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Kreis Görlitz: Horror vor der Schweinpest

Sachsen hat noch keinen Fall der Seuche. Aber das Geschehen in den brandenburgischen Nachbarkreisen sorgt für Unruhe im Landkreis Görlitz.

Mit der Schweinepest sinkt der Preis für Schweinefleisch. Mit den positiven ASP-Funden in Brandenburg hat jetzt auch Deutschland das Makel, ein Land mit Schweinepest zu sein.
Mit der Schweinepest sinkt der Preis für Schweinefleisch. Mit den positiven ASP-Funden in Brandenburg hat jetzt auch Deutschland das Makel, ein Land mit Schweinepest zu sein. © dpa

Aus einem infizierten Wildschwein sind inzwischen 20 geworden.  Neun tote Wildschweine stammen aus dem Raum Schenkendöbern im Kreis Spree-Neiße und elf sind bei Neuzelle im Kreis Oder-Spree gefunden worden. Bei allen 20 Tieren ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) nachgewiesen. Schenkendöbern, unmittelbar an der polnischen Grenze, liegt nur eine Autostunde von Bad Muskau entfernt. Oder anders formuliert, die Schweinepest ist nur gut 50 Kilometer von der Grenze des Landkreises Görlitz entfernt. Das lässt Schweinezüchter nicht mehr ruhig schlafen. 

Rico Krause ist Prokurist bei der AGRÖ Frankenthal Gesellschaft, die Bestandteil der Landwirtschaftsbetriebe Gröbner in Sachsen ist. Die AGRÖ beschäftigt sich vorwiegend mit der Schweineaufzucht und -mast. Im Landkreis Görlitz unterhält sie drei Stallanlagen in Horka, Kodersdorf und Kunnersdorf an der B 115. Dort sind bis zu 12.700 Schweine untergebracht. Schon mit dem Aufkommen der ersten ASP-Fälle an polnischen Wildschweinen wurden die Sicherungsmaßnahmen an den eigenen Stallanlagen verstärkt. "In Kodersdorf ist nicht nur unser  Betriebsgelände eingezäunt, sondern jeder Stall noch einmal extra", nennt Rico Krause ein Beispiel.  

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Wildtiere wollen Zaun überwinden

Als am 10. September das erste mit ASP infizierte Wildschwein in Brandenburg festgestellt wurde, bekam die AGRÖ vier Tage später von der Landkreisverwaltung Zaunmaterial für ihre Anlage in Kodersdorf, um einen weiteren Schutz vom Feld her zu haben. "Bereits im Vorfeld stellten wir an unserem vorhandenen Zaun drei Stellen fest, wo Wildtiere versucht haben, durchzuschlüpfen", berichtet der kaufmännische Leiter. Auch wenn offen ist, welche Tierarten da am Werke waren, zeigen diese Vorfälle, dass die Gefahr der Übertragung der Schweinepest im Landkreis Görlitz latent ist. 

Aber ist sie das? Der Landkreis Görlitz ist aktuell von dem Geschehen in Brandenburg nicht direkt betroffen, lässt die Verwaltung auf Nachfrage der SZ über ihre Pressesprecherin mitteilen. Sie rät aber dazu, dass bei geplanten Reisen und Ausflügen in Gebiete der Landkreise Oder-Spree, Spree-Neiße und Dahme-Spree sich die Bürger vorab informieren sollten. "Zum Beispiel über aktuell bestehende Auflagen und Einschränkungen, die auf den Internetseiten der Landkreise zu finden sind", so Julia Bjar. Für den Menschen ist die Schweinepest nicht gefährlich. Deshalb gibt es im Landkreis Görlitz für Pilzsammler und Beerenpflücker keine durch die ASP verursachten Einschränkungen. "Grundsätzlich sind alle Menschen aufgefordert, keinen Müll und keine Speisereste in der freien Natur zurückzulassen", ergänzt Julia Bjar.

