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Wirtschaft

Das ist Sachsens digitale Vorzeigeschule

Im Wettbewerb „Sachsens Unternehmer des Jahres“ geht der Sonderpreis an das Bildungsunternehmen SIS. Wie die Glauchauer die Schule digital machen.

Saxony International School - Carl Hahn gemeinnützige GmbH in Glauchau.
Geschäftsführer sind Rüdiger School und Melissa Blankenship-Küttner
Saxony International School - Carl Hahn gemeinnützige GmbH in Glauchau. Geschäftsführer sind Rüdiger School und Melissa Blankenship-Küttner © Uwe Mann

Von Christoph Ulrich

Selbst das gemeinsame Singen klappt digital. Zwar ist das Klassenzimmer leer, doch auf dem großformatigen LED-Display ist der Chor komplett. Die Schüler der „Saxony International School – Carl Hahn“ (SIS) in Glauchau nutzen ihr universell einsetzbares 2-in-1-Gerät, also Laptop und Tablet in einem, um digital am Unterricht teilzunehmen. Was in vielen sächsischen Schulen noch Utopie ist, gehört in den 16 SIS-Schulen inzwischen zum Alltag. „Die Pandemie war eine neue Herausforderung, aber wir haben das relativ gut gelöst“, sagt Rüdiger School, der zusammen mit Melissa Blankenship-Küttner das Bildungsunternehmen leitet. Inzwischen gebe es kaum einen Unterschied zum realen Unterricht, zeigt sich der Geschäftsführer überzeugt.

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Die Digitalisierung der SIS-Schulen war allerdings ein Kraftakt. Mit Hilfe von Mitteln aus dem Digitalpakt hat das Bildungsunternehmen in kürzester Zeit 2.000 Notebooks für den Unterricht angeschafft. Zusätzlich wurde das interaktive Angebot für die Unterrichtsräume mit 50 großformatigen interaktiven LED-Touchdisplays erweitert. Sie dienen als multifunktionales Mediacenter im Klassenzimmer für Videos, Grafiken oder als elektronische Tafel.

Damit wurden auch die Voraussetzungen geschaffen, um in der Pandemie auf Homeschooling umzuschalten. Die Coronakrise wurde zu einem Quantensprung beim digitalen Lernen und Lehren genutzt. Die Deutsch-Amerikanerin Melissa Blankenship-Küttner zeigt sich begeistert über die neuen Möglichkeiten, die die digitale Technik bietet: „Im Lockdown haben die Schüler Online-Meetings gemacht, um die Kommunikation untereinander aufrecht zu erhalten. Das hat selbst im Kindergarten funktioniert.“

Digitaler Unterricht hat positiven pädagogischen Effekt

Voraussetzung dafür sei gewesen, dass auch alle Lehrkräfte und Erzieher mitgezogen haben. „Das ganze Team hat Enormes geleistet“, versichert die Geschäftsführerin, und in ihrer Stimme schwingt der Stolz über die mehr als 350 Mitarbeiter des Unternehmens mit. Die „Saxony International School – Carl Hahn“ (SIS) ist im Verbund mit der GGB Gesellschaft zur ganzheitlichen Bildung gGmbH Sachsen (GGB) ein sich stetig entwickelnder Bildungsträger. Zum Schulverbund gehören 16 freie staatliche anerkannte Schulen mit einer internationalen Ausrichtung. Hinzu kommen 19 GGB-Fremdsprachenkindertagesstätten, in denen schon im frühen Kindesalter Englisch gelernt wird.

Die Digitalisierung des Unterrichts hatte sogar einen positiven pädagogischen Effekt. „Die Schüler sind beim Lernen selbstständiger geworden. Wir haben durch Corona keine schlechteren Ergebnisse“, freut sich Rüdiger School. Auch im Lockdown waren strukturierte Tagesabläufe mit fast unverändertem Stundenplan an den SIS-Schulen eine Selbstverständlichkeit.

Neben dem täglichen Videounterricht wurden Elternabende, Elterngespräche, Tage der offenen Tür, Chorproben, Experimente oder auch Kochshows digital veranstaltet. „Man muss es entweder richtig oder gar nicht machen“, meint der Geschäftsführer. Wichtig sei gewesen, dass die Eltern von der großen zusätzlichen Last befreit wurden, während der Pandemie und ihrem eigenen Job auch noch die Kinder beschulen zu müssen. „Dafür haben sich viele Eltern bei uns bedankt“, versichert School.

Top ausgebildet für die Welt von Morgen

Bei dem jetzt erreichten Stand wollen Blankenship-Küttner und School nicht stehenbleiben. „Die Chancen der Digitalisierung werden wir nutzen“, sagt die Geschäftsführerin. Beide arbeiten an einer schulweiten Kultur zur Integration der neuen Technologie und setzen dabei vor allem auf die Risikofreude ihrer Belegschaft, neue Dinge und neue Unterrichtsformen auszuprobieren. Zudem wurden Lehrerfortbildungen angeboten, um den Mehrwert der neuen Technik für Lernende und Unterrichtende aufzuzeigen. „Aber wir zeigen unseren Kindern auch die Gefahren des Internets, sie lernen auch mit den Sicherheitsfragen umzugehen“, erklärt Blankenship-Küttner.

Die neue IT-Ausstattung soll zeitgemäße Rahmenbedingungen für praxisnahes Lernen schaffen. „Die Kinder sollen top ausgebildet sein für die Welt von Morgen, und diese Welt wird global sein“, sagt School. Nicht umsonst steht der frühere Vorstandsvorsitzende des VW-Konzerns, Carl Hahn, mit seinem Namen zu den SIS-Schulen. School war früher Hochschullehrer für Kraftfahrzeugtechnik, aber 1989 gründete er das Bildungsunternehmen mit einem ersten internationalen Kindergarten. Trotzdem hat sein alter Beruf noch Spuren im Unternehmen hinterlassen.

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Das Tochterunternehmen Saxony International School Middle East GmbH betreibt drei Berufsfachschulen für Kraftfahrzeugtechnik an den ägyptischen Standorten Kairo, Alexandria und Kafr El Zayat. Zudem verantwortet das Unternehmen eine firmeneigene Bildungsakademie für „Ghabbour Auto“, einem Automotive-Unternehmen in Ägypten mit 16.000 Beschäftigten. Dort lernen 600 Auszubildende nach deutschen Berufsschullehrplänen. Ein neues Projekt in Ägypten steht zusätzlich auf der Agenda. Blankenship-Küttner geht für ein Jahr dorthin, um eine Bildungseinrichtung vom Kindergarten bis zum Abitur aufzubauen.

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