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Schweinepest: Sachsen stellt Schlachtplan vor

Die Afrikanische Schweinepest hat Sachsen fast erreicht. So will die Landesregierung im Ernstfall handeln.

Könnten bald in der Falle landen: Sachsens Sozialministerium will sich mit Fangeinrichtungen und festem Zaun gegen die Afrikanische Schweinepest rüsten.
Könnten bald in der Falle landen: Sachsens Sozialministerium will sich mit Fangeinrichtungen und festem Zaun gegen die Afrikanische Schweinepest rüsten. © ZB

Dresden. Seit vergangener Woche ist das sächsische Sozialministerium im doppelten Krisenmodus. Neben steigenden Corona-Zahlen hat jetzt auch die Afrikanische Schweinepest (ASP) zugeschlagen. Zwar 50 Kilometer von Sachsen entfernt, im brandenburgischen Sembten, aber auch Zahlen aus Polen der vergangenen Wochen geben wenig Hoffnung, dass der Freistaat verschont bleibt. 

Schon über 3.200 Fälle Afrikanischer Schweinepest in Polen

Insgesamt wurden im Nachbarland 2020 bereits 3.139 infizierte Wildschweine und 87 positiv getestete Hausschweine registriert. "Die letzten Fälle waren nur 30 bis 40 Kilometer von Sachsen entfernt", sagte Sozialministerin Petra Köpping (SPD) nach der Landeskabinettssitzung am Mittwoch. "Wir müssen wachsam sein." 

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Köpping geht davon aus, dass besonders im Herbst noch mehr Fälle von ASP entdeckt werden, vor allem durch Kadaverfunde von Wanderern und Pilzsammlern, die aktuell vermehrt in sächsischen Wäldern unterwegs sind. Man stelle sich auch auf Fälle in Sachsen ein, sagte sie. Ein neuer Verdachtsfall im Raum Chemnitz konnte durch die Landesuntersuchungsanstalt (LUA) nicht bestätigt werden. 

Zaun darf nicht dauerhaft bleiben

Trotzdem hat die Landesregierung nun einen konkreten Notfallplan erarbeitet - und trifft weitere Vorsichtsmaßnahmen. Köpping zufolge hat der Freistaat einen zusätzlichen 50 Kilometer langen Zaun beschafft, der schnell rund um eine Gefahrenzone errichtet werden kann. Bisher besteht bereits ein 128 Kilometer langer Elektrozaun, nahezu an der gesamten sächsisch-polnischen Grenze, der im März fertiggestellt wurde. 

Allerdings bemängelte etwa der sächsische Landesbauernverband, dass es festere Zäune brauche, um Wildschweine effektiv abzuhalten. Zwar sei das neu eingekaufte Material stabiler und abschreckender als bei der bestehenden Abgrenzung, hieß es dazu von einem Experten des Ministeriums. 

Jedoch sei es nicht möglich, diesen Zaun dauerhaft zu errichten, weil rechtliche Voraussetzungen fehlen. Köpping forderte deshalb die Bundesregierung auf, Sachsen finanziell und bei Genehmigungsverfahren zu unterstützen. Auch die Tierkadaverbeseitigung laste noch immer auf den Schultern der Landkreise. 

Abschussprämie kommt - unter Bedingungen

Beim Thema Abschussprämie, die von der Bauernlobby gefordert wurde, gibt es hingegen Bewegung. So sollen Jäger in den Landkreisen Bautzen und Görlitz demnächst 100 Euro erhalten, wenn sie Wildschweine schießen und danach mit den örtlichen Veterinärämtern zusammenarbeiten. Wegen ASP müssen Jäger nach dem Erlegen auch die Organe der Tiere mitnehmen.

Bereits seit einiger Zeit erhalten Jäger in ganz Sachsen 30 Euro Prämie, wenn sie Wildschweinkadaver beproben und entsorgen lassen, die nicht durch einen Schuss, sondern aufgrund von Unfällen oder Krankheit gestorben sind. 

Köpping will nach eigenem Bekunden alles dafür tun, um ASP aus Sachsen fernzuhalten - vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Sie setze sich beim Bund dafür ein, dass sich Exportverbote in Drittstaaten aus dem EU-Ausland nur noch auf betroffene Betriebe beschränken. Japan, Südkorea und China importieren wegen des Brandenburg-Falls kein Schweinefleisch mehr aus Deutschland. Köpping befürchtet Nachzügler.

Insgesamt gibt es in der betroffenen Region in der Oberlausitz 50 Betriebe mit insgesamt 13.000 Tieren. Wenn ASP auch in Sachsen ankommt, hat sich die Regierung verpflichtet, sofort einen Krisenstab einzurichten.

Das wären die Konsequenzen in Sachsen

Dann würden nach entsprechenden Bundesgesetzen einkommensgefährdende Einschränkungen auf Landwirte im Umkreis der Fundstelle zukommen, die über ein Exportverbot hinausgehen. "Das wären dann unter anderem Verbringungsverbote, Betretungsverbote und Einschränkungen für Maisbauern", so Köpping.

Denn besonders Maisfelder ziehen Wildschweine an, weil sie ideale Rückzugsräume für die Tiere sind. "Das Ganze hätte gravierende Folgen", sagte Köpping. Deshalb überprüften die Landratsämter bereits jetzt vermehrt Schweinehaltungsbetriebe in den Kreisen Görlitz und Bautzen.

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Insgesamt hatte Sachsen bereits vor dem Fall in Brandenburg 440.000 Euro für ASP-Präventionsmaßnahmen in diesem Jahr eingeplant. Damit werden unter anderem30  videoüberwachte Fanganlagen für Bachen und ihre Jungen finanziert, die die Jäger selbst installieren sollen.

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