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Getreide aus Sachsen: Nach Afrika über Rügen

Der Agrarhändler Baywa gibt 24 Ost-Standorte auf, darunter Kleinwelka. Doch auf Rügen investiert der Konzern. Er hat nämlich mit Getreide aus Sachsen viel vor.

Vier Lastwagen mit Getreide stehen am Kai in Mukran bei Sassnitz. Der Hafen wird nun ausgebaut, damit Weizen aus Sachsen in größeren Mengen nach Afrika verschifft werden kann.
Vier Lastwagen mit Getreide stehen am Kai in Mukran bei Sassnitz. Der Hafen wird nun ausgebaut, damit Weizen aus Sachsen in größeren Mengen nach Afrika verschifft werden kann. © Baywa AG

Dresden. Weniger Lagerhallen, Silos und Arbeitsplätze auf dem Lande: Der bayerische Warenhändler Baywa AG macht seine Ankündigung wahr, kleinere Standorte zu schließen. In Sachsen streicht die Baywa in diesem Jahr 55 Arbeitsplätze und gibt vier Standorte auf: Kleinwelka bei Bautzen, Oschatz, Wurzen und Laußig in Nordsachsen.

In Ostdeutschland insgesamt werden 24 Standorte und Lagerstätten geschlossen, sagte am Dienstag Henning Bligenthal, ein Geschäftsführer der Baywa Agrarhandel GmbH. Zwar hat die Baywa voriges Jahr neue Rekorde und Gewinnwachstum eingefahren. Doch laut Bligenthal lagern viele größere Bauernhöfe einen Teil ihres Getreides lieber in ihren eigenen Hallen, um den besten Verkaufszeitpunkt je nach Preis abzuwarten. Die Baywa brauche daher künftig weniger Lager.

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Standorte wie Kleinwelka nahmen bisher Getreide und Raps an und verkauften Saatgut. Laut Baywa-Geschäftsbericht geht der Trend zu „weniger, aber leistungsfähigeren Standorten, die zudem von den Ortszentren in verkehrsgünstigere Randlagen rücken.“ Von ehemals rund 250 Standorten bundesweit will die Baywa auf weniger als 80 schrumpfen. Auf Ausbau setzt das Unternehmen dagegen beim Ostseehafen Mukran bei Sassnitz auf Rügen. Denn die Baywa will dort den Getreideumschlag verdoppeln.

Zwei Getreidezüge mit je 36 Waggons

Ein Drittel des Getreides, das die Baywa in Sachsen kauft, geht in den Export. Zwei Züge mit je 36 Waggons sind für den Agrarhandelskonzern ständig unterwegs: Beladen werden sie in Reichenbach und Niedercunnersdorf bei Görlitz, in Neumark im Vogtland und am Kämmereiforst bei Eilenburg.

Vom Hafen Mukran bringen Schiffe den sächsischen Weizen zum Beispiel nach Tunesien, Saudi-Arabien, Oman und Kuba. Nach dem Ausbau sollen in Mukran Schiffe von 280 Metern Länge statt jetzt 160 Metern anlegen können.

Kleinere Küstenmotorschiffe fahren für die Baywa vom Anleger Vierow aus nach Großbritannien. Dort war voriges Jahr die Ernte schlecht, England brauchte mehr Importe. Der Baywa-Getreidehandel profitierte von steigenden Preisen nach der Dürre und von starker Nachfrage aus China nach Futtergetreide für Schweine.

Preise für Pflanzenschutz mit Konkurrenz abgestimmt

Auch für dieses Jahr rechnet Bligenthal damit, dass die Getreidepreise auf einem „höheren Preisniveau“ bleiben. Es sehe danach aus, dass die Ackerbauern mal gutes Geld verdienen könnten. Der Handelskonzern verspricht den Bauern, sie auch in Zeiten von Klimawandel und Agrarreform zu beraten und die passende Technik zu liefern. Am Standort Panschwitz-Kuckau gibt es jetzt zwei Spezialisten für Bewässerungstechnik.

„Der Landwirt wird immer moderner“, sagte Geschäftsführer Andreas Nitsche aus Meißen. Der Umsatz im elektronischen Handel nehme zu, auch der Umsatz im Ökolandbau. Weil weniger Pflanzenschutzmittel erlaubt werden, wollen die Baywa-Händler mehr beraten.

Was im Pressegespräch nicht erwähnt wurde: Anfang vorigen Jahres verhängte das Bundeskartellamt Bußgelder gegen mehrere Agrarhändler, weil sie die Preise für Pflanzenschutzmittel untereinander abgestimmt hatten. Die Baywa akzeptierte 69 Millionen Euro Bußgeld. Mehr als 15 Jahre lang waren die Preise im Frühjahr und Herbst abgestimmt worden, auf Kosten der Landwirte.

Corona hat der Baywa nicht geschadet

Baywa Agrarhandel hat künftig in Ostdeutschland 30 Standorte mit rund 300 Beschäftigten. Der Umsatz stieg voriges Jahr von 331 auf 372 Millionen Euro. Die Einnahmen mit Technik und Baustoffen stiegen, die mit Agrarstoffen und Energie sanken – auch wegen billigeren Heizöls. Corona habe der Baywa nicht geschadet, sagte eine Sprecherin. Der Konzern sei stets lieferfähig gewesen. In diesem Jahr beginnt der Ausbau des Technikzentrums Großenhain, der sich verzögert hatte.

Das Baustoffzentrum in Dresden-Weißig wird in der zweiten Jahreshälfte umgebaut. Für den Baywa-Baustoffhandel war 2020 ein sehr erfolgreiches Jahr, sagte Spartengeschäftsführer Markus Hör. Das Unternehmen habe von der "Zuhausebleibpflicht der Mitbürger" profitiert. Viele renovierten ihre Häuser, gestalteten die Badezimmer neu oder kümmerten sich stärker um die Gartenbewässerung. Corona habe keine Baustellen gestoppt.

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Die Baywa AG insgesamt hat voriges Jahr ihren Gewinn von 188 auf 215 Millionen Euro erhöht und will die Dividende für die Aktionäre anheben. Der Umsatz stieg leicht auf 17,2 Milliarden Euro. Der Konzern kaufte ein Berliner Unternehmen für Kabeltiefbau und Elektromontage. Künftig will die Baywa auch digitale Hofladen-Marktplätze aufbauen, um am Absatz von Lebensmitteln mit höheren Gewinnspannen teilzuhaben.

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