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Salat aus dem 11. Stockwerk

Die Städte werden voller, die Flächen begrenzter. Leipziger Studierende wollen deshalb ein Modell entwickeln, um auf wenig Hektar viele satt zu kriegen.

Die drei Studenten (l-r) Fabian Schröder, Florian Böhme und David Muuß von der Handelshochschule Leipzig (HHL) haben die Endrunde des internationalen Business Plan-Wettbewerbs um die beste nachhaltige Geschäftsidee erreicht.
Die drei Studenten (l-r) Fabian Schröder, Florian Böhme und David Muuß von der Handelshochschule Leipzig (HHL) haben die Endrunde des internationalen Business Plan-Wettbewerbs um die beste nachhaltige Geschäftsidee erreicht. © sächsische zeitung

Die bisherigen Vorschläge hin zu einer nachhaltigen Welt, findet der BWL-Student David Muuß nicht sexy oder ansprechend, wie er sich im Nachhinein korrigiert. "Auch wenn man noch so oft zu den Leuten sagen würde: Fahrt doch mit dem Fahrrad statt mit dem Auto, die meisten würden es trotzdem nicht tun." Für den Studenten braucht es viele verschiedene Lösungen, "bei denen sich die Leute gut fühlen und nicht, dass man ihnen was wegnimmt."

Bis aber die erste große Farm in einer deutschen Stadt errichtet wird, braucht es erstmal viel Geld und Kompetenzen. Die Studierenden suchen zur Zeit interessierte Ingenieure und Gärtner.

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Betriebswirtschaftslehre und Umweltschutz? Was sich zuerst wie ein Gegensatz anhört, möchte Student David Muuß gemeinsam mit seinen Kommilitonen zusammenbringen. Der BWLer studiert zur Zeit an der Leipziger Handelshochschule (HHL), ein Ausbildungsort für Menschen aus der Start-Up-Szene, die heutzutage Durchstarter, oder junge Unternehmensgründer genannt werden.

Vor Kurzem hat David Muuß gemeinsam mit vier Kommilitonen eine Platzierung unter den Top 4 im internationalen Business Plan-Wettbewerb erreicht, dieser wird jedes Jahr von der Sasin Business School in Bangkok organisiert, um die besten nachhaltigen Geschäftsideen zu küren.

Ähnliche Modellprojekte gibt es auf der ganzen Welt

Es ist ein Preis für eine Idee, die ziemlich in die Höhe sprießen will. Vertical Farming, heißt das Konzept, dass auf wenig Fläche viel produzieren will. "Vertical Farming ist eine im Gebäude liegende Farm, in der nicht nur in der Breite sondern auch in der Höhe Gemüse angebaut wird", erklärt der Student Florian Böhme. Ob Tomaten, Salat, Möhren, sie wachsen nebeneinander, und in mehreren Etagen übereinander. "Auf so vielen Stockwerken, wie man möchte."

Dass so etwas kein Wunschdenken mehr ist, beweisen Modellprojekte auf der ganzen Welt: Die weltweit größte vertikale Farm steht derzeit in den USA . Dort kultiviert das Unternehmen AeroFarms in einer ehemaligen Stahlfabrik Gemüse in zwölf Etagen übereinander. Geerntet wird hier ganzjährig. Möglich ist das durch eine 24-stündige Beleuchtung mit LED-Lampen und eine Klimasteuerung, die stets für die optimale Temperatur und Luftfeuchte im Raum sorgt. David Muuß und Florian Böhme wollen dieses Konzept in Deutschland umsetzen, dafür planen sie, das Unternehmen Reyver zu gründen. Vertical Farming sei ein notwendiger Schritt, um auf nachhaltige Weise viele Menschen satt zu bekommen.

Vertical Farming verbrauche weniger Fläche und weniger Wasser als die herkömmliche Landwirtschaft, erklärt David Muuß. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Durch eine vertikale Nutzung von Bodenflächen zielt das Unternehmen darauf ab, den Wasserverbrauch um 95 Prozent zu reduzieren. Dabei will das Start-up eine bessere Produktivität der Fläche erreichen. Eine Steigerung von 80 Prozent pro Quadratmeter sehen sie als möglich an.

Finanzierung nicht das Hauptproblem

Dadurch, dass die Farm in einem Gebäude liegt, gibt es auch keinen Wind oder Regen, welche den Boden fortspülen könnte. "Und man braucht weniger Energie für den Transport", denn würde es nach Florian und David gehen, soll die Vertical Farm direkt am Stadtrand stehen. Von dort könnte man einen Teil der Bevölkerung ernähren. Direkt vom Produzenten zum Konsumenten. Dass die Idee derzeit nur in einem schriftlichen Dokument steckt und es ein langer Weg bis zur Umsetzung ist, verschreckt die beiden weniger. Trotzdem erkennen sie die Herausforderungen. Die finanzielle Not sei dabei die größte, weshalb sie versuchen ihre Idee auf weiteren Wettbewerben zu verbreiten. Um das Gemüse das ganze Jahr - auch im Winter - gedeihen zu lassen, braucht es viel Strom, doch auch hier sind sie optimistisch. Sie glauben, dass auf die potenzielle Ertragsmenge gerechnet, der Transport aus anderen Teilen Europas energieintensiver sei, wo nur auf der Horizontalen angebaut wird.

Viel schwieriger stellen sie sich die Akzeptanz in der Gesellschaft vor. "Es ist eine sehr technologische Lösung auf die Frage unserer Zeit", sagt David Muuß. Es sei die Frage, wie die Menschheit die stetig wachsende Bevölkerung auf umweltschonende Weise satt bekommt?

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