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Wirtschaft
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Dresdner Mikrochipfabrikanten fordern Chipgesetz 2.0

Die Europäische Union will bei der Mikrochip-Herstellung unabhängiger von Übersee werden. Was Fabrikanten und Chemiegewerkschafter jetzt vorschlagen.

Von Georg Moeritz
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Manfred Horstmann, Geschäftsführer von Globalfoundries in Dresden (links, hier im Gespräch mit Wirtschaftsminister Martin Dulig) möchte ein Europäisches Chipgesetz 2.0.
Manfred Horstmann, Geschäftsführer von Globalfoundries in Dresden (links, hier im Gespräch mit Wirtschaftsminister Martin Dulig) möchte ein Europäisches Chipgesetz 2.0. © Archivfoto: SZ/Veit Hengst

Dresden. Das neue Europäische Chipgesetz braucht nach Ansicht Dresdner Mikrochip-Experten schon bald einen Nachfolger. Manfred Horstmann, Geschäftsführer der Globalfoundries-Fabrik mit 3.000 Beschäftigten in Dresden, fordert einen "European Chips Act 2.0". Bei einem parlamentarischen Gespräch mit der Chemiegewerkschaft IG BCE am Donnerstag sagte Horstmann laut Pressemitteilung, die geplante Erhöhung der Chipproduktion in Europa und die Stärkung der industriellen Resilienz seien ein Marathon. Europa brauche einen krisenfesten Zugang zu "vertrauenswürdigen Chips".

Globalfoundries hatte sich bei der Verteilung der Milliarden-Subventionen aus dem ersten Europäischen Chipgesetz benachteiligt gefühlt. Der taiwanische Mikrochiphersteller TSCM ist größter Konkurrent von Globalfoundries und baut in Dresden mit den Partnern Bosch, Infineon und NXP bis 2027 eine Mikrochipfabrik, die voraussichtlich fünf Milliarden Euro vom Bund und damit die Hälfte der erwarteten Investitionskosten als Zuschuss bekommt. Globalfoundries-Chef Thomas Caulfield hatte eine mögliche Investition von acht Milliarden Dollar für Dresden ins Gespräch gebracht - für den Fall, genauso stark gefördert zu werden wie der größere Rivale.

Globalfoundries und X-Fab hoffen auf nächste Förderung

Der kleinere Mikrochiphersteller X-Fab, der in Dresden 550 Menschen beschäftigt, legt ebenfalls Wert auf eine "Fortsetzung" der Projekte des Chipgesetzes. Michael Woittennek, Geschäftsführer von X-Fab Dresden, hofft dabei auch auf Förderung der vorhandenen spezialisierten Hersteller. Woittennek sagte, eine der Stärken der europäischen Halbleiterindustrie seien kleinere Stückzahlen je nach Bedarf der Autohersteller, Medizintechnik oder Industrie. "Diese Stärken gilt es auszubauen und zu fördern mit international wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen", sagte Woittennek. Die Bestrebungen zum Ausbau der europäischen Halbleiterindustrie müssten "auf breitere Füße" gestellt werden.

Der Gewerkschaftsvorsitzende Michael Vassiliadis nannte die Halbleiterindustrie eine "Schlüsselbranche", die über den Erfolg der Transformation mitentscheiden werde. In dieser Branche dürfe es "keine Neuansiedlung ohne Tarifbindung" geben. Für Globalfoundries und X-Fab hatte die IG BCE Tarifverträge abgeschlossen. Für Dresdens derzeit größte Halbleiterfabrik ist die IG Metall zuständig, weil Infineon aus dem Siemens-Konzern hervorgegangen ist. Die beiden großen Gewerkschaften, die im Deutschen Gewerkschaftsbund zusammenarbeiten, haben sich über diese Aufteilung der Branche verständigt. Für Bosch ist auch die IG Metall zuständig. Die Neuansiedlungen ESMC in Dresden und Intel in Magdeburg reklamiert die IG BCE nach früheren Angaben für sich.

Vassiliadis forderte, wo Unternehmen mit öffentlichen Geldern unterstützt werden wie beim Ausbau der Chip-Industrie, müsse es Tarifbindung und Mitbestimmung geben. Stephanie Albrecht-Suliak, Leiterin des IG BCE-Landesbezirks Nordost, sagte, die Branche biete "speziell im eher strukturschwachen Sachsen eine echte Chance für Reindustrialisierung". Infineon schafft derzeit mit einem neuen Werksteil in Dresden rund 1.000 zusätzliche Arbeitsplätze, das europäische Gemeinschaftsunternehmen ESMC mit taiwanischer Beteiligung hat 2.000 Stellen bis zum Jahr 2027 angekündigt. In Magdeburg in Sachsen-Anhalt will der US-Konzern Intel 3.000 Stellen schaffen.