Jäger sind in die Pflicht genommen

Die Schweinezüchter sind vor allem wirtschaftlich von der Schweinepest betroffen. Aber auch die Jäger und Pächter von Waldflächen haben Verantwortung über das, was unter ihren Baumwipfeln passiert. So haben sie die für ganz Sachsen geltende Verpflichtung, tot aufgefundene und krank erlegte Wildschweine dem zuständigen Veterinäramt zu melden. In den Landkreisen Bautzen und Görlitz muss seit Frühjahr auch allen gesund erlegten Schwarzkitteln eine Probe auf ASP entnommen werden. Zudem dürfen keine Wildaufbrüche im Wald liegengelassen oder vergraben werden. Sie sind zu entsorgen.      

An der Neiße nördlich von Lodenau bauten Ende Januar Mitarbeiter der Straßenmeisterei Niesky und des Veterinäramtes Löbau die Wildschweinbarriere auf. Brandenburg setzt inzwischen einen festen Zaun an der Grenze zu Polen, um die Schweinepest einzudämmen.
An der Neiße nördlich von Lodenau bauten Ende Januar Mitarbeiter der Straßenmeisterei Niesky und des Veterinäramtes Löbau die Wildschweinbarriere auf. Brandenburg setzt inzwischen einen festen Zaun an der Grenze zu Polen, um die Schweinepest einzudämmen. ©  Archiv/André Schulze

Dem Landesjagdverband Sachsen geht das nicht weit genug. Einerseits bekommen die Jäger und Pächter zusätzliche Auflagen wegen der Schweinepest, aber diese müssen auch entsprechend ihnen gegenüber bezahlt werden. Vizepräsident Wilhelm Bernstein fehlt es an einer entsprechenden Aufwandsentschädigung, wenn der Weidmann sich auf die Suche nach toten Wildschweinen macht. Auch geht es ihm um den noch nicht geklärten Versicherungsschutz im Zusammenhang mit ASP bei den Pächtern, der von der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft nicht gedeckt ist. Schließlich müssen die Jäger auch in Einrichtungen wie Hochstände investieren. Auch daran sollte sich das Land Sachsen beteiligen.  

Nicht mehr nur zehn Euro

Inzwischen hat der Freistaat reagiert. Er will den Jägern in den Landkreisen Bautzen und Görlitz nicht mehr nur die zehn Euro für die Probenentnahme zahlen. Dazu gibt es 50 Euro für das Erlegen und Versorgen von Wildschweinen. Ist es eine Bache, kommen weitere 40 Euro dazu. Dazu übernimmt das Land die Trichinenuntersuchung und das Entsorgen des Aufbruchs und der Schwarte, sofern angeordnet. Das alles ist aber noch nicht beschlossen, heißt es aus dem Sozialministerium. Die Polen, im Osten ihres Landes besonders hart von der Schweinepest betroffen, sind da ein Stück weiter. Sie binden auch die Bevölkerung mit ein. So führte das Marschallamt der Woiwodschaft Lubelskie bereits 2017 eine Belohnungen in Höhe von 200 Złoty (knapp 50 Euro) für die Suche nach einem toten Wildschwein ein.     

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Für Prokurist Rico Krause ist die Intensität der Schweinepest im Preis für Schweinefleisch messbar. Vor dem ASP-Fund in Brandenburg lag der Preis für ein Kilogramm Schweinefleisch bei 1,47 Euro. Zwei Tage später sank der Preis bereits um 20 Cent. Für den Laien mag das nicht viel sein. Aber in Bezug auf ein ausgewachsenes Mastschwein bedeuten 20 Cent weniger, dass der Züchter dem Käufer 20 Kilogramm Schweinefleisch schenkt. "Für unser Unternehmen heißt das, dass wir jede Woche einen mittleren fünfstelligen Betrag weniger einnehmen", bringt es Krause auf den Punkt. Und dabei legt er nicht den Kilopreis von zwei Euro zugrunde, der noch vor einem halben Jahr gezahlt wurde. 

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