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Der nervige Kampf gegen Hundekot-Hotspots

Zum Gassi gehen aufs Land fahren, machen viele im Südkreis Görlitz gern. Dabei vergessen sie aber ihre Manieren. Ein Beispiel aus Spitzkunnersdorf.

Mit einem Augenzwinkern und diesem Schild bitten die Spitzkunnersdorfer Landwirte, nicht einfach übers Grünland zu laufen oder den Hund dort auszuführen.
Mit einem Augenzwinkern und diesem Schild bitten die Spitzkunnersdorfer Landwirte, nicht einfach übers Grünland zu laufen oder den Hund dort auszuführen. © Matthias Weber/photoweber.de

Andreas Arnold stinkt's. Ständig findet er auf dem Grünland seines Landwirtschaftsunternehmens Hundekot. Dicht gesät vor allem dort, wo ein Parkplatz in der Nähe ist. Der Grund ist eine Art Gassi-Geh-Tourismus, beobachtet der Landwirt und Vorstandsvorsitzende der Vermögensgemeinschaft Spitzkunnersdorf. "Ein Hotspot ist zum Beispiel in der Nähe des Wanderparkplatzes in Richtung Großer Stein an der Straße der Republik", sagt er. Da kämen Hundebesitzer bis aus Löbau, um ihren Hund auszuführen und die Ruhe zu genießen, hat er in Gesprächen erfahren. "Am schlimmsten sind aber die Hunde-Gassi-Pensionen, die gleich mit mehreren Tieren kommen", schildert er.

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Andreas Arnold redet mit den Menschen, die ihren Vierbeiner ausführen und ihn dabei einfach quer über die Wiese rennen lassen, die eigentlich zu Viehfutter werden soll. "Viele verstehen, worum es geht, wenn ich es ihnen erkläre und entschuldigen sich auch, weil ihnen gar nicht bewusst war, dass es eben nicht nur eine Wiese ist", sagt er. Aber es gebe zunehmend auch Menschen, die wenig Verständnis aufbrächten. Sätze wie "Ihr werft doch ohnehin alles in die Biogasanlage, da ist es doch egal!" oder "Ihr fahrt doch auf der Fläche auch Gülle aus, da kommt es doch darauf nicht an!" kennt er zur Genüge.

Falsche Vorstellungen, pampige Antworten

Dabei ist das völlig falsch: "Wir verfüttern das Grünfutter zu 99 Prozent an unsere Kühe, das ist Leistungsfutter", betont er. Da Hunde Fleischfresser sind, tragen sie generell weitaus mehr gefährliche Erreger in sich, die über die Nahrung der Kühe dann auch bis in die Lebensmittelproduktion gelangen können. Da man bei der Grasmahd die Tretminen aber nicht sieht, kann man Verschmutzung des Futters nicht verhindern. Der Kemnitzer Landwirt und Tierarzt Hagen Stark bestätigt das Problem aus medizinischer Sicht: "Das Futter wird verunreinigt, nicht nur durch Viren und Bakterien, sondern gegebenenfalls auch durch Salmonellen", hebt er hervor. Das kann für Mensch und Tier gefährlich werden.

Um einmal zu schauen, ob es wirklich durch Hundekot zu einer höheren Erregerbelastung kommt, haben die Spitzkunnersdorfer schon einmal die Grasernte von einem solchen Kot-Hotspot untersuchen lassen. "Da haben wir einen deutlichen Anstieg an Erregern gesehen", beschreibt der Landwirt.

Was aber dagegen tun - abgesehen von den Aufklärungsgesprächen, die nicht nur Arnold, sondern viele Bauern im Südkreis regelmäßig führen, wie die SZ-Nachfrage bei einigen Unternehmen ergab. "Wir haben an den besonders problematischen Stellen Schilder aufgestellt - aber nicht solche mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit einem Augenzwinkern", benennt der Spitzkunnersdorfer seinen Weg. Wenn wenigstens die Hundehalter die Tretminen einsammeln würden, wäre schon einiges gewonnen. So wie viele seiner Kollegen wünscht er sich einfach mehr Respekt vor dem Eigentum anderer.

Respekt vor Besitz und Arbeit anderer fehlt

Vielen Menschen seien offenbar die Kreisläufe und Zusammenhänge in der Landwirtschaft gar nicht mehr so bewusst. "Ich merke das auch immer dann, wenn sich Leute auf den noch nicht abgeernteten Feldern einfach Maiskolben abbrechen - für die Herbstdeko", benennt Arnold ein anderes Beispiel. "Ich geh doch aber auch nicht in den Garten anderer und pflücke dort die Äpfel", fügt er an. Dagegen, dass man nach der Ernte stoppeln geht und Übriggelassenes einsammelt, habe er hingegen absolut nichts einzuwenden: "Das ist ja auch gewollt."

Ansonsten bleibt ihm und den anderen Bauern aber kaum mehr übrig, als Schilder aufzustellen und immer wieder zu erklären. Gelegentlich auch mit drastischen Beispielen: Als eine Hundebesitzerin ihren Liebling auf einem umgefallenen Weizenschlag herumtollen und auch das Geschäft verrichten ließ, sprach Arnold sie an und erinnerte daran, dass aus Weizen Mehl gemacht werde und schließlich auch das Sonntagsbrötchen.

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