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Fliegt Alexander Gerst als Nächstes zum Mond?

2022 soll ein europäischer Astronaut zum Erkundungsflug in Richtung Mond starten. Die neuen Nasa-Raumschiffe werden dafür schon gebaut - auch in Deutschland.

Dieses Teil soll die Amerikaner zum Mond bringen, gebaut bei Airbus in Bremen. Die europäische Raumfahrtagentur Esa hat am Dienstag drei weitere Servicemodule bestellt und bekommt dafür Mitflugtickets der Nasa.
Dieses Teil soll die Amerikaner zum Mond bringen, gebaut bei Airbus in Bremen. Die europäische Raumfahrtagentur Esa hat am Dienstag drei weitere Servicemodule bestellt und bekommt dafür Mitflugtickets der Nasa. © NASA/ESA/ATG Medialab

Jetzt läuft die Zeit. Nur für wen, das steht noch nicht fest. Europa schickt im kommenden Jahr seinen ersten Astronauten auf Mondumrundung. Gute, wenn nicht beste Chancen auf diesen einige Tage bis Wochen dauernden Rundflug hat Alexander Gerst. Als einziger Vertreter des europäischen Astronautenkorps sitzt er am Dienstag mit dabei, als die europäische Technik für diesen Raumflug präsentiert wird. Virtuell natürlich.

Die Europäische Raumfahrtagentur Esa hat am Dienstag an Airbus einen Großauftrag für den Bau dieser Weltraumtechnik vergeben. Ein 650-Millionen-Euro-Paket wird dies. Das ist zugleich der Preis für die Tickets der europäischen Astronauten und die Nutzung der Infrastruktur im All. Europa wird – ergänzend zu den schon bestehenden Verträgen – drei weitere Service-Module (ESM) bauen. Insgesamt dann sechs an der Zahl.

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Jedes dieser ESM ist so etwas wie das Kraftwerk des amerikanischen Orion-Raumschiffs. Hier befinden sich die Triebwerke, hier wird die elektrische Energie bereitgestellt. Hier gibt’s den benötigten Sauerstoff. Orion wird Menschen in fernere Welten bringen als je ein Raumschiff davor. Es geht bis jenseits von Mond und Mars, bis zu den Asteroiden – so der Plan.

Zumindest der nahe Plan scheint zu stehen und gut machbar zu sein. Im Rahmen des Artemis-Mondprogramms werden Astronautinnen und Astronauten zum Mond und zuvor in einer Umlaufbahn um ihn fliegen. Artemis 1 startet übrigens noch in diesem Jahr, dann allerdings unbemannt. Nur Dummys, Messtechnik und spacige Souvenirs wie Flaggen und Maskottchen werden an Bord sein. Und dann, 2022? Dann wird es ernst. Wahrscheinlich für Alexander Gerst. Der war schon zweimal im All, insgesamt rund ein Jahr auf der Raumstation ISS. Und dort sogar Kommandant für eine gewisse Zeit. Er habe Leitungserfahrung und im All einen super Job gemacht, lobt Esa-Generaldirektor Jan Wörner.

Alexander Gerst in Baikonur wenige Stunden vor seinem zweiten Start ins All mit einer Sojus im Juni 2018. Startet er nun nächstes Jahr mit der Nasa zum Mond?
Alexander Gerst in Baikonur wenige Stunden vor seinem zweiten Start ins All mit einer Sojus im Juni 2018. Startet er nun nächstes Jahr mit der Nasa zum Mond? © SZ/Stephan Schön

Ein europäischer Astronaut mit einem deutschen Pass, das wäre angesichts der enormen Beteiligung Deutschlands an Bau und Kosten des ESM wichtig und richtig, sagt Walther Pelzer, DLR-Vorstand und Chef der Deutschen Raumfahrtagentur, in der Videokonferenz. Im Astronauten-Team der Esa sind derzeit aber zwei Deutsche: Alexander Gerst und sein Kollege Matthias Maurer. Maurer fliegt allerdings schon diesen Herbst mit SpaceX für ein halbes Jahr zur Raumstation. Bleibt also doch nur Gerst, wenn Deutschland diesen einen von vier Plätzen der Mondmission 2022 bekommt. Das wäre die Artemis-Mission Nummer 2.

Bis 2024 will die Nasa dann eine Station aufbauen, die um den Mond fliegt. Lunar Gateway nennt sich die, und auch daran sind die Europäer beteiligt. Dies soll die Basis für die Mondlandungen werden. Bei der ersten Mondlandung 2024, der Artemis-Mission 3, wird die Esa dann sehr wahrscheinlich nicht mit an Bord sein. Allerdings will die Nasa eine Frau im Team haben, es wäre dann die erste Astronautin auf dem Mond.

Die entscheidenden Servicemodule für die benötigten Raumschiffe 2 und 3 stehen bei Airbus in Bremen bereits in den Fertigungshallen. Die Nummer 1 sei schon bei der Nasa, sagt Airbus-Weltraummanager Andreas Hammer.

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Nachdem am Dienstag drei weitere Service-Module in Auftrag gegeben wurden, bedeutet das für Esa-Chef Jan Wörner vor allem eines: Nicht nur mehr europäische Technik und Fluggerät sollten künftig zum Mond fliegen, sondern vor allem Europäer in dieser Technik. Ab Mitte des Jahrzehnts werden demzufolge Europäer mehrfach zum Mond unterwegs sein und diesen dann wohl auch betreten.

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Gateway, das ist die gepante Basisstation für künftig Mondlandungen. © ESA

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