernverbands Oberlausitz.
Eric Krems ist seit Oktober Geschäftsführer des Bauernverbands Oberlausitz. © Matthias Weber

Die erste Woche im neuen Job hatte es in sich: die Afrikanische Schweinepest beschäftigte den neuen Geschäftsführer des Bauernverbandes Oberlausitz ebenso wie das Dauerbrenner-Thema Düngeverordnung und die Erntebilanz. Eric Krems arbeitet sich ein. Der Übergang von seinem Vorgänger Rainer Peter, der Ende September nach 41 Berufsjahren seinen Ruhestand angetreten hat, ist nicht genau so verlaufen, wie es sich die beiden gewünscht hatten: "Corona hat uns das verhagelt", meint Krems. Sonst hätte er schon weitaus mehr Veranstaltungen und Besuche absolviert. "Mir ist es wichtig, auch persönlich mit den Mitgliedern zu sprechen - und nicht nur am Telefon", erklärt er.

Dass der 32-jährige Seifhennersdorfer jetzt den traditionellen Lobbyverband der Landwirte anführt, war noch vor Kurzem keineswegs abzusehen. Krems war für die Ausbildung bei der Polizei nach Baden-Württemberg gegangen, gemeinsam mit seiner heutigen Frau. "Ich habe die Ausbildung zum mittleren Dienst absolviert, war zwei Jahre im Einsatz bei Fußballspielen und auf Streife", skizziert er. Dann aber brachte ihn ein persönlicher Schicksalsschlag zum Nachdenken: "Mein Vater ist 2012 mit 56 Jahren plötzlich verstorben", sagt er. Seine Mutter stand deshalb nicht nur mit dem Unternehmen da - eine der wenigen Viehspeditionen, die es schon zu DDR-Zeiten gegeben hatte -, sie musste sich auch um den familiären Bauernhof kümmern, wobei ihr die Kinder so gut wie möglich halfen.

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Auf Bauernhof aufgewachsen

Landwirtschaft hat die Familie stets betrieben - Eric Krems ist damit aufgewachsen. "Das hat mir immer Spaß gemacht", erinnert er sich. Das tat es auch wieder, als er sich nach dem Tod des Vaters entschied, in die Heimat zurückzukehren. Seine Frau fand rasch eine Stelle bei einem Pflegedienst in Zittau. Er arbeitete als Polizist zunächst in Zittau, dann in Seifhennersdorf. Im Nebenerwerb versorgte er den Familienhof. Dann entschied sich der Vater zweier kleiner Kinder für einen Neuanfang, machte 2018 nach Praxis-Ausbildung in Spitzkunnersdorf und Studium seinen Bachelor. An der Master-Arbeit feilt er aktuell noch: "Dafür werde ich Wetterdaten einer hiesigen Station aus den letzten 60 Jahren auswerten und die Auswirkungen auf die Landwirtschaft aufzeigen", beschreibt er.

Denn eines ist für Eric Krems sicher: Neben den Agrar-Debatten auf der politischen Ebene wird die Natur mit Trockenperioden und Wetterphänomenen wie Starkregen die größte Herausforderung für die Landwirtschaft sein. An eine Partei gebunden fühlt sich Krems jedoch nicht: "Ich bedauere, dass vieles in der Politik so ideologiegeführt und weniger wissenschaftlich oder pragmatisch angegangen wird", beschreibt er. Er persönlich sei auch durch sein Studium zu der Erkenntnis gekommen, dass die Zukunft der Landwirtschaft weder beim rein konventionellen noch beim rein ökologischen Wirtschaften liege: "Meine Lösung: Konventionell und ökologisch müssen sich einander weiter annähern", beschreibt er. Klar sei doch, dass die Bauern mit der Natur in Einklang stehen müssen und keinen Raubbau betreiben dürfen - sonst werden sie nichts ernten. Dennoch müssen sie wirtschaftlich konkurrenzfähig bleiben.

Generationenwechsel bei Bauernlobby

Dass er als junger Landwirt ausgerechnet den traditionellen Bauernverband anführt, der in der Öffentlichkeit als konservativ und mitunter als weniger fortschrittlich gilt, ist für Eric Krems kein Widerspruch. Im Gegenteil: "Als ich die Stellenanzeige für den Geschäftsführer-Posten gelesen habe, fand ich dort genau die Ziele, die ich auch persönlich richtig finde", erklärt er: "Ländliche Entwicklung, gute Ausbildung für die Jugendlichen in unserer Branche und die Interessenvertretung für unseren Berufsstand." Dass es die Landwirte vor allem seiner Generation zuletzt eher zum Verein "Land schafft Verbindung" (LSV) mit seinen Traktordemos und bundesweiten Aktionen zog, ist für Krems kein Widerspruch. "Ich sehe im LSV keine Konkurrenz - wir sollten uns auch nicht auseinanderbringen lassen", sagt er und setzt eher auf gegenseitige Unterstützung. Zum hiesigen LSV-Sprecher Hagen Stark hat er guten Kontakt.

Fördern will der neue Geschäftsführer aber auf alle Fälle das Verständnis für seine Branche: "Die Verbindung zur Landwirtschaft fehlt mittlerweile, zu viele Menschen nehmen nicht mehr wahr, was wir leisten", analysiert er. Dass sich an einem modernen Kuhstall wie in Herwigsdorf so die Gemüter erhitzen und kaum mehr sachlich argumentiert werden kann, findet er alarmierend. Für das Image des Berufsstandes ist es  ohnehin Gift, immer als Buh-Mann und Umweltzerstörer dazustehen. "Dabei sind wir zu hundert Prozent transparent", sagt er mit Blick auf Bürokratie und Nachweispflichten. Eric Krems will das Bild der Bauern geraderücken. Und er wird sich mit Düngeverordnung und Insektenschutz, der derzeit unklaren EU-Agrarförderung und der Macht der Discounter auseinandersetzen müssen.

